Die Extremtemperaturen haben in Deutschland und Europa erhebliche Auswirkungen – alle Informationen zur Hitzewelle im Liveblog.
Hitzewelle in EuropaHistorischer Notfall-Rekord in London – Ozon-Alarm in NRW
Nicht nur in Köln und der Region sorgt die andauernde Hitzewelle für spürbare Auswirkungen – deutschlandweit und in großen Teilen Europas sorgen die enormen Temperaturen mitunter für Ausnahmezustand. Alle wichtigen Informationen zur Hitzewelle finden Sie in unserem Liveblog.
Schweiz bricht Temperaturrekord für Monat Juni
18.35 Uhr: Mit 38 Grad in Basel hat die Schweiz am Donnerstag die höchste jemals im Monat Juni gemessene Temperatur verzeichnet. Damit sei der bisherige Juni-Rekord von 36,9 Grad aus dem Jahr 1947 gebrochen, teilte der Schweizer Wetterdienst Meteoschweiz mit. Auch vor fast acht Jahrzehnten war die höchste Juni-Temperatur in der Stadt Basel nahe der Grenze zu Deutschland und Frankreich gemessen worden.
Wegen der Hitzewelle in Westeuropa gilt auch in weiten Teilen der Schweiz die höchste Hitze-Warnstufe. Am höchsten sind die Temperaturen im Norden der Schweiz, wo außer in Basel in mindestens fünf Wetterstationen das Thermometer über 37 Grad anzeigte. Die Hitzewelle werde voraussichtlich bis Montag anhalten, erklärte Meteoschweiz.
Hitzerekorde in Großbritannien
17.48 Uhr: Großbritannien hat am Donnerstag einen neuen Temperaturrekord für den Monat Juni verzeichnet. Laut der nationalen Wetterbehörde Met Office wurden in Yeovilton in der Grafschaft Somerset im Südwesten Englands 36,4 Grad gemessen. Bereits am Mittwoch war der Rekord aus den Jahren 1957 und 1976 gebrochen worden: Damals waren 36,1 Grad in Gosport an der Südküste Englands gemessen worden.
Für weite Teile von Südengland hatte die Wetterbehörde am Mittwoch wegen der extremen Hitze die höchste Warnstufe ausgerufen. Das bislang einzige Mal war dies im Juli 2022 geschehen. Für die Hauptstadt London und ein Gebiet im Südosten Englands verlängerte das Met Office die höchste Alarmstufe bis Freitagabend, da mit bis zu 36 Grad im Schatten gerechnet wurde, mancherorts sogar mit 38 Grad.

Auf dem Trafalgar Square suchen die Menschen unter Regenschirmen Schutz vor der Sonne.
Copyright: Vuk Valcic/ZUMA Press Wire/dpa
Die Hitze macht dem menschlichen Organismus zu schaffen – und auch den Rettungsdiensten. In der britischen Hauptstadt registrierten diese am Mittwoch wegen der „extremen Hitze“ einen „historischen Rekord an Notfalleinsätzen“. Sie rückten zu 642 lebensbedrohlichen Notfällen aus, darunter Herzinfarkte oder Patienten, die nicht atmeten, wie der Dienst der Londoner Ambulanzen mitteilte. Wegen der Hitze wurden diese Woche 400 zusätzliche Rettungsteams in der Neun-Millionen-Einwohner-Stadt London eingesetzt.
600 Ferkel ohne Wasser: Autobahnpolizei stoppt Tiertransport
17.06 Uhr: Die Autobahnpolizei hat auf der A8 in Bayern einen Tiertransport mit 600 Ferkeln gestoppt. Die Wassertränken der Tiere waren in der Hitze schon leer, wie die Polizei in Augsburg am Donnerstag mitteilte. Die Beamten wiesen den Fahrer demnach an, den Transporter an einem schattigen Platz abzustellen, und riefen die Feuerwehr.
Die Feuerwehr habe die Wassertränken aufgefüllt und die Ferkel mit einem Wassersprühnebel gekühlt. Die Tiere seien nach Absprache mit dem Veterinäramt zu einer Notstation gebracht worden. Die Autobahnpolizei ermittelt nun wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gegen den Fahrer und dessen Auftraggeber.
Hohe Ozonwerte in NRW – Warnung für empfindliche Gruppen
15.37 Uhr: In Nordrhein-Westfalen steigt durch das aktuell extrem sommerliche Wetter auch die Ozonbelastung. An mehreren Messstellen wurde die sogenannte Informationsschwelle von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten, wie das zuständige Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (Lanuk) mitteilte.
