Ein Eis essen, über den Wochenmarkt schlendern oder gemeinsam spazieren gehen: Rosemarie Jasinski und Jutta Billhardt verbringen gerne Zeit miteinander. „Ich freue mich immer sehr auf ihre Besuche“, sagt Jasinski. Einmal in der Woche kommt die 55-jährige Billhardt zu der 85‑Jährigen. Dass die beiden sich gefunden haben, verdanken sie Kölsch Hätz. Über die Nachbarschaftshilfe ist der Kontakt im Sommer zustande gekommen.
Jasinski lebt allein in Zollstock. Seit einer schweren Erkrankung vor vier Jahren sitzt sie im Rollstuhl und kann nur kurze Strecken gehen. Umso mehr freut sie sich über die gemeinsamen Unternehmungen. „Wir haben uns gleich gut verstanden und mögen uns sehr“, sagt sie. Auch Billhardt genießt die gemeinsame Zeit. „Wir ziehen uns beide gerne schön an, unternehmen gerne etwas, und Rosemarie Jasinski hat einen tollen Humor“, schildert Billhardt.
Zeit miteinander verbringen
Dass Unterstützung im Alltag wichtig ist, hat Jutta Billhardt bereits bei ihren Eltern erlebt. „Ich habe gesehen, dass man mehr Hilfe braucht, wenn man älter wird. Deshalb möchte ich mich hier einsetzen“, sagt sie. Bei Jasinski geht es vor allem darum, Zeit miteinander zu verbringen.
Kölsch Hätz wurde 1997 in Köln gegründet und fördert inzwischen in 29 Stadtteilen Begegnungen und Kontakte im Veedel. Die Nachbarschaftshilfe vermittelt Ehrenamtliche an Menschen, die sich Gesprächspartner wünschen oder Begleitung beim Einkaufen und bei Erledigungen benötigen. Auch Familien und Alleinerziehende können Unterstützung finden. Pflege, Putzen und Kinderbetreuung gehören nicht zum Angebot. Träger sind der Caritasverband für die Stadt Köln und das Diakonische Werk Köln und Region.
„Die meisten Menschen wünschen sich vor allem jemanden zum Reden oder für einen Spaziergang. Diese persönlichen Begegnungen können helfen, Einsamkeit und sozialer Isolation vorzubeugen“, sagt Marie-Bernadette von Boeselager, Ehrenamtskoordinatorin bei Kölsch Hätz in Zollstock. Freiwillige sollten mindestens ein bis zwei Stunden pro Woche regelmäßig einplanen. Was sie gemeinsam unternehmen, vereinbaren sie individuell. Kölsch Hätz begleitet die Ehrenamtlichen, bietet Fortbildungen und Möglichkeiten zum Austausch. „Auch wenn es einmal nicht miteinander klappt, sind wir als Ansprechpartner immer da“, sagt von Boeselager.
In Zollstock feierte die Nachbarschaftshilfe jetzt ihr zehnjähriges Bestehen. Aktuell engagieren sich hier 39 Freiwillige, 26 Menschen nehmen das Angebot in Anspruch. Zum Team gehört auch Gisela Schade. Die 79-Jährige koordiniert seit acht Jahren ehrenamtlich die Vermittlung zwischen Hilfesuchenden und Freiwilligen. Nach vielen Jahren in der Altenpflege wollte sie sich auch im Ruhestand für andere einsetzen. „Es ist ein sehr erfüllendes Ehrenamt, weil man wirklich konkret Hilfestellung leisten kann“, sagt sie. Für Jasinski und Billhardt ist aus der Vermittlung ein vertrauter Kontakt geworden. Ihre Geschichte zeigt, wie Begegnungen den Alltag bereichern.

