Vor allem für ältere Menschen können hohe Temperaturen gefährlich werden.
Bis zu 36 GradSo schützen Kölner Seniorenheime ihre Bewohnerinnen und Bewohner vor Hitze

Bei vielen Seniorinnen und Senioren besteht die Gefahr, dass sie nicht genug trinken.
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„Um 11 Uhr morgens waren es im Zimmer schon 28 Grad – und da stand die Sonne noch nicht vorm Fenster.“ Am Freitagvormittag besuchte eine Kölnerin, die anonym bleiben möchte, ihre 97-jährige Großmutter in einem Seniorenheim der Caritas. Dass sich der Raum vermutlich im Laufe des Tages auf über 30 Grad aufheizen wird und die Temperaturen in den kommenden Tagen nicht sinken werden, bereitet ihr große Sorgen: „Man merkt deutlich, dass sie durch die extreme Hitze viel müder und antriebsloser ist als sonst.“
Bei Besuchen bemühe sie sich, ihre Großmutter zum Trinken zu animieren. Der Speisesaal und die Aufenthaltsräume des Seniorenheims seien klimatisiert. Ihre Großmutter habe sich für ihr Zimmer privat ein Klimagerät gekauft, dessen Kühlung und Luftzug sie jedoch nicht immer gut vertrage.
Die Finanzierung von Hitzeschutzmaßnahmen ist für Pflegeheime schwer zu tragen
In den Altenzentren der Kölner Caritas gebe es keine generelle Klimatisierung, teilt Pressesprecherin Klara Scherholz mit. Durch verschiedene Maßnahmen wie richtiges Lüften, Verschattung und Anpassung der Beschäftigungsangebote sollen die Bewohnerinnen und Bewohner bei Hitze dennoch geschützt werden. Es werde verstärkt auf die ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet, in bestimmten Fällen auch durch Trinkprotokolle. Besonders gefährdet seien hier Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, außerdem demenzkranke oder körperlich eingeschränkte Bewohner und solche, die Medikamente mit Auswirkungen auf den Wasserhaushalt oder Kreislauf einnehmen.
„Nötig wäre eine komplette Refinanzierung von Hitzeschutzmaßnahmen in Pflegeheimen, wie Klimaanlagen, bessere Isolierungen der Immobilien beziehungsweise das Nachrüsten“, so Scherholz. Bisher gebe es nur eine teilweise Refinanzierung über Fördertöpfe, die mit erheblichem Aufwand zu beantragen seien.
Seniorinnen und Senioren ohne Angehörige sind besonders gefährdet
Morgens früh schaut Yannick Bamberger nach den Bewohnerinnen und Bewohner des Seniorenhauses An St. Theodor in Kalk und erinnert sie daran, bei den aktuellen Temperaturen besonders auf körperliche Warnsignale zu achten. „Letztes Jahr ist uns stark aufgefallen, dass die gesundheitlichen Notfälle bei Hitze zunehmen. Deswegen haben wir uns vorgenommen, so viel zu informieren, wie es geht.“
Rund 180 bis 200 Menschen leben in der Einrichtung. Anders als in einem klassischen Pflegeheim wohnen sie dort privat zur Miete. Die Möglichkeiten zu Hitzeschutzmaßnahmen seien daher begrenzt, so Bamberger, aber das Team tue, was möglich ist. So gebe es Informationsveranstaltungen zum Selbstschutz bei Hitze, und das Seniorenhaus biete an, Getränke direkt in die Wohnungen zu liefern. Besonders gefährdet seien die Bewohner, die wenig oder gar keinen Besuch von Angehörigen bekommen.
Einige Mieter würden inzwischen selbst in Klimaanlagen investieren, so Yannick Bamberger. Leider mangele es in Köln insgesamt an Abkühlungsmöglichkeiten bei Hitze. Mit einem Augenzwinkern sagt er: „Toll wäre ein Schwimmbad im Haus – aber das kann man sich natürlich nicht leisten.“
Toll wäre ein Schwimmbad im Haus – aber das kann man sich natürlich nicht leisten.
In den vier Seniorenzentren der Kölner AWO werden die Mitarbeitenden jedes Jahr für den Umgang mit Hitze geschult, sagt Elisabeth Römisch, Fachbereichsleiterin für Seniorinnen und Senioren. Im Lotte-Lemke-Haus in Zündorf, einem Neubau, habe die AWO bereits bei der Planung auf den Klimawandel reagiert. Beim Bau wurde auf ausreichende Isolierung geachtet, und eine spezielle Kältetechnik in den Decken sorgt normalerweise für angenehme Temperaturen – „nur funktioniert die Technik jetzt gerade leider nicht“, so Römisch.
In den älteren Gebäuden in Ehrenfeld und der Südstadt sei das Kühlen schwieriger, hier kommen mobile Klimageräte zum Einsatz. Überall seien automatische Verschattungen in die Fenster eingebaut. „Das sind natürlich große Investitionen. Da muss man als Einrichtung überlegen: Wo fängt man an? Am besten in den Gemeinschaftsräumen“, sagt Römisch. Ventilatoren nutze die AWO in ihren Seniorenheimen generell nicht, da diese bei vielen Bewohnerinnen und Bewohnern beispielsweise Augenprobleme auslösen.
