Stadtgestaltung in KölnRömisch Germanisches Museum soll Baudenkmal werden

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Ein architektonischer Geniestreich: Blick in die Poblicius-Halle über dem weltberühmten Dionysos-Mosaik

Ein architektonischer Geniestreich: Blick in die Poblicius-Halle über dem weltberühmten Dionysos-Mosaik

Köln – Ohne den Dom wäre in Köln so manches leichter. Man bräuchte auf dem Weg vom Hauptbahnhof in die Stadt keinen Umweg laufen; der Bahnhof könnte endlich den anschwellenden Verkehrsströmen gemäß erweitert werden; und vor allem müssten sich die Architekten nicht mehr den Kopf darüber zerbrechen, wie sie im Schatten des Domes bauen sollen.

Gerade streiten sich wieder die Gelehrten und das Publikum – um die geplante Historische Mitte am Roncalliplatz. Es geht um den freien Blick auf das Weltkulturerbe, um die Verschachtelung (und damit möglicherweise einhergehende Verschandelung) der Dom-Umgebung und um die Frage, ob die Vertreter der Architekturmoderne überhaupt bereit sind, sich der Tradition zu beugen – selbst oder gerade, wenn sich diese in der einschüchternden Gestalt einer gotischen Kathedrale zeigt.

Gestaltungsqualität seit langem anerkannt

In diese Debatte schaltet sich die Stadt Köln nun – gewollt oder ungewollt – mit der Nachricht ein, dass sie das Römisch-Germanische Museum (RGM) am Roncalliplatz zum Baudenkmal erklären lassen möchte. „In der Fachwelt“, lesen wir, „ist die hohe architektonische Gestaltungsqualität des Römisch-Germanischen Museums seit langem anerkannt.“ Ob das die Kritiker der Historischen Würfelmitte ähnlich sehen?

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Schließlich schiebt sich das RGM mit seiner riegelartigen Flachdachkonstruktion nah an den Dom heran – und ist somit der Präzedenzfall, auf den sich die Modernisten stets berufen können.

Museum so flach wie möglich gehalten

Als Heinz Röcke das 1974 eröffnete RGM entwarf, war er sich der „gefährlichen“ Nähe zum Steingebirge des Domchores sehr wohl bewusst – und kam gerade aus Rücksicht zu einer Lösung, die auf einer möglichst einfachen Formensprache beruht. Das Museum sollte weniger Architektur als Raumhülle sein und sich nach Außen in Bescheidenheit üben. Es ist so flach wie möglich, das untere Geschoss wirkt durch die umlaufende Fensterfront beinahe durchlässig; der Betonklotz RGM ruht auf einem Sockel aus Glas und Säulen – und hebt ab.

Diese spielerische Einfachheit der äußeren Erscheinung setzt sich im Inneren fort. Die Räume ähneln einander und sind bewusst „charakterlos“, um den Museumskuratoren bei der Ausgestaltung der Schauräume nicht unnötig Fesseln anzulegen: Statt der Architektur sollen die Ausstellungsstücke den Charakter der Räume prägen. Hinzu kommen die oft kopierten Sockelinseln, die es den Besuchern erlauben, die präsentierten Exponate von allen Seiten zu betrachten. Ein Geniestreich ist zudem die vom Roncalliplatz einsehbare Poblicius-Halle über dem Dionysos-Mosaik. Sie verbindet zwei der bedeutendsten Ausstellungsstücke des Hauses und macht dessen Charakter als Schaufenster in die Antike unmittelbar verständlich. Auch wegen dieser vorbildlichen Innenraumgestaltung soll das Römisch-Germanische Museum zum Denkmal werden.

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