76 Angebote weniger, Einschnitte beim Personal und mehr Ressourcen fürs Digitale: Der WDR plant einen weitreichenden Umbau. Die Gewerkschaft Verdi übt Kritik.
Fernsehen und RadioWDR stellt 76 Angebote ein und plant Stellenabbau

Katrin Vernau, Verwaltungsdirektorin des WDR und neue Intendantin des Westdeutschen Rundfunks (WDR). (Archivbild)
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Fernsehsendungen, Podcasts, Social-Media-Angebote: Der WDR stellt bis Ende des kommenden Jahres 76 seiner Angebote ein. Das kündigte der größte ARD-Sender in Köln an. Auch beim Personal plant der WDR Einschnitte: Jede dritte Stelle, die durch Verrentung frei wird, soll bis 2030 nicht neu besetzt werden. Laut Verdi entspricht das 130 Vollzeitstellen.
Mit den weitreichenden Veränderungen will der WDR nach eigenen Angaben Ressourcen stärker ins Digitale verlagern. Intendantin Katrin Vernau verwies in einer Mitteilung auf die sich verändernde Mediennutzung, steigende Kosten und eine ungewisse Finanzierung. Derzeit seien noch gut drei Viertel der Ressourcen im klassischen linearen Programm gebunden.
WDR will Angebote deutlich reduzieren
Bereits im Frühjahr hatte der WDR angekündigt, sein Portfolio von derzeit etwa 600 auf 300 Angebote im Jahr 2030 zu verkleinern. Zugleich sollen bis zu 100 neue Angebote entwickelt werden.

Eine Fahne mit dem Logo des WDR weht auf dem Produktionsgelände in Köln. (Archivbild)
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In einem ersten Schritt werden nun 76 lineare und digitale Angebote bis Ende 2027 eingestellt. Nach Angaben des WDR handelt es sich um Angebote, die ihre Zielgruppen nicht gut genug erreichen oder nicht zu den strategischen Schwerpunkten des Senders gehören. Welche Angebote im nächsten Schritt eingestellt werden, soll im Frühjahr 2027 entschieden werden.
Weniger lineares Fernsehen – diese Angebote fallen weg
Zu den Angeboten, die eingestellt werden, gehört etwa das Fernsehmagazin „Frau tv“. Auch die WDR-4-Sendung „Satire am Sonntag“ sowie digitale Angebote wie „studio M“ und „Lisas Paarschitt“ werden beendet. Rund um den WDR-Arzt „Doc Esser“ werden unter anderem die Website, die Facebook-Gruppe, der Newsletter und der Podcast eingestellt.
Andere Angebote werden vollständig ins Digitale verlagert. So entfällt etwa für „Erlebnis Erde“ die Ausstrahlung im WDR Fernsehen. Dokumentationen will der WDR künftig in erster Linie für die ARD-Mediathek produzieren. Erst danach sollen sie als Zweitverwertung ins Fernsehen kommen.
Auch das lineare Fernsehprogramm soll sich verändern. Der WDR will sich dort auf die Zeit zwischen 17.00 und 22.15 Uhr konzentrieren, in der er nach Angaben Vernaus die meisten Zuschauer erreicht. In den übrigen Zeiten sollen bis auf wenige Ausnahmen Wiederholungen oder Dokumentationen in Zweitverwertung laufen.
Zugleich will der Sender sein regionales digitales Angebot ausbauen. Regionale Inhalte sollen vorrangig für Web, App und soziale Medien konzipiert und produziert werden. Unter anderem soll das Angebot im Regionalsport auf wdr.de und in der WDR-App wachsen.
Auch beim Personal wird gekürzt – durch Nachbesetzungsstopp
Auch beim Personal wird gespart. Jede dritte durch Verrentung frei werdende Stelle soll bis 2030 nicht neu besetzt werden. Dabei gehe es um 133 Stellen, sagte Intendantin Vernau der „Rheinischen Post“. Angesichts von knapp 4000 Stellen beim WDR sei das „nicht sehr viel“, aber dennoch ein deutlicher Abbau.
Darüber hinaus sollen bis 2030 rund 20 Prozent der Stellen aus klassischen Produktionsbereichen in technologieorientierte Aufgabenfelder verlagert werden. Produktionsstrukturen sollen gebündelt und mittelfristig die Zahl der Regien und Studioflächen reduziert werden. Bei Dokumentationen und Unterhaltung will der WDR stärker auf externe Produktionsfirmen und Dienstleister setzen.
Pläne des WDR haben auch Auswirkungen auf freie Mitarbeiter
Von den Veränderungen sind auch freie Mitarbeiter betroffen. Auch das Auftragsvolumen für sie werde sinken, sagte Vernau der „Rheinischen Post“. Wie viele freie Mitarbeiter betroffen sein werden, könne der WDR derzeit noch nicht beziffern.
Die Gewerkschaft Verdi rechnet mit deutlichen Folgen für die Beschäftigten. Angestellte seien von Versetzungen betroffen, bei freien Medienschaffenden rechnet Verdi mit einer Beendigung oder erheblichen Einschränkung ihrer Beschäftigung.
Verdi kritisiert die Pläne und warnt vor Schwächung
Verdi übte deutliche Kritik an den Plänen und nahm zugleich die Länder in die Verantwortung. „Eine Rundfunkpolitik, die von den Bundesländern verantwortet wird, spart die Sender kaputt und führt damit auch zu weniger Sendungen für die Breite der Gesellschaft“, sagte Christoph Schmitz-Dethlefsen, im Verdi-Bundesvorstand für Medien zuständig.
Der Gewerkschafter warnte zudem vor einer Schwächung des Medienstandorts Nordrhein-Westfalen. Kritik übte Verdi auch am Vorgehen der WDR-Führung. Es sei nicht nachvollziehbar, dass der Sender bisher nicht offen im Rundfunkrat und gegenüber den Beschäftigten mit den Plänen umgegangen sei, nun aber bereits konkrete Zahlen zum Stellenabbau vorgebe.
Der Umbau betrifft auch Technik und Verwaltung. Prozesse sollen innerhalb der ARD stärker standardisiert, gebündelt und zentralisiert werden. Bis Ende 2028 will der WDR seine genutzten Büro- und Produktionsflächen gegenüber 2017 um rund 100.000 Quadratmeter reduzieren und damit Fixkosten für die Infrastruktur senken. (dpa)