Ozon kann Symptome wie Schleimhautreizungen, Atemwegsbeschwerden, Kopfschmerzen und eine verminderte körperliche Leistungsfähigkeit verursachen. An den Messstellen in Bottrop-Welheim, Duisburg-Walsum und Mülheim-Styrum wurde zudem die Alarmschwelle von 240 Mikrogramm pro Quadratmeter überschritten.
Bei Ozonwerten über der Informationsschwelle wird besonders empfindlichen Personen empfohlen, körperliche Anstrengungen im Freien zu vermeiden. Auch Menschen mit Arbeitsplätzen im Freien, Sportler, Säuglinge und Kleinkinder sind gefährdet. Sportliche Aktivitäten sollten möglichst auf die frühen Vormittags- oder die Abendstunden verlegt werden, hieß es vom Lanuk. Wer sich im Freien aufhalte, solle zudem an ausreichenden Sonnenschutz denken.
Badetote infolge der Hitze: Französischer Fußballer ertrinkt
14.51 Uhr: Auch in Frankreich gibt es Badetote infolge der europaweiten Hitzewelle: Der französische Fußball trauert nach einem tödlichen Badeunfall um Nachwuchsspieler Kenzo Kies. Der 21-Jährige vom Zweitligisten EA Guingamp kam nahe seiner Geburtsstadt Lyon ums Leben. Kies sei am Montag mit Freunden in der Nähe bei Temperaturen um 40 Grad in der Rhône baden gewesen, berichteten französische Medien. Das Baden sei an dieser Stelle gefährlich und eigentlich verboten.
Drei Personen hätten von der Feuerwehr gerettet werden können, Kies habe sich dagegen bereits in kritischem Zustand befunden und sei später gestorben. Auch in Frankreich gibt es angesichts der großen Hitzewelle viele Badeunfälle mit Todesopfern.
Sein Klub teilte den Tod in einem Post bei X mit. Andere Vereine wie die AS Monaco reagierten mit betroffenen Kommentaren auf die tragische Nachricht. Auch Kies’ früherer Klub AS Saint-Étienne reagierte erschüttert. Dort hatte der Jungprofi, der im vorigen Sommer nach Guingamp wechselte und dort in der zweiten Mannschaft spielte, sieben Jahre im Nachwuchs verbracht.
Hitze: AKW in der Schweiz droht Abschaltung
14.18 Uhr: Wegen der Hitzewelle droht dem Atomkraftwerk Beznau in der Schweiz die vorübergehende Abschaltung. Das kann nach Angaben des Energieunternehmens Axpo am Freitag der Fall sein. Grund ist die hohe Temperatur des Flusses Aare. Ist der Fluss nach Einleitung des für die beiden Reaktoren benötigten Kühlwassers drei Tage lang wärmer als 25 Grad, müsse das AKW heruntergefahren werden, teilte Axpo mit. Dies geschehe mit Rücksicht auf die Tier- und Pflanzenwelt des Flusses.

Eine Person erfrischt sich während einer Hitzewelle in Paris an der Fontaine de Varsovie in der Nähe des Eiffelturms.
Copyright: Christophe Ena/AP/dpa
Neue Hitzerekorde in Frankreich
13.11 Uhr: Die massive Hitzewelle in Frankreich stellt immer neue Rekorde auf: Mit einer durchschnittlichen Mindesttemperatur von 22 Grad hat das Land in der Nacht zum Donnerstag zum zweiten Mal in kurzer Folge die wärmste Nacht seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt. Der vorherige Höchstwert war mit 21,6 Grad erst in der Nacht zum Dienstag erreicht worden. Dienstag und Mittwoch waren zudem die heißesten Tage seit Aufzeichnungsbeginn.
Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu rief die höchste Bereitschaftsstufe für das Gesundheitssystem des Landes aus. Ziel sei es, „dem Gesundheitssystem zu ermöglichen, auf Dauer durchzuhalten und die Verwundbarsten zu schützen“, erklärte er. Unter anderem soll das Krankenhauspersonal aufgestockt werden, nicht notwendige Operationen können verschoben werden.
Derzeit gilt in 72 von 101 französischen Départements die höchste Warnstufe - damit sind so viele Départements betroffen wie nie zuvor. In Paris war das Thermometer am Mittwoch auf 40,3 Grad geklettert. Es war erst das vierte Mal in 150 Jahren, dass in der Hauptstadt die 40-Grad-Marke überschritten wurde. Die landesweit höchste Temperatur wurde mit 43,8 Grad im Westen des Landes gemessen.