Das sind natürlich große Investitionen.
Damit die Bewohner genug Flüssigkeit aufnehmen, passen die AWO-Seniorenheime bei Hitze ihre Speisepläne an: viel Wassermelone, aromatisiertes Wasser oder Wassereis. In Einzelfällen können in Abstimmung mit Ärzten Infusionen notwendig werden.
„Wir sind äußerst froh – gerade ist im letzten Pflegeheim in allen Gemeinschaftsräumen eine Klimatisierung eingebaut worden“, sagt Susanne Bokelmann, Leiterin des Seniorenzentrum Riehl der Sozial-Betriebe-Köln (SBK). Für die etwa 700 pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren in den acht Pflegeheimen der SBK in Riehl sei dies nicht nur eine große Erleichterung, sondern dringend notwendig.
Riehler Seniorenzentrum: Wenn Sommer heißer werden, ist Klimatisierung unverzichtbar
„Es gab bei uns zwar bisher keinen medizinischen Notfall bei Hitze, aber wenn die Sommer noch heißer werden, wächst ja die Gefahr. Da müssen die Menschen hier einfach die Möglichkeit haben, kühle Räume aufzusuchen.“ Die Finanzierung sei eine Herausforderung, „aber da muss man Prioritäten setzen“. Eine Unterstützung durch Fördergelder wäre hier natürlich wünschenswert, so Bokelmann.
Im Seniorenzentrum Riehl gebe es ein umfassendes Hitzeschutzkonzept. Unter anderem achte man auf richtiges Lüften und genügend Schattenoptionen, und auch das Freizeitangebot werde hitzegerecht gestaltet. Menschen mit Demenz seien besonders gefährdet, nicht ausreichend zu trinken. „Wenn jemand von alleine nicht genug trinkt, werden auch in ärztlicher Absprache Trinkprotokolle geführt – das passiert aber eher in Notfällen“, so Susanne Bokelmann.
Klimatisierung spielt auch für die Medikamentenlagerung eine zentrale Rolle
Im Seniorenhaus St. Maria in der Kölner Innenstadt greife das Hitzeschutzkonzept ab Außentemperaturen von 32 Grad Celsius und werde ab 38 Grad verstärkt, teilt Einrichtungsleiter Clemens Pollmann mit. Auch hier gehören wasserreiche Lebensmittel, Lüften zu den richtigen Uhrzeiten und Verdunkelung der Fenster dazu. Teilbereiche des Hauses seien klimatisiert: „Insbesondere dort, wo Medikamente gelagert werden.“
Natürlicherweise kühle Orte wie die hauseigene Kapelle würden während der heißen Tage vermehrt als Rückzugsorte genutzt. Dort, wo sie sinnvoll seien, nutze das Seniorenhaus außerdem Ventilatoren. „Für zusätzliche Erfrischung stehen kühle Waschlappen und Handtücher bereit, die jederzeit genutzt werden können“, so Pollmann. Auch in der Pflege würden kühlende Maßnahmen eingesetzt, beispielsweise Waschungen mit körperwarmem Wasser oder die Verwendung von erfrischenden Produkten mit Minze oder Ingwer.
Kölnerinnen und Kölner können sich per Hitzetelefon beraten lassen
Unterstützung erhalten Seniorenheime und Pflegeeinrichtungen auch von der Stadt Köln. Im Rahmen des Hitzeaktionsplans für Menschen im Alter bietet das Gesundheitsamt seit 2023 kostenfreie Schulungen für Mitarbeitende an. Wie viele gesundheitliche Notfälle es in den vergangenen Jahren in Köln wegen Hitze gab, lässt sich laut Stadtsprecherin Katja Reuter schwer erfassen. Wer wegen Kreislaufproblemen oder anderer Beschwerden ins Krankenhaus kommt, werde häufig als internistischer Notfall registriert – dabei sei oft nicht eindeutig feststellbar, ob die Hitze der Auslöser war.
Die Stadt setze auf Präventionsmaßnahmen, so Reuter. Dazu gehört das Kölner Hitzetelefon, für das sich in diesem Jahr bereits mehr als 3600 Menschen registriert haben. Kölnerinnen und Kölner können sich hier von Medizinerinnen und Medizinern des Gesundheitsamtes beraten lassen und besprechen, auf welchem Weg sie Warnungen vor bevorstehenden Hitzeperioden erhalten möchten – beispielsweise telefonisch oder per SMS. Wenn Probleme nicht telefonisch gelöst werden können, vermittelt das Gesundheitsamt den Kontakt zu Ärztinnen und Ärzten. Die Anmeldung für das Hitzetelefon ist über ein Online-Formular möglich oder über das Bürgertelefon unter 0221/22134347.
