Das Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum braucht eine neue Direktion. Nanette Snoep scheidet zum Jahresende aus.
Nanette SnoepStadt Köln verlängert Vertrag der RJM-Direktorin nicht

Nanette Snoep bei ihrer Amtseinführung als Direktorin des Kölner Rautenstrauch-Joest-Museums
Copyright: Thilo Schmülgen
Gemunkelt wurde es schon seit Monaten, doch jetzt ist es offiziell: Nanette Snoep, Direktorin des Kölner Rautenstrauch-Joest-Museums, verlässt das Haus zum Ende dieses Jahres. Ihr Vertrag wird nicht verlängert, die Stadt Köln hat ihre Stelle bereits ausgeschrieben. Auf Anfrage dieser Zeitung bestätigte Snoep ihren Abschied.
Damit endet demnächst eine Amtszeit, die von zahlreichen Störgeräuschen begleitet wurde – Kritik an Snoep gab es sowohl intern als auch von außen. Gleich zweimal beklagte sich eine Mehrzahl der RJM-Mitarbeiter schriftlich bei der Stadtspitze über Snoeps Führungsstil; eine Minderheit der Belegschaft nahm sie gegen die darin geäußerte Kritik in Schutz. Als Reaktion darauf wurde Snoep von Kulturdezernent Stefan Charles eine Co-Direktorin zur Seite gestellt, um sie von administrativen Aufgaben zu entlasten und das Verhältnis zwischen Direktion und Mitarbeitern zu befrieden – offenbar erfolglos.
Die Ursachen für das Zerwürfnis am RJM lassen sich schwer beurteilen
Die Ursachen für das Zerwürfnis innerhalb der RJM-Belegschaft lassen sich von außen schwer beurteilen. Ging es „nur“ um den Führungsstil der Direktorin oder (auch/vielmehr) um die strikt postkolonialistische Ausrichtung des Museums unter Snoep? Im September 2022 warf Klaus Schneider, bis Ende 2018 Direktor des RJM, seiner Nachfolgerin vor, die Debatte um koloniale Verbrechen und die Rückgabe geraubter Kulturgüter zu „ideologisieren“ und die wissenschaftliche Arbeit am Museum „auszubremsen“. Dabei stellte Schneider seine fachliche Kritik auch als anwaltlichen Beistand für seine ehemalige Belegschaft dar.
Alles zum Thema Stadtrat Köln
- Städte kuschen vor Auto EU-Rechnungshof entlarvt halbherzige Verkehrswende
- Nanette Snoep Stadt Köln verlängert Vertrag der RJM-Direktorin nicht
- Nach Eigentümerwechsel Sanierung der Problemhäuser in Chorweiler erneut ins Stocken geraten
- Bürgereingabe zum Verkehr in Zollstock Enttäuschung über Beschluss zum Kalscheurer Weg
- Mobilität in Köln Zehn Parkplätze am Bahnhof Ehrenfeld dienen nun der „shared mobility“
In die gleiche Kerbe schlug zuletzt der Kölner Unternehmer und Sammler Karl-Ludwig Kley: Snoeps „einseitige Fokussierung auf Anti-Kolonialismus, Anti-Rassismus, Anti-Irgendwas“ sei ideologisch, sagte Kley in dieser Zeitung, er würde der RJM-Direktorin niemals auch nur ein einziges Kunstwerk anvertrauen.
Vor diesem Hintergrund liest sich die Stellenausschreibung für die Snoep-Nachfolge beinahe kurios. „Als Teil der städtischen Museen der Stadt Köln widmet sich das RJM der Dekolonisierung und Kontextualisierung seiner Sammlungen“, heißt es dort, „betreibt intensive Provenienzforschung und pflegt partnerschaftliche Beziehungen zu Herkunftsgesellschaften und Communitys. Es agiert als interdisziplinäre Plattform an der Schnittstelle von Kultur, Wissenschaft und Kunst – mit einem Fokus auf Themen wie Migration, Identität, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit.“ Man könnte meinen, die Ausschreibung sei maßgeschneidert auf die Person Nanette Snoep.
Ich bin sehr stolz darauf, wie wir das Haus für neue Besucher, Kinder, die freie Szene und die migrantischen Communitys geöffnet haben
Offenbar sucht die Stadt Köln eine Nachfolge für Snoep, die deren Arbeit fortschreibt, aber es besser versteht, die gesamte Belegschaft „mitzunehmen“. Inhaltlich lässt sich an Snoeps Wirken denn auch wenig aussetzen, sieht man von einem gewissen Mangel an attraktiven Blockbuster-Ausstellungen ab. Ansonsten führte ihre angebliche Ideologisierung der Museumsarbeit zu zwei international beachteten und überwiegend positiv besprochenen Ausstellungen: „Resist – Die Kunst des Widerstands“ im Jahr 2021 und „I Miss You“ im folgenden Jahr.
Für „I Miss You“ ließ Snoep eine Gastkuratorin die Benin-Bronzen aus der RJM-Sammlung aus dem Depot holen und als Kostbarkeiten inszenieren, um den Verlust, den ihr Raub für die Ursprungsländer bedeutete, erlebbar zu machen. Die Ausstellung ging der Rückgabe der Bestände an Nigeria voraus (im Rahmen einer gesamtdeutschen Restitution), die vom Kölner Stadtrat mit großer Mehrheit verabschiedet wurde. Für die „Resist“-Ausstellung erhielt Snoep im Jahr 2022 zudem den renommierten „Kenneth-Hudson-Award für institutionelle Courage und berufliche Integrität“.
Auch Stefan Charles, Kölns Kulturdezernent, hatte Snoeps Arbeit zuletzt in dieser Zeitung gelobt und betont, sie vertrete „genau die Positionen, die auch vom International Council of Museums empfohlen werden“. Die Bewerbungsfrist für die Direktorenstelle endet am 3. März dieses Jahres; man darf gespannt sein, wie sich die Auseinandersetzungen um Snoep auf das Bewerberfeld auswirken. Nanette Snoep selbst wollte sich nicht weiter zu ihrem bevorstehenden Ausscheiden äußern. Zuletzt hatte sie gesagt, sie bedauere, dass die Arbeit des RJM in Köln nicht ausreichend gewürdigt werde. „Ich bin sehr stolz darauf, wie wir das Haus für neue Besucher, Kinder, die freie Szene und die migrantischen Communitys geöffnet haben.“


