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Aushängeschild für NRWUni Köln und Kanzler Merz eröffnen Adenauer School – Das hat es damit auf sich

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Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)

Friedrich Merz kommt zur Eröffnung der Adenauer School of Government nach Köln.

Die Uni Köln möchte am Montag den Namen eines Star-Professors verkünden, den sie für die neue Einrichtung gewonnen hat.

Hohen Besuch erwartet die Universität zu Köln kommenden Montag: Kanzler Friedrich Merz wird wie berichtet die im vergangenen Juni eingerichtete neue Adenauer School of Government (ASG) mit einem Vortrag feierlich eröffnen. Die ASG soll Spitzenforschung mit innovativer Lehre verbinden, heißt es. In Zeiten, in denen die Demokratie immer mehr unter Druck gerät, „ist eine verantwortungsvolle, wissenschaftliche Regierungsführung von entscheidender Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes“, sagte Peter Harf, Vorsitzender des Stiftungsrates der Alfred Landecker Foundation, die die ASG mit jährlich zehn Millionen Euro finanziert. Die Förderung sei „auf mehr als zehn Jahre angelegt“ und soll den „vollständigen institutionellen Aufbau“ und die „wissenschaftliche Etablierung“ der ASG sichern, teilt eine Unisprecherin auf Nachfrage mit.

Was ist Ziel und Konzept der Adenauer School of Government?

Die ASG will sich als ein internationales Forschungs- und Ausbildungszentrum für Public Policy, Governance und Administrative Sciences etablieren und „zukünftige Entscheidungsträger“ ausbilden. „Sie verbindet wissenschaftliche Analyse mit Erfahrungen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft. Im Mittelpunkt stehen konkrete Herausforderungen öffentlichen Handelns, die empirisch fundiert, interdisziplinär und mit Blick auf das Gemeinwohl bearbeitet werden“, so die Sprecherin.  

Belastbare Institutionen, die demokratische Öffentlichkeit, Polarisierung und Desinformation sowie Fragen von Klima, Sicherheit und soziale Teilhabe werden Themen sein, die die ASG an der Schnittstelle von Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaft und Informatik bearbeitet.

Die Figur von Albertus Magnus vor dem Hauptgebäude der Universität Köln.

Das Hauptgebäude der Universität Köln.

Star-Professor wird berufen und am Montag an der Uni Köln vekündet

Wer leitet die ASG und wer wird hier lehren?

Der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Professor Axel Ockenfels leitet die ASG. Neben seiner Professur in Köln leitet er auch das Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn. Bekannt wurde Ockenfels mit seinen Forschungen im Bereich der Spieltheorie, der Verhaltensökonomik und des Marktdesigns. Er arbeitet mit Unternehmen und Regierungen zusammen und befasst sich mit Auswegen aus der Klimakrise. Stellvertretender Leiter der ASG ist der Rechtswissenschaftler Markus Ogorek, Direktor des Instituts für Öffentliches Recht und Verwaltungslehre der Uni Köln, der für den „Kölner Stadt-Anzeiger“ regelmäßig Rechtskolumnen verfasst.

Ein „weltweit führender Wirtschaftswissenschaftler seiner Generation hat in diesen Tagen den ersten Ruf, gemeinsam mit der Wiso-Fakultät, angenommen“, teilt die Unisprecherin mit. Er komme von der Northwestern University in den USA. Der Name soll am Montag bekannt gegeben werden, heißt es. „In den nächsten Monaten und Jahren sind weitere Berufungen geplant.“ Anfangs greift die ASG auf ein bereits bestehendes Netzwerk aus 50 Forscherinnen und Forschern aller Fakultäten der Uni Köln und von „starken Universitäten Europas und der USA“ zurück.

Wo kommt die ASG derzeit unter?

Die Adenauer School of Government ist derzeit in Räumen der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät untergebracht. Mittelfristig sei ein eigenes Gebäude im Bereich des Zentralcampus geplant. Konkrete Pläne oder Visualisierungen seien nicht Gegenstand der Eröffnung am Montag, sondern sollen zu einem späteren Zeitpunkt verkündet werden, so die Sprecherin.

Was bietet die ASG für Veranstaltungen an und für wen?

Ein zentrales Angebot der ASG bilet ein englischsprachiger Masterstudiengang in „Public Governance“. Der Start ist für das Wintersemester 2027/28 geplant. Der Master soll ohne Studiengebühren angeboten werden. In interaktiven Formaten sollen Studierende gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis Ansätze für die Lösung konkreter Herausforderungen staatlichen Handelns entwickeln. Sie sollen mithilfe von Data Science und KI die Gestaltung von Politik evidenzbasiert analysieren lernen. Bewerbungen sind voraussichtlich ab Frühjahr 2027 möglich. Auch Studierende anderer Studienprogramme sollen an bestimmten Veranstaltungen teilnehmen dürfen.