Deutsche Bahn rät von Reisen ab
12.27 Uhr: Die Deutsche Bahn befürchtet wegen des aktuellen Sommerwetters Störungen im Zugbetrieb und rät von Reisen ab. Temperaturen von über 40 Grad führten zu einer spürbaren Belastung der Infrastruktur, erklärte der Konzern am Donnerstag. Hinzu komme das Risiko von Böschungsbränden sowie lokal auftretendem Starkregen und Gewittern mit Sturmböen. Wer seine Reise im Fernverkehr nicht antreten möchte, kann deshalb ab sofort kostenlos sein Ticket stornieren.
Wer bis einschließlich 23. Juni ein Ticket für eine Reise bis 30. Juni gebucht hat, kann demnach davon zurücktreten und bekommt sein Geld zurück. Es ist das erste Mal, dass die DB eine Hitze-Sonderkulanz anbietet – und sie rät allen, die auf ihre Fahrt verzichten können, von der Sonderregelung Gebrauch zu machen.
Wassermangel im Rheinland – Entnahmeverbot in Dresden
11.59 Uhr: Wegen Hitze, Trockenheit und Niedrigwasser in den Bächen und Flüssen verhängt die Stadt Dresden ein Wasserentnahmeverbot. Die Untere Wasserbehörde hat das Verbot einer Mitteilung der Stadt zufolge vom gestrigen Mittwoch an verhängt. Bis Ende Oktober dürfen Eigentümer und Anlieger nach derzeitigem Stand deshalb kein Wasser aus den „oberirdischen Gewässern“ der Stadt entnehmen.
Bei Temperaturen von bis zu 38 Grad und anhaltender Trockenheit spitzt sich die Wassersituation derweil auch in Köln und weiten Teilen Nordrhein-Westfalens zu. Die Hitzewelle treibt den Trinkwasserverbrauch in die Höhe und zwingt Versorger und Behörden zu drastischen Maßnahmen. In Köln gilt seit Mitte Juni ein Verbot der Wasserentnahme aus Bächen und anderen fließenden Gewässern im gesamten Stadtgebiet.
Mehr Informationen zu den Maßnahmen im Rheinland finden Sie hier.
Hitze: Totes Kleinkind in Auto bei Paris gefunden
11.37 Uhr: Ein dreijähriger Junge ist inmitten der Hitzewelle in Frankreich eingesperrt im Auto gestorben. Rettungskräfte versuchten am Mittwochabend vergebens, das Kind in Saint-Gratien in der Nähe von Paris wiederzubeleben. Zuvor hatten die Eltern bereits versucht, ihr Kind noch zu retten, wie die Staatsanwaltschaft Pontoise mitteilte.
Nach ersten Erkenntnissen der Ermittlungsbehörde hatte die Mutter mit dem jüngeren Geschwisterkind des Jungen eine Siesta eingelegt. Der Vater arbeitete demnach im Gartenschuppen und hatte den Dreijährigen gebeten, sich ebenfalls schlafen zu legen. Von den Eltern unbemerkt sei das Kind dann in das draußen am Hauseingang stehende Auto der Familie gestiegen. Die Behörden leiteten eine Untersuchung zu fahrlässiger Tötung ein.
Mehr als 200 hitzebedingte Todesfälle in Spanien
11.23 Uhr: Die erste Hitzewelle des Sommers hat in Spanien nach einer offiziellen Schätzung innerhalb von vier Tagen mehr als 200 Menschenleben gefordert. Zwischen Sonntag und Mittwoch sei eine Übersterblichkeit von 212 Todesfällen registriert worden, teilte das System zur Überwachung der täglichen Sterblichkeit der Universität Carlos III in Madrid mit. Diese werden den ungewöhnlich hohen Temperaturen von bis zu gut 45 Grad zugeschrieben.
Erster Rekord: Wärmste Nacht in Deutschland seit Messbeginn
10.57 Uhr: Während der aktuellen Hitzewelle ist ein erster Rekord eingestellt worden: Die vergangene Nacht zieht nach vorläufigen Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mit der wärmsten Nacht in Deutschland seit Beginn der Messungen gleich.
Im rheinland-pfälzischen Bad Bergzabern fiel die Temperatur nicht unter 26,2 Grad. Bisheriger Rekordhalter war der Berg Weinbiet in Rheinland-Pfalz, wo die Temperatur am 25. Juli 2019 ebenfalls nicht unter 26,2 Grad gesunken war. Die kommenden Nächte werden wohl noch wärmer. Ab einer Mindesttemperatur von 20 Grad spricht der Wetterdienst von einer Tropennacht.
dpa/afp/red



