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35 neue StationenStadt Köln und Cambio bauen Carsharing in Köln in diesem Jahr massiv aus

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16.01.2026, Köln: Die Stadt Köln weiht die Carsharing-Station Salierring ein.  An zahlreichen weiteren Standorten soll zukünftig auf öffentlichen Flächen das Parken geteilter Autos möglich sein. Zur Eröffnung einer der ersten Carsharing-Stationen im Rahmen dieses Ausbauvorhabens war auch Ascan Egerer (rechts), Beigeordneter für Mobilität der Stadt Köln dabei.   Foto: Arton Krasniqi

Ralph Herbert von Cambio und Verkehrsdezernent Ascan Egerer (von links) bei der Eröffnung einer neuen Carsharing-Station am Salierring.

Für das Jahr 2027 sind bereits 37 weitere Stationen im öffentlichen Straßenraum geplant – auch in den Stadtteilen jenseits der Innenstadt.

Die gemeinschaftliche Nutzung von Autos ist in Köln seit dem Jahr 1992 etabliert. Damals entstand aus der Umweltbewegung heraus Stattauto Köln, heute bekannt unter dem Namen Cambio. Inzwischen gibt es stadtweit 120 Stationen und 650 Fahrzeuge – und in diesem Jahr wird das Angebot noch einmal massiv ausgebaut. Bis zum Jahresende werden nach und nach 35 weitere Stationen hinzukommen, jeweils mit zwei Fahrzeugen ausgestattet. 

Erste vier Stationen bereits eröffnet

Cambio Rheinland hat eine Ausschreibung der Stadt Köln gewonnen. Sämtliche Stationen befinden sich im öffentlichen Straßenraum. Für das Unternehmen ist das in Köln eher eine Seltenheit, wie Standortleiter Ralph Herbertz sagt. Bislang gehören nur 27 der 120 Stationen zum öffentlichen Straßenraum, der größte Teil ist hingegen auf privaten Flächen oder in privaten Parkhäusern und Tiefgaragen untergebracht. „In anderen Städten teilt sich das 50 zu 50 auf“, sagt Herbertz. Das soll sich in Zukunft ändern. Für das Jahr 2027 sind bereits 37 weitere Stationen im öffentlichen Straßenraum geplant. „Wir wollen einiges dafür tun, dass die Menschen in Köln alternative Möglichkeiten der Mobilität bekommen“, sagt Verkehrsdezernent Ascan Egerer.

Gibt es Carsharing-Stationen bislang vor allem in der Innenstadt, will Cambio in den kommenden beiden Jahren auch das Angebot in den anderen Stadtteilen erweitern. Die zusätzlichen Standorte befinden sich neben der Innenstadt auch in Sülz, Klettenberg, Mülheim, Mauenheim, Junkersdorf, Lövenich und Ehrenfeld. Bereits eröffnet hat das Unternehmen in diesem Jahr neue Stationen am Eierplätzchen, in der Elsaßstraße, am Salierring sowie an der Händelstraße.

Als Kriterium für die Auswahl eines Standortes hat die Stadt herangezogen, ob im Umfeld eine gute Nachfrage zu erwarten ist. „Wir wollen dabei unterstützen, öfter auf die Nutzung oder vielleicht sogar auf den Besitz eines eigenen Autos verzichten zu können und dennoch ohne Einschränkungen mobil zu bleiben“, sagt Verkehrsdezernent Egerer. Verschiedene Studien würden belegen, dass ein Carsharing-Fahrzeug in Köln 13 private Autos ersetzt. In stark verdichteten Stadtteilen mit einer hervorragenden Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr liege das Potenzial sogar bei 20 Autos.

Stationsbasiertes Carsharing gilt als wichtiger Baustein im Mobilitätsmix einer Großstadt. Es trägt laut der Stadt Köln „maßgeblich zur Senkung der privaten Autobesitzquote bei“. Wenn sie solche Angebote nutzen können, fahren die Menschen seltener mit dem Auto und nutzen stattdessen häufiger das Fahrrad oder Busse und Bahnen. „Wir sehen uns als eine Ergänzung des Umweltverbundes“, sagt Cambio-Standortleiter Herbertz. Zum Umweltverbund gehören sämtliche umweltfreundlichen Verkehrsmittel, wie etwa der Fußverkehr, der Radverkehr und der öffentliche Nahverkehr.

Parkplätze mit Sperrbügeln gesichert

Kostenlos gibt die Stadt Köln die Stellplätze für die Stationen allerdings nicht an Cambio ab, da es sich um eine Sondernutzung im öffentlichen Straßenraum handelt. In der Innenstadt muss das Unternehmen pro Stellplatz jeden Monat 120 Euro bezahlen. In allen anderen Stadtbezirken sind es 60 Euro, wenn vor Ort Zonen für das Anwohnerparken eingerichtet sind, und 30 Euro, wenn das Parken dort kostenlos ist. Die Parkplätze sind in der Regel mit abschließbaren Sperrbügeln gesichert, damit dort niemand außer den Cambio-Nutzern sein Auto abstellen kann.

Cambio setzt an den Stationen weit überwiegend Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ein. Wären es Elektroautos, würde die Stadt Köln auf die Sondernutzungsgebühren verzichten. Cambio müsste dann allerdings überall eigenständig Ladestationen aufbauen, obwohl die Nutzung der Parkplätze immer nur auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt ist, die Investition also nach der nächsten Ausschreibung wieder verloren gehen würde. „Da benötigen wir also die Unterstützung derjenigen, welche die Parkplätze an uns vermieten“, sagt Standortleiter Herbertz. Die Cambio-Flotte besteht derzeit zu acht Prozent aus Elektroautos.

Neben dem stationsbasierten System von Cambio gibt es in Köln auch noch Carsharing-Fahrzeuge der beiden sogenannten „Freefloater“ Miles Mobility und Free2move. „Wir sehen das nicht als Konkurrenz, das ist vielmehr ein weiterer Baustein“, sagt Cambio-Standortleiter Herbertz.

Die Nutzer von stationsbasiertem Carsharing seien eher diejenigen, die eine Autonutzung genauer oder über einen längeren Zeitraum planen, während die Nutzer der Freefloater eher spontan ein Auto benötigen und möglichst flexibel sein wollen. Sie können ihr Auto bei der Rückgabe einfach irgendwo in Köln am Straßenrand abstellen. Bei einem stationsbasierten System muss das Auto am Ende der Mietzeit hingegen wieder an der Station abgestellt werden, an der es auch abgeholt wurde. Parkgebühren müssen allerdings auch die Freefloater bezahlen. Die Stadt Köln rechnet das Parken am Straßenrand minutengenau ab, sobald das Fahrzeug abgestellt wurde.