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Kölner Bestseller-Autorin Melanie Raabe„Meine Thriller sollen ohne brachiale Gewalt auskommen“

7 min
13.08.2026 Köln. Die Kölner Bestseller-Autorin Melanie Raabe, deren neuer Thriller "Daisy" am 26. August erscheint. Foto: Alexander Schwaiger

Die Kölner Autorin Melanie Raabe, deren neuer Thriller "Daisy" am 26. August erscheint.

Nach sieben Jahren hat die Kölner Bestseller-Autorin Melanie Raabe nun erstmals wieder einen Thriller geschrieben, der wohl nicht ihr letzter bleiben wird.

Und dann kam doch alles anders: „Als ich meinem Verlag ein neues Buch angekündigt habe, ging ich noch fest davon aus, dass es wieder ein Roman im Stil von ‚Die Kunst des Verschwindens‘ und ‚Der letzte Schlaf‘ werden sollte“, erzählt Melanie Raabe. „Aber dann nahm die Figur Luca in meinem Kopf immer mehr Gestalt an. Und irgendwann war mir klar: Es kann nur ein Thriller werden.“

Somit kehrt Raabe nach siebenjähriger Pause zu dem Genre zurück, mit dem ihr 2015 der Sprung auf die Bestsellerlisten gelang, von wo sie seitdem nicht mehr wegzudenken ist. Auf das Debüt „Die Falle“ folgten drei weitere Thriller, bevor sie 2020 etwas Neues wagte und ein Sachbuch über Kreativität schrieb. Eine mutige Entscheidung, die aber belohnt wurde. Seither gehört Raabe zu den ganz wenigen Ausnahmen, deren Namen man regelmäßig auf beiden Seiten der berühmten „Spiegel-Bestsellerliste“ findet, nämlich sowohl in der Belletristik-Sparte als auch bei den Sachbüchern.

Anwältin mit Doppelleben

„Daisy“, zu Deutsch: „Gänseblümchen“, ist Raabes bisher zehntes Buch und erscheint am heutigen 26. August. Es ist die Geschichte der 34-jährigen Luca, einer nur auf den ersten Blick völlig unauffälligen Wahl-Berlinerin. Tagsüber erfolgreiche Anwältin in einer angesehenen Kanzlei, lebt sie ihr Rechtsempfinden nach Einbruch der Dunkelheit auf deutlich weniger gesetzeskonforme Weise aus. Dann nämlich dringt sie als dunkler Schatten in die Häuser von Menschen ein, die ihre Macht und ihren Einfluss nutzen, um anderen Schaden zuzufügen, ohne dass man ihnen juristisch dafür etwas anhaben könnte. Luca hat diese Menschen zuvor wochen- und monatelang ausgekundschaftet und kennt ihre dunkelsten Geheimnisse und ihre größten Ängste. Die „Überraschung“, die sie am Tatort hinterlässt, fällt also jedes Mal anders aus. In einem Punkt bleibt der Modus Operandi aber stets gleich: Am Tatort hinterlässt sie ein Gänseblümchen.

Plötzlich aber scheint sich das Blatt zu wenden: Bei einem ihrer nächtlichen Einsätze wird Luca beinahe erwischt. Kurz darauf tauchen in der ganzen Stadt anonyme Plakate mit eindeutigen Nachrichten auf: Jemand scheint das Doppelleben der jungen Anwältin enttarnt zu haben und droht, sie auffliegen zu lassen. Doch nicht nur das: Während Luca stets darauf bedacht ist, den Betroffenen mit ihren nächtlichen Aktionen zwar einen gehörigen Schrecken einzujagen, aber niemals Gewalt anzuwenden, scheint ihr unbekannter Verfolger über derlei Skrupel nicht zu verfügen. Bald weiß sie nicht mehr, wem sie noch trauen kann.

Ich will immer eine interessante und facettenreiche Heldin haben. Ich muss sie mögen können, trotzdem soll sie Ecken und Kanten haben und gleichzeitig verletzlich sein.
Melanie Raabe

Wer schon einige von Raabes früheren Thrillern und Romanen gelesen hat, wird auch in „Daisy“ schnell ein paar bekannte Grundelemente erkennen. Da wäre zum einen die Protagonistin, die zwar nach außen hin tough erscheint und ihr Leben im Griff hat, tatsächlich aber mit inneren Dämonen kämpft. Dem gegenüber steht ein männlicher Gegenspieler, bei dem man sich bis zum Schluss fragen muss: Ist er tatsächlich das Monster, für das die Protagonistin ihn hält, oder spielt sich das alles doch nur in ihrem Kopf ab?

Plant die Autorin diese Elemente bewusst immer wieder ein, oder ergibt sich das beim Schreiben wie von selbst? „Ich glaube, es ist ein bisschen von beidem“, antwortet sie. „Es gibt so ein paar bestimmte Leitmotive in meinem Schaffen, die ich nicht nur als Autorin, sondern auch als Leserin wahnsinnig gerne mag. Und ich will immer eine interessante und facettenreiche Heldin haben. Ich muss sie mögen können, trotzdem soll sie Ecken und Kanten haben und gleichzeitig verletzlich sein. Ein Merkmal meiner Heldinnen ist, dass sie alles alleine schaffen wollen, sich dabei aber auch Probleme einhandeln. Außerdem: Ja, ich schreibe Thriller, aber diese sollen ohne Brutalität und ohne brachiale Gewalt auskommen. Viel mehr faszinieren mich Rätsel und Geheimnisse.“

