Marius Borg Høiby trägt König Haralds Sarg: Eine Expertin analysiert, welches Kalkül das norwegische Königshaus mit diesem Schritt verfolgt.
Letztes Geleit für Harald V.Marius Borg Høiby trägt Sarg – Royals setzen ein Zeichen

Der Sarg von König Harald V. wird von Mitgliedern der norwegischen Königsfamilie, König Haakon VIII. (hinten, l-r), Prinz Sverre Magnus, Maud Angelica Behn, (verdeckt), Marius Borg Høiby, Kronprinzessin Ingrid Alexandra (vorne, l-r) und Haakons Schwester Märtha Louise vom Roten Salon in die Schlosskapelle überführt.
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Es ist ein Bild, das weltweit für Diskussionen sorgt: Beim feierlichen Geleit des verstorbenen norwegischen Königs Harald V. in die Schlosskapelle von Oslo trug Marius Borg Høiby den Sarg mit.
Dass der wegen schwerer Vorwürfe im Fokus der Justiz stehende Sohn von Königin Mette-Marit in vorderster Reihe mit anpackte, stößt bei vielen Beobachtern auf Unverständnis. Hinter dieser Szene vermutet die renommierte Protokoll-Expertin María José Gómez y Verdú im Fachmagazin „Semana“ ein gezieltes Kalkül des Osloer Palastes.
Royal-Expertin sieht Strategie
Im Zentrum der Überlegungen stehe dabei der neue Monarch König Haakon. Aus Sicht der Expertin deutet vieles darauf hin, dass das Königshaus mit diesem Auftritt eine heikle Gratwanderung probt: Die Krone soll als unberührbare Institution geschützt werden, während man gleichzeitig vermeiden will, die Familie vor den Augen der Weltöffentlichkeit demonstrativ zu spalten.
„In der Etikette, insbesondere bei Königshäusern, sind Bilder niemals neutral“, analysiert Gómez y Verdú. Wer anwesend sei, wo jemand stehe und in welchem Moment er auftauche, konstruiere unweigerlich eine Botschaft. Die Signalwirkung dieses Moments ziele nach ihrer Lesart jedoch nicht auf die Krone ab, sondern solle rein privat verstanden werden.
König Harald war für Marius Familie, nicht nur der König
Gómez y Verdú interpretiert das Vorgehen so, dass der Hof bewusst den Unterschied zwischen Staatsräson und familiärer Bindung markieren möchte. Borg Høiby besitze schließlich keinen protokollarischen Rang und spiele in der Thronfolge keine Rolle. Der verstorbene Monarch sei für ihn jedoch seit seiner Kindheit eine enge Bezugsperson gewesen.

Explizite Nennung auf der Trauerschleife: Marius Borg Høiby wird namentlich zusammen mit dem neuen König Haakon VIII., Königin Mette-Marit, Kronprinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus auf dem Kranzband mit der Aufschrift „Danke“ („Takk“) aufgeführt.
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„Ein Begräbnis ist eines der wenigen Szenarien, in denen die private Dimension sich durchsetzen oder zumindest neben der strengen institutionellen Ordnung existieren kann“, erklärt Gómez y Verdú. Die Anwesenheit im engsten Kreis übermittle für sie die Botschaft emotionaler Zugehörigkeit: Harald sei für Borg Høiby nicht nur der König von Norwegen gewesen, sondern schlicht ein Familienmitglied.
König Haakon vermeidet familiäre Kälte
Mit diesem Schritt versuche König Haakon offenkundig, den Eindruck familiärer Kälte abzuwenden. Zugleich warnt die Expertin davor, in dem Auftritt bereits eine künftige Rehabilitierung des 29-Jährigen zu sehen. Es sei ein Trugschluss, das Tragen des Sarges als Weichenstellung für eine Rückkehr ins offizielle Leben zu deuten. „Ein Familienmitglied in der Trauer zu begleiten, bedeutet nicht, es wieder in die Institution einzugliedern“, betont Gómez y Verdú.
Auch die juristische Dimension ordnet die Protokollfachfrau als Teil dieser vermuteten Taktik ein: Dass der Halbbruder von Kronprinzessin Ingrid Alexandra Erscheinen über die regulären Ausnahmegenehmigungen der Justizbehörden lief, helfe dem Palast, den Vorwurf königlicher Sonderrechte im Keim zu ersticken. Nach ihrer Einschätzung zieht die Krone damit eine subtile Grenzlinie: Das laufende Strafverfahren bleibt alleinige Sache der Gerichte, während der Abschied von einer familiären Vaterfigur dem privaten Trauerkreis vorbehalten bleibt.
Ob dieser Spagat dem Königshaus auf lange Sicht abgenommen wird, dürfte sich laut Gómez y Verdú daran zeigen, ob Borg Høiby nach dem Ende der Trauertage wieder vollständig aus dem Umfeld der Krone verschwindet.
