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Rolling-Stones-GitarristSo lässig gab sich Ronnie Wood in Köln

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Ronnie Wood performs live at O2 Forum Kentish Town, London,, 21 August 2026 Ronnie Wood performs during the first night of his Fearless tour at O2 Kentish Town Forum, 21 August 2026, In London, England.

Ronnie Wood trat am Donnerstag, den 3. September 2026, im Kölner E-Werk auf. Unser Bild zeigt den Rolling-Stones-Gitarristen wenige Tage zuvor bei einem Auftritt in London.

So nah wie im E-Werk wird man der 79-jährigen Rock-Legende wohl nie wieder kommen. Das hatte freilich seinen Preis.

Schon wie er auf die Bühne schlurft, als hinge er an unsichtbaren Fäden und zugleich doch voller nervöser, drahtiger Energie. Das getönte Resthaar zur bekannten Finger-im-Stecker-Frisur gezupft, halb Wurzelsepp, halb Spätpunk. Wie er breit aus beiden Mundwinkeln heraus grinst, weil er weiß, was jetzt gleich passiert, wenn er auf seiner Stratocaster das Riff von „It’s Only Rock’n’Roll (But I Like It)“ anstimmt.

So nah wie im E-Werk kommt man Ronnie Wood selten. Der 79‑Jährige ist immerhin Teil der heiligen Dreifaltigkeit, die von den Rolling Stones noch übrig geblieben ist. Selbst wenn er im Vergleich zu seinen beiden älteren und prominenteren Kollegen, die die 80 schon vor geraumer Zeit überschritten haben, noch aus der Jungsteinzeit stammt. Das tiefstapelnde Eröffnungsstück ist der erste Stones-Song, an dem er mitgeschrieben hat, und wie damals im Studio so bedient auch auf der Kölner Bühne Willie Weeks den Bass.

Lebende Legende oder nette Tresenbekanntschaft?

Man kann an diesem Donnerstagabend also mehr als nur eine lebende Legende bestaunen, und der stolze Stehplatzpreis von 208 Euro verweist auf das kulturelle Kapital, das sich hier versammelt hat. Doch der lässige, nahbare Wood verweigert die Heldenverehrung, nimmt stattdessen sofort Kontakt zum Publikum auf, gibt sich als bestgelaunte Zufallsbekanntschaft vom Tresen. Ist doch nur Rock’n’Roll, lasst uns alle zusammen Spaß mit Elektrizität haben. Und genauso spielt er sein Instrument, verzichtet auf große Posen, technische Frickeleien und allzu prahlerische Soli.

Wenn Ronnie Wood und Keith Richards zusammenspielen, weben sie einen Klangteppich wie Kett- und Schussfaden. Woods erstes Album mit den Rolling Stones, „Black and Blue“, besteht aus wenig mehr, als der Freude an dieser Webarbeit. „Hey Negrita“, der roughe Reggae-Song von „Black and Blue“, ist dann auch der erste Höhepunkt des zweistündigen Sets: Wie herrlich kaputt Woods Gitarre hier schrabbelt, wie die ganze Band klingt wie eine langsam auseinanderfallende Schubkarre, die in großer Höhe über ein schmales Holzbrett eiert, wie zudem Woods dünner, asthmatischer Gesang viel besser zum Stück passt, als Mick Jaggers imposantes Organ.

Zur stimmlichen Unterstützung hat Ronnie Wood gleich zwei Kolleginnen mit nach Köln gebracht: Chanel Haynes übernimmt mit staunenswertem Lungenvolumen die souligen, Imelda May nicht weniger beeindruckend die jazzigen und bluesigen Parts. Und trotzdem rühren die Solonummern des Überlebenden etlicher Exzesse noch ein wenig mehr an. Wenn er „Seven Days“ von seinem dritten Soloalbum singt, das er mit kaum verhaltenem Stolz als „ein Song, den Bob Dylan für mich geschrieben hat“ ansagt, hört er sich glatt an, wie der erratische Meister höchstpersönlich.

Und wenn er die uralte Bluesnummer „Boogie Disease“ interpretiert, schallen seine Saiten so, wie es einst Chuck Berry von „Johnny B. Goode“ behauptete: „He could play a guitar just like a-ringin' a bell.“ Es ist nur Rock’n’Roll, aber in diesem Augenblick ist es das schönste und größte Gefühl der Welt. „Das ist der beste Groove der Welt, was für Legenden“, lobt auch Imelda May die Veteranen-Band. Worauf Ronnie Wood die Hände hebt und Ringo Starr zitiert: „I’ve got blisters on my fingers!“ Ein Scherz, seine Kunst besteht nicht darin, sich Blasen an den Fingern zu spielen, sondern seine aufregende Musik wie aus dem Ärmel zu schütteln.

„Ooh La La“ – den Song seiner Vor-Stones-Band Faces hatte schon damals Wood gesungen und nicht Rod Stewart – animiert zu lautstarken Chören im Publikum: „I wish that I knew what I know now when I was younger.“ Älter und vermeintlich weiser sind hier fast alle. Aber wozu jung sein, wenn man wie Wood noch als Fast-Achtziger im zerrissenen T-Shirt auftreten kann, ohne sich lächerlich zu machen? Wenn der ganze Saal sich nach der Show wie das aufbäumende Pferd fühlt, das dieses T-Shirt ziert? Ronnie Wood hat mit „Can’t You Hear Me Knocking“ noch einen letzten Stones‑ und mit „Stay With Me“ noch einen finalen Faces-Klassiker im Gepäck (vorher spielt er kurz Rod Stewarts „Gasoline Alley“ an), dann ist der Spaß vorbei.

Ob man die Rolling Stones noch einmal auf Tour sehen wird? Unwahrscheinlich. Aber das hier war nicht viel schlechter.