Wofür setzt sich die Alfred Landecker Foundation ein und warum finanziert sie die ASG?

„Diese neue School wird mehr sein als ein Ort des Lernens – sie wird ein kraftvoller Hebel für Wandel und Wirkung. Damit wird sie die freiheitlich-demokratischen Werte und eine lebendige Diskussionskultur in unserer Gesellschaft stärken“, sagte der Vorsitzende der Alfred Landecker Foundation, Peter Harf, nach Gründung der ASG. Die Unternehmerfamilie Reimann gründete die Stiftung 2019. Sie hat ihren Sitz in Ludwigshafen. Benannt ist sie nach Alfred Landecker, einem Mannheimer Prokuristen, der als Jude von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurde. Die älteste Tochter von Landecker war mit Albert Reimann junior verheiratet, das Paar hatte drei Kinder. Reiman galt als überzeugter Nationalsozialist, seine Frau Emilie jedoch war alltäglicher Ausgrenzung ausgesetzt.

Nach Enthüllungen zur NS-Verstrickung des Familienunternehmens verpflichteten sich die Reimanns, mit Engagement gegen Antisemitismus und Hass gegen Minderheiten anzukämpfen. Die mit 260 Millionen Euro ausgestattete Foundation unterstützt ausgewählte Forschungs- und Bildungsprojekte. Sie will das Bewusstsein für die Entstehungsbedingungen des Holocaust schärfen und demokratische Institutionen stärken.

Adenauer School of Government der Uni Köln soll Aushängeschild werden

Warum ist die School nach Konrad Adenauer benannt?

Die ASG versteht sich explizit als „überparteiliches Zentrum“: Die Namenswahl würdigt laut Unisprecherin Konrad Adenauer als historische Persönlichkeit. Als erster Bundeskanzler der Bundesrepublik stehe er für den Aufbau demokratischer Institutionen nach 1945, für die Westbindung Deutschlands und für die Überzeugung, dass liberale und funktionierende Demokratien starke, handlungsfähige und verantwortungsvoll geführte Institutionen brauchen. Außerdem betont die Uni Köln die herausragende Rolle Adenauers bei der von ihm initiierten Neugründung der Universität im Jahr 1919.

Welche Bedeutung hat die ASG für den Wissenschaftsstandort Köln und gibt es vergleichbare Einrichtungen in Deutschland?

Rektor Joybrato Mukherjee erklärte zur ASG: „Mit Gründung der Adenauer School schärft die Universität zu Köln ihr Profil in Forschung und Lehre.“ Wissenschaftsministerin Ina Brandes spricht von der ASG als einem „neuen Aushängeschild für den Wissenschaftsstandort in NRW“. „Konrad Adenauer hat mit seinem klugen und mutigen Regierungshandeln die Stadt Köln und Deutschland geprägt wie kein Zweiter. Gerade in Zeiten des Umbruchs, wie wir sie aktuell erleben, brauchen wir Forschung und Lehre in Public Policy, Governance und Verwaltungswissenschaften, die über den Tellerrand der einzelnen Disziplin hinausblicken“, so Brandes. Vergleichbare Einrichtungen gibt es etwa an der Universität Duisburg-Essen mit der NRW School of Governance, die seit 2006 existiert. Deutschlands bisher führende Public-Policy-School mit internationaler Ausrichtung ist die private, aber staatlich akkreditierte Hertie School in Berlin.

Asta der Uni Köln plant Kundgebung

Welche Bedeutung hat die ASG für die Kölner Stadtgesellschaft?

Die ASG plant auch Angebote für die gesamte Universität sowie die Stadtgesellschaft. Angedacht sind Gesprächsveranstaltungen mit „interessanten Persönlichkeiten“ sowie Entscheidungsträgern aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. „Sie sollen Raum für informierte Debatten über aktuelle und grundsätzliche Fragen öffentlichen Handelns bieten“, heißt es.

Gibt es auch Kritik?

Ja, der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) lehnt den Besuch des Bundeskanzlers ab und hat vor der Eröffnung Kritik geübt. Der Asta ruft daher zeitgleich zur Veranstaltung in der Aula zu einer Kundgebung auf. Die Uni Köln trifft nach eigenen Angaben Sicherheitsmaßnahmen, gibt über die Details allerdings keine Auskunft. Die Kritik des Asta bezieht sich auf die ihrer Ansicht nach unsoziale Politik der aktuellen Regierung zulasten von Studierenden, Arbeitslosen, Pflegepersonal und Schülern.