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Campino„Ich empfinde manchmal echte Scham über die Dinge, die der Merz da raushaut“

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Sänger Campino (links) ist von Bundeskanzler Friedrich Merz schwer enttäuscht. (Bild: Getty Images / Sean Gallup / Collage)

Sänger Campino (links) ist von Bundeskanzler Friedrich Merz schwer enttäuscht. (Bild: Getty Images / Sean Gallup / Collage)

Im Zuge der Promotion für das Abschiedsalbum der Toten Hosen hat Sänger Campino im „Hotel Matze“ Halt gemacht. Der 63-Jährige rechnet im Podcast hart mit der deutschen Wohlstandsgesellschaft und ihrem Kanzler ab.

In politische Debatten mischt sich Campino nur noch selten ein. Das begründet der Sänger der Band Die Toten Hosen im Podcast „Hotel Matze“ mit einer Veränderung der Streitkultur. Er frage sich inzwischen: „Wann hat sich das gedreht, dass wir auf eine aggressive Art und Weise reingezogen werden in Diskussionen, an denen wir nicht teilhaben wollen?“ Schweigen würde allzu oft als Schwäche ausgelegt. Er selbst ziehe es vor, „bei diesem Geblöke nicht mitzumachen“.

Im von Matze Hielscher moderierten Gespräch redet sich der Rockmusiker dann aber doch noch in Rage, zum Beispiel, als es um den deutschen Bundeskanzler geht. Er habe Friedrich Merz nach dessen Wahlsieg die Daumen gedrückt, er möge es „irgendwie regeln“ und vielleicht über sich hinauswachsen. Es sei dann „immer eine Riesen-Enttäuschung, wenn das nicht eintritt, muss man einfach so sagen“.

Campino über Friedrich Merz: „Der ist kein guter Europäer“

Im Anschluss rechnet Campino hart mit dem deutschen Regierungschef ab: „Ich empfinde manchmal echte Scham über die Dinge, die der Merz da raushaut“, sagt er und urteilt: „Der ist kein guter Europäer.“ Merz habe „mit manchen Dingen einfach Europa verraten gegenüber Trump, um sich die Gunst von diesem willkürlichen Chaoten zu holen“.

Der Musiker stört sich vor allem am viel zitierten Statement des Bundeskanzlers, der den Amerikanern signalisiert haben will: „Und wenn Ihr mit Europa nix anfangen könnt, dann macht wenigstens Deutschland zu eurem Partner.“ Für Campino ein Unding: „Er hat das Boot verlassen, das ist unanständig, und das nehme ich ihm richtig übel.“

Hart ins Gericht geht der 63-Jährige auch mit der Gesellschaft, die immer aggressiver werde, obwohl es doch allen immer noch vergleichsweise gut gehe. „Wir sind in so einer Hybris gelandet, dass wir denken, Konflikte, schlechte Nachrichten, das muss alles im Fernsehen bleiben oder im Internet, in meinem Leben darf das keine Rolle spielen“, grübelt Campino über den Grund.

„Eines ist klar, hier tankt niemand mehr billig“

Dieser Haltung laufe die Politik hinterher, indem sie etwa sage: „Wir erlassen euch die Steuern, sodass Tanken wieder billiger wird, und sie reden da einen Stuss zusammen, anstatt einmal die Wahrheit zu sagen: Leute, es gibt einen verdammten Krieg, der betrifft uns alle. Wir wissen nicht, wo das enden wird, aber eines ist klar, hier tankt niemand mehr billig.“ Der Sänger glaubt: „Wenn diese Wahrheit mal ausgesprochen würde, wäre vielleicht auch ein Verständnis da, dass die Leute sagen: Okay, ich muss jetzt hier leider mehr zahlen, ich muss mehr abgeben, weil es uns alle betrifft und nicht nur im Fernsehen abläuft.“

Campino (bürgerlich: Andreas Frege) wurde in den 80er-Jahren als Frontmann der aus der Punk-Bewegung stammenden Band Die Toten Hosen bekannt. Mit „Trink aus! Wir müssen gehen“ erschien soeben ein neues Album der Gruppe, das ihr letztes bleiben soll. Ab 13. Juni sind die Toten Hosen im Zuge ihrer Ende Mai in Prag begonnenen Abschiedstournee auch in deutschen Städten zu sehen. (tsch)