So komme es, dass sich bestimmte Motive immer wieder ähnelten – und das sei durchaus so gewollt. Das sei vergleichbar mit einer Band, die auf jedem Album frisch und neu klinge, aber trotzdem ihrem Stil treu bleibe und von ihren Fans immer wieder erkannt werde. „So möchte auch ich von meinen Leserinnen und Lesern stets erkannt werden. Selbst wenn mein Name nicht auf dem Cover stünde oder ich plötzlich unter einem Pseudonym schreiben würde.“

Autorin und Lady-Gaga-Expertin

À propos Pseudonym: Wenn es eine Sache gibt, über die sie sich heute ärgert, dann darüber, dass sie zu Beginn ihrer Karriere nicht daran gedacht hat, sich ein solches zuzulegen. „Aber dann hätte es auch etwas richtig Cooles sein müssen – so wie Lady Gaga.“ Von der Raabe ein Riesenfan ist. So schrieb sie 2021 für die „KiWi-Musikbibliothek“-Reihe ein Buch über die New Yorker Ausnahmekünstlerin und war in einem kürzlich vom Fernsehsender arte ausgestrahlten Lady-Gaga-Feature als Expertin zu sehen.

Nochmal zum Thema Pseudonym: Dass jemand in so vielen Genres unterwegs ist und alle Werke unter ein und demselben Namen veröffentlicht, ist außergewöhnlich. In den meisten Fällen drängen die Verlage auf unterschiedliche Pseudonyme, um die Leser nicht zu verwirren. „Das ist richtig“, bestätigt Raabe. „In meinem Fall hätten unterschiedliche Namen aber wenig Sinn ergeben. Dafür sind die einzelnen Genres doch zu sehr verknüpft. Die vorhin geschilderten Motive kommen ja in meinen Thrillern und Romanen gleichermaßen vor. Und meine Sachbücher basieren ganz klar auf meiner Erfahrung als Belletristik-Autorin. Das sind ja keine wissenschaftlichen Werke. Da würde ein Pseudonym also eher Verwirrung stiften, als Hilfe zu bieten.“

„Die Falle“ bald als Netflix-Serie

Man muss übrigens nicht zwingend ein lesebegeisterter Mensch sein, um in den Genuss von Melanie Raabes Geschichten zu kommen. „Der Schatten“, ihr dritter Thriller, wurde bereits erfolgreich als Miniserie für ZDFneo verfilmt. Noch in diesem Jahr soll, ebenfalls als Serie, ihr Debüt „Die Falle“ bei Netflix zu sehen sein. Verfilmt wurde der Stoff im vergangenen Jahr von Constantin Film. Die Dreharbeiten fanden in Köln statt, wo auch die Regisseurin und Drehbuchautorin Isabel Kleefeld lebt. So konnte Raabe den Prozess zu ihrer großen Freude eng begleiten. Auf das Ergebnis, versichert sie, dürfe man sich wirklich freuen. „Jetzt weiß ich aber auch, wie viel Arbeit in jedem Detail steckt. Wenn man das einmal miterlebt hat, geht man sich später beim Anschauen nicht mal eben ein Getränk aus der Küche holen, während die Serie weiterläuft.“

Weitere Verfilmungen sind in Vorbereitung. Noch vor wenigen Jahren gab Raabe in einem Interview an, sich nicht vorstellen zu können, einmal für eines ihrer Werke selbst eine Drehbuchfassung zu erstellen. Stellt man ihr die Frage heute erneut, klingt die Antwort schon anders. Tatsächlich sei sie da gerade mit einer Produktionsfirma „an etwas dran“. Für Details sei es aber noch viel zu früh.

Man muss ja nur mal eine Zeitung aufschlagen, dann springen einen die Themen doch förmlich an.
Melanie Raabe

Auch in einem weiteren Punkt sieht sie die Dinge heute anders als noch vor ein paar Jahren. Zu Beginn ihrer Schreibkarriere konnte sie sich noch nicht vorstellen, etwas anderes als „Stand-alone“-Thriller und Romane zu schreiben – also Bücher mit einer in sich geschlossenen Handlung ohne Fortsetzung. Nach ihrem nächsten Schreibprojekt gefragt, überrascht sie jetzt mit der Aussage, dass sie sich „sehr, sehr wahrscheinlich im ‚Daisy‘-Universum weiterbewegen“ werde. „Also im Grunde genommen ist ‚Daisy‘ der Auftakt einer Reihe. Das ist für mich etwas ganz Neues. Aber ich habe so ein Gefühl, dass ich Luca und einige andere Charaktere noch einmal zurückkehren lassen muss.“

An Ideen für weitere Bücher mangelt es Raabe also nicht – ganz im Gegenteil. „Man muss ja nur mal eine Zeitung aufschlagen oder mit offenen Augen durch die Welt gehen, dann springen einen die Themen doch förmlich an. Für mich besteht die Herausforderung eher darin, mich unter all den konkurrierenden Ideen für die richtige zu entscheiden.“


Geboren wurde Melanie Raabe 1981 in Jena, 1989 zog sie mit ihrer Familie nach Wiehl im Bergischen Land. Nach dem Studium der Medien- und Literaturwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum zog sie nach Köln und arbeitete als freie Journalistin, bis ihr 2015 mit „Die Falle“ der Durchbruch als Schriftstellerin gelang. Neben Thrillern und Romanen ist sie auch als Sachbuchautorin erfolgreich. Raabe lebt im Kölner Agnesviertel.

Die Premierenlesung ihres neuen Thrillers findet am 31. August um 19:30 Uhr im Altenberger Hof/Bürgerzentrum Nippes statt. Tickets kosten 20 Euro und sind im Buchladen Neusser Straße oder online erhältlich.

„Daisy“, btb Verlag, 416 Seiten, 24 Euro