Wer folgt auf Opern-Intendantin Meyer?Schwierige Aufgabe für die Findungskommission

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Birgit Meyer

Köln – Es ist eine gute Nachricht, und man muss in diesen Corona-geschüttelten Zeiten allemal dankbar sein: Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker ist es gelungen, zeitnah zu ihrer Entscheidung, die amtierende Opernintendantin Birgit Meyer über 2022 hinaus nicht mehr zu beschäftigen, eine Findungskommission zur Ermittlung einer Nachfolge auf die Beine zu stellen (wir berichteten).

Wie die Dinge liegen, gab es zu einer solchen Kommission auch keine seriöse Alternative. Ihre Zusammensetzung lässt darauf schließen, dass sich die OB dabei externen Sachverstand zur Hilfe geholt hat – wogegen ebenfalls nichts einzuwenden ist. Auch die Mischung aus „heimischen“ und auswärtigen Mitgliedern überzeugt im Prinzip, zumal sie gängige Praxis ist.

Reker als Vorsitzende war gesetzt

Punktuelle kritische Nachfragen erübrigen sich dadurch freilich nicht. Reker als Vorsitzende des Gremiums war gesetzt, auch Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach, die die OB angesichts der Pleite bei der Suche eines Nachfolgers für Schauspielintendant Stefan Bachmann mit der aktuellen Causa nicht mehr betrauen wollte, musste berufen werden – alles andere wäre ein Affront gewesen.

Was aber qualifiziert Stefan Englert, den Geschäftsführenden Direktor des Gürzenich-Orchesters, für die Fahndung nach einem Opernintendanten? Keine Frage: Das Gürzenich-Orchester muss in die Suche eingebunden werden – es ist schließlich das Kölner Opernorchester und soll mit dem Meyer-Nachfolger zurechtkommen (gegenüber der amtierenden Intendantin fremdelt es bis heute). Englert wiederum ist unstrittig ein glänzender Orchestermanager. Welche Expertise aber hat er in Fragen der Besetzung von Opernintendantensesseln?

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Die „Externen“ sind Profis – genauer: Sie kennen sich ihrer Laufbahn und erreichten Position halber im Feld potenzieller Kandidaten aus – und insofern auf Anhieb eine gute Wahl: Der Schweizer Peter Theiler machte an den Opernhäusern Frankfurt, Gelsenkirchen und Basel Karriere und ist seit 2018/19 Intendant der Dresdner Semperoper.

Einwände gegen die Besetzung

Viktor Schoner war im Bühnenmetier in Salzburg, Paris, bei der Ruhrtriennale und in München tätig und amtiert ebenfalls seit 2018/19 als Intendant an der Staatsoper Stuttgart, einem der besten deutschen Häuser. Die Amerikanerin Pamela Rosenberg schließlich war als Co-Intendantin der Stuttgarter Oper, Generalintendantin der Oper in San Francisco und Intendantin der Berliner Philharmoniker (bis 2010) gut im Geschäft.

Kenner der Materie (die ihre Namen allerdings nicht in der Zeitung lesen wollen) äußern auch hier Einwände. Tatsächlich fehlen in der Kommission die ganz großen Namen – wie etwa der Frankfurter Intendant Bernd Loebe, der frühere Wiener Operndirektor Ioan Holender oder der Scala-Intendant Dominique Meyer –, und auch ein Künstler im engeren Sinne ist nicht dabei: Theiler, Schoner und Rosenberg kommen allesamt aus der Sphäre des Betriebsdirektorats.

Große Namen allein garantieren keinen Erfolg

Allerdings garantierte eine auch noch so glanzvoll formierte Findungskommission allein noch keinen Erfolg. Gerade die Kölner Oper kann davon ein Lied singen: Krachend scheiterte eine mit Jürgen Flimm, Klaus Zehelein und Peter Jonas besetzte Truppe, die 2007 den Nachfolger von Christoph Dammann als Intendant ermitteln sollte: Die nach langem Ringen präsentierten Kandidaten Thomas Wördehoff und Paul Esterhazy konnten die Politik nicht überzeugen.

Schließlich wurde Kulturdezernent Georg Quander beauftragt, der dann Uwe Eric Laufenberg aus dem Hut zog. Dessen unrühmlicher Abgang kann auch im Abstand der Jahre nicht die Aufbruchstimmung verdunkeln, die in seinen Jahren am Kölner Haus herrschte.

Transparent und verschwiegen

Die aktuelle Kommission ist darüber hinaus mit sehr spezifischen Problemen konfrontiert: Sie steht unter Zeitdruck – bis zum Amtsantritt des oder der Neuen sind es noch anderthalb Jahre. Wer aber will sich in diesen Tagen ausgerechnet die Kölner Oper ans Bein hängen – angesichts der Stresssituation im Staatenhaus, der terminlichen Unklarheit über die Wiedereröffnung des Riphahn-Baus und der jüngst ausgeweiteten Mitspracherechte des Generalmusikdirektors?

Das Institut Findungskommission hat indes auch von Haus aus seine Tücken. Es sieht sich divergierenden Anforderungen ausgesetzt: Das Auswahlverfahren soll transparent sein, gleichzeitig verlangen konkrete Personalia Verschwiegenheit. Kandidaten, die vorzeitig „durchgestochen“ werden, sind oft genug „verbrannt“, bevor sie überhaupt antreten. Außerdem betreiben einzelne Kommissionsmitglieder gern eine je eigene Agenda, wollen ohne Rücksicht auf das Gesamtinteresse ihre Favoriten durchdrücken.

Die soeben installierte Findungskommission sieht sich somit einem ganzen Haufen von Problemen gegenüber. Zu beneiden ist sie also nicht. Und die Stadt Köln ist es auch nicht.

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