Abo

„Augenmaß droht verloren zu gehen“Kölner OB verteidigt KVB und warnt Gewerkschaft Verdi wegen Streik

2 min
OB Torsten Burmester.

Kölns OB Torsten Burmester.

Hätte die KVB am Mittwoch fahren können oder nicht? Kölns OB Burmester und der Aufsichtsratschef Richter stellen sich vor die KVB.

Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) sieht die Schuld für den mehrtägigen Streik nicht bei den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB), sondern bei der Gewerkschaft Verdi. Burmester sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Ursache für den Ausfall weiter Teile unseres Öffentlichen Nahverkehrs ist der von Verdi organisierte Streik.“

Er bezeichnete die Forderungen im Tarifstreit aber als nachvollziehbar und hob die Bedeutung des Streikrechts für die Demokratie hervor. Burmester sagte: „Gleichzeitig erwarte ich von Verdi bei aller Legitimität des Arbeitskampfes ein hohes Maß an Verantwortung und Augenmaß. Das droht aktuell verloren zu gehen.“

Verdi weist Schuld von sich

Doch Verdi selbst hatte, wie berichtet, der KVB zumindest für den Streiktag am Mittwoch schwere Vorwürfe gemacht: Weil das Personal der Werkstätten streikte, stellte die KVB den Bahnbetrieb komplett ein – und zwar mit der Begründung, dass wenn eine Bahn liegen bleibe, sie nicht abgeschleppt werden könne. „Das entspricht nicht der Wahrheit“, hatte der für Köln zuständige Verdi-Sekretär Frank-Michael Munkler gesagt.

Munkler sitzt als Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der KVB. „Defekte Fahrzeuge werden grundsätzlich immer reingeholt. Auch an Streiktagen. Dafür gibt es eine Notdienstvereinbarung.“ In Düsseldorf beispielsweise wurden die Werkstätten ebenfalls bestreikt, dennoch waren alle Stadtbahnen wie gewohnt unterwegs.

KVB-Aufsichtsratschef stellt sich vor Unternehmen

Die KVB hatte ihre Entscheidung mit der kurzfristigen Ankündigung des Streiks begründet. Pressesprecher Matthias Pesch sagte: „Aufgrund der Kurzfristigkeit des Streikaufrufs war es uns nicht möglich, mit einer ausreichenden Zahl an Notdiensten in den Werkstätten einen sicheren Stadtbahnbetrieb zu gewährleisten.“

Auch der KVB-Aufsichtsratschef, das grüne Ratsmitglied Manfred Richter, nahm das Unternehmen in Schutz. Richter sagte dieser Zeitung: „Die durch Verdi veranlassten Streiktage bei der KVB stellen Kundinnen und Kunden vor große Herausforderungen bei den täglichen persönlichen Planungen. Die Kundinnen und Kunden können sicher davon ausgehen und erwarten, dass die KVB immer das Mögliche unternimmt für Not- oder reduzierte Angebote an Streiktagen. Diese Maßnahmen unternimmt die KVB auch bei den derzeitigen Streiktagen.“

Burmester blickte auch auf das Derby in der Fußball-Bundesliga am Samstag um 15.30 Uhr zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach voraus.

Vor dem Duell in Müngersdorf forderte der OB, dass Verdi an diesem Tag auf Streiks verzichten sollte: „Insbesondere erwarte ich mit Blick auf den kommenden Samstag ein besonderes Verantwortungsgefühl von Verdi. An einem Samstag mit vielen Veranstaltungen, darunter ein Fußballderby mit den damit verbundenen Sicherheitsbedingungen, würden mir und auch vielen Kölnerinnen und Kölnern das Verständnis für weitreichende Maßnahmen fehlen.“