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LeserbriefeVerhalten des Parlaments nach Selenskyj-Rede blamabel und irritierend

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Dass der Bundestag nach der Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am 17. März zur Tagesordnung überging, hat viele Beobachter empört.

Der Bundestag geht nach der großen Rede des ukrainischen Präsidenten zur Tagesordnung über (18.3.)

Dem Parlament mangelt es an Empathie

Das Verhalten unseres Parlaments und besonders seiner amtierenden Vizepräsidentin und das stoische Schweigen des Bundeskanzlers anlässlich der Rede von Präsident Selenskyj zeugt von einem erschütternden Mangel an Empathie. Als wäre das allein nicht schon schlimm genug, zeugt es auch von einer Unfähigkeit, auch nur einigermaßen Stil zu bewahren.Peter Ricke Köln

Es ist richtig, Gefühle nicht die Oberhand gewinnen lassen

Es mag sein, dass die Rede des ukrainischen Präsidenten „ans Herz“ ging und er vom Bundestag nicht mit dem nötigen Respekt behandelt wurde. Allerdings ist zunehmend mein Eindruck, dass in den Medien Gefühle zur Beurteilung der Situation in der Ukraine eine Hauptrolle spielen. Der ukrainische Präsident und sein Botschafter in Deutschland sind zurecht verzweifelt. Aber mehr und mehr Waffen machen den Krieg blutiger und länger und eskalieren ihn zunehmend. Es gibt klügere Wege, diesen Konflikt zu beenden.

Ich bitte Sie als verantwortungsvolle Redaktion darum, nicht nur Herrn Selenskyj und Herrn Melnyk zu zitieren, sondern auch Meinungen etwa von Richard David Precht Raum zu geben, der vor Waffenlieferungen an die Ukraine warnt. Unsere Parlamentarier haben den Eid geschworen, das deutsche Volk zu schützen. Ich war nie ein Freund der Ampel oder von Olaf Scholz, aber ich bin gerade sehr froh, sachlich und unemotional von diesen regiert zu werden. Waffen beenden diesen Krieg niemals. Nicht mit einem Mann wie Wladimir Putin.Alexander Hümmerich Köln

Liefert Olaf Scholz die versprochene Führung?

Olaf Scholz hat vor einiger Zeit gesagt, dass, wer Führung bei ihm bestellt, auch Führung geliefert bekommt. Wolodymyr Selenskyj hat bei Olaf Scholz Führung bestellt. Ob Olaf Scholz nun liefert?Wolfgang Rittel Köln

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Konfliktlösung nur auf diplomatischem Weg

Die stehenden Ovationen in verschiedenen Parlamenten westlicher Staaten für einen ukrainischen Präsidenten, der stark emotionalisierend mehr Waffen und ein militärisches Eingreifen der Nato fordert, hinterlässt bei mir einen schalen Nachgeschmack. Wäre es nicht ehrlicher, Herrn Selenskyj klipp und klar zu sagen, dass die Nato wegen der Gefahr einer atomaren Eskalation keinen direkten Krieg gegen Russland riskieren wird und daher Frieden nur auf dem Wege der Diplomatie zu erreichen ist?

Da die ukrainischen Streitkräfte den russischen Angreifern bisher erstaunlich gut Paroli geboten haben, dürfte die Verhandlungsposition der Ukraine derzeit gar nicht so schlecht sein. Nun droht aber eine völlige Verwüstung des Landes. Diese wird nur aufzuhalten sein, wenn beide Seiten, also Russland und die Ukraine, auf Maximalpositionen verzichten. Mit Pathos und noch mehr Waffen wird die Zerstörung ukrainischer Städte und tausendfaches menschliches Leid nicht zu stoppen sein, vielleicht aber mit nüchterner Realpolitik.Uwe Hass Köln

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht am 17. März auf einer Videoleinwand im Deutschen Bundestag.

Beschämendes Verhalten der Regierung nach Selenskyj-Rede

Der Deutsche Bundestag zeigte sich von seiner besten Seite, als es nach der Selenskyi-Rede zuerst stehenden Applaus gab. Aber danach war das wahre Gesicht der Ampel-Koalition zu sehen: Kein Mitglied der Regierung stand auf und gab eine Erklärung ab. Nein, das ist nicht der Bundestag des Deutschen Volkes. Ich bin mehr als beschämt.Rudolf Wolff Bonn

Verhalten der Opposition nach Selenskyj-Rede irritiert

Mich hat es sehr irritiert, wie der Bundestag sich verhielt, als Herr Selenskyj zugeschaltet wurde. Wenn Lebensgefahr besteht, kann nicht viel geredet werden, daher ist es für mich von der Bundestags-Vize-Präsidentin nicht nachvollziehbar, eine lange Einleitung vor der Live-Schalte zu halten. Es ist unbegreiflich, wie die Opposition, allen voran CDU/CSU, einen Riesen-Aufriss über eine potenzielle Debatte macht, obwohl sie selbst die Tagesordnungspunkte zuvor abgesegnet hatte. Der Fehler lag also in der vorherigen Planung.

Andererseits echauffieren sich wie gewohnt die AfD, die in Umfragewerten abgerutschte Linke und CDU/CSU - offensichtlich weil Landtagswahlen vor der Tür stehen. Von der von Friedrich Merz groß angekündigten Unterstützung der Ampel-Koalition in der größten Krisenzeit seit 1945 ist wenig zu spüren. Statt seriös zu kritisieren, versucht man sich zu profilieren, haut nur drauf und zeigt, dass eine geplante Debatte über eine der weiteren großen Krisen, die Corona-Epidemie und -Politik in unserem Land weniger wichtig ist. Dabei wäre es so wichtig, dass es eine seriöse große Oppositionspartei als Korrektiv gäbe. Die gibt es allerdings nur in Teilen. Insgesamt hoffe ich, dass sich so ein Tag im Parlament nicht wiederholt. Benedikt Senden Köln

Blamabel

Nach der Rede von Herrn Selenskyj einfach zur Tagesordnung überzugehen, zeigt, was man von der Bundesregierung zu halten hat. So eine Haltung hat sich noch keine Bundesregierung erlaubt. Ich hoffe, dass uns weitere Blamagen erspart bleiben.Winfried Müller Neunkirchen-Seelscheid