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Dehydrierte auf den FlurenKöln ächzt unter der Hitze – Kliniken schlagen Alarm

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Auch im Krankenhaus Merheim mussten viele Patienten im Schockraum behandelt werden. Das Bild zeigt eine Übung (Archivbild).

Auch im Krankenhaus Merheim mussten viele Patienten im Schockraum behandelt werden. Das Bild zeigt eine Übung (Archivbild).

Die Notaufnahmen der Kölner Kliniken sind voll, mehr Menschen als sonst müssen reanimiert werden. 

Seit Freitagabend (26. Juni) herrscht in den Kölner Kliniken in Merheim, Holweide und auch im Kinderkrankenhaus der Hitze-Ausnahmezustand. „Wir sind in den Einrichtungen am Limit“, bestätigt der Sprecher der Kliniken, René Hartmann, am Sonntagmittag auf EXPRESS.de-Nachfrage.

Kölner Kliniken im Hitze-Ausnahmezustand

Besonders dramatisch war es am Samstag in Merheim. Zusätzliches Personal musste sogar aus dem freien Wochenende geholt werden. Auch am Sonntag ist die Lage noch angespannt. Zumal der Hitze-Höhepunkt um 13 Uhr noch nicht erreicht wurde.

Laut Hartmann gab es auch Todesfälle in Merheim, die offenbar mit der Hitze in Zusammenhang stehen. Die Personen litten demnach an Vorerkrankungen, wie Herz-Kreislauf-Schwäche. „Mehr als doppelt so viele Reanimationen mussten im Schockraum durchgeführt werden. An einem normalen Tag sind es zwei bis drei, am Samstag waren es fünf bis sechs“, so Hartmann. Der 37-Jährige war am Samstag selbst als Sanitäter im Einsatz.

Hitzepatienten werden mit Eis heruntergekühlt

Zudem wurde in Merheim eine mobile Sanitätsstation eingerichtet. Hitzepatienten wurden noch auf dem Klinikgelände abgeduscht und mit Eis heruntergekühlt, bevor sie überhaupt der Notaufnahme zugeführt wurden. Dehydrierte Patienten wurden teilweise auf dem Flur behandelt, weil die Stationen längst voll waren.

Die Kapazitäten stießen in Merheim schnell an ihre Grenzen. Auch in Holweide und im Kinderkrankenhaus in Köln-Niehl waren die Notaufnahmen voll. Hartmann spricht von dem Phänomen „Overcrowding“: Dutzende Patienten suchten nach Hitzeerschöpfung oder Hitzschlägen Hilfe. „Um die Versorgung aller Patienten weiterhin auf hohem Niveau sicherzustellen, haben wir frühzeitig eine Sonderlage ausgerufen“, erklärt Hartmann.

Das städtische Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße soll in den kommenden Jahren geschlossen werden, ein Ersatzneubau in Merheim entstehen. (Archivbil

Das städtische Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße soll in den kommenden Jahren geschlossen werden, ein Ersatzneubau in Merheim entstehen. (Archivbild)

Unterstützung gab es von der Berufsfeuerwehr Köln, der Freiwilligen Feuerwehr Köln, dem Deutschen Rote Kreuz Landesverband Nordrhein und Mönchengladbach sowie dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB).

„Wir appellieren an die Bevölkerung, ausreichend zu trinken, körperliche Anstrengungen während der größten Hitze möglichst zu vermeiden und insbesondere ältere Menschen, Kinder sowie chronisch Erkrankte im Blick zu behalten. So lassen sich viele hitzebedingte Beschwerden vermeiden. Bei akuten medizinischen Notfällen gilt selbstverständlich weiterhin: Bitte zögern Sie nicht, den Rettungsdienst oder die Notaufnahme aufzusuchen“, heißt es in einer Mitteilung der Kliniken Köln.

Kliniken schlecht ausgestattet: Viele Räume ohne Klimaanlage

Betroffen waren nicht nur ältere oder kranke Menschen. Auch ein Paketzusteller, sonst kerngesund, musste im Krankenhaus versorgt werden – er hatte auf seiner Tour zu lange in der prallen Sonne ausgeharrt. In diesem Zusammenhang rät Hartmann zur Vorsicht. „Trinken, trinken, trinken – das ist jetzt besonders wichtig. Und nicht in die Hitze gehen, bleiben Sie im Schatten.“

Sascha Klein, Vizepräsident der Krankenhausgesellschaft NRW, erklärte gegenüber dem WDR, dass viele Kliniken schlicht nicht ausreichend ausgestattet seien: Klimaanlagen, Fassadendämmung, Verschattung – all das fehle, weil die finanziellen Mittel nicht vorhanden seien. Das bestätigt auch René Hartmann. Viele Räume an den Standorten seien ohne Klimaanlage, das sei bei der Hitze ein großes Problem.

Die aktuelle Hitzewelle zeige zugleich, dass sich Krankenhäuser zunehmend auf längere Hitzeperioden einstellen müssen. Während Operationssäle, Intensivstationen und Notaufnahmen aus medizinischen Gründen klimatisiert sind, sei eine Klimatisierung von Normalstationen und vielen weiteren Krankenhausbereichen nach den geltenden Finanzierungsregelungen durch den Gesetzgeber bislang nicht vorgesehen. „Mit Blick auf die zunehmende Zahl extremer Hitzetage sehen wir hier einen wachsenden Handlungsbedarf“, appelliert Hartmann.

Notfalllazarett an der Messe in Köln-Deutz

Die Lage wurde bereits am Samstagabend so ernst, dass die Stadt an der Messe in Deutz ein Notlazarett einrichten musste. Nicht nur die Feuerwehr fährt alle Kapazitäten auf, um ihren Beitrag im Kampf gegen die Hitzefolgen zu leisten. Auch die KVB half am Samstag mit einigen ihrer Busse aus, brachte Patienten, die nicht auf eine Versorgung während der Fahrt in einem Krankenwagen angewiesen waren, in das Notlazarett nach Deutz.

Die Feuerwehr weist darauf hin, dass hier keine Patienten einfach so aufgenommen werden. Es sollte sich also niemand zu Fuß auf den Weg zur Messe machen.