Der erste Atommüll-Transport quer durch NRW hat sein Ziel schneller als geplant erreicht. Gegner demonstrierten friedlich.
Riesiger Konvoi, leere AutobahnAtommüll unterwegs in NRW – 2400 Beamte im Großeinsatz

Der Lkw mit dem Castor verlässt das Forschungszentrum Jülich. Castor-Transporte sind durch Nordrhein-Westfalen von Jülich nach Ahaus geplant.
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Minutenlang nur Blaulicht auf sonst leeren Autobahnen: Mit einem enormen Aufwand hat die Polizei den ersten Atommüll-Transport vom rheinischen Jülich nach Ahaus im Münsterland quer durch Nordrhein-Westfalen abgesichert.
Etwa 100 Fahrzeuge bilden am späten Abend einen riesigen Konvoi. Darunter befinden sich Dutzende Polizeifahrzeuge, die etwa als Vorhut oder Nachhut um den Schwerlasttransporter mit der brisanten Fracht fungieren.
Mobile Toiletten im Konvoi
Auf fast alles scheint die Polizei mit ihrem riesigen Tross vorbereitet zu sein. Sogar mobile Toiletten fahren per Anhänger mit. Auch hinter den Leitplanken stehen an bestimmten Stellen Beamte, um etwa Zugangswege zu bewachen.
Immer wieder sind Auf- und Abfahrten an Autobahnen gesperrt. Anderen Auto- oder Lkw-Fahrern bleiben wenig Ausweichmöglichkeiten, wie ein dpa-Reporter berichtet. Manchen Betroffenen bleibt nur das Wenden an der Absperrung.
Viele Konvois werden folgen
Die Kolonnenfahrt auf der Autobahn ist lediglich der Auftakt einer ganzen Serie von Atommüll-Transporten. Nur ein einziger Castor-Behälter mit strahlender Altlast ist bei dieser großangelegten Aktion aus dem früheren Versuchsreaktor Jülich verlegt worden. Weitere 151 Castor-Behälter sollen ebenfalls auf der Straße zum Zwischenlager Ahaus transportiert werden. Auch wenn möglicherweise künftig drei Schwerlasttransporter gleichzeitig losfahren, wären es immer noch um die 50 Konvois.

Ein Schwertransporter mit einem Castor-Behälter fährt an Teilnehmern einer Anti-Atomkraft-Demonstration vorbei, die entlang der Strecke bei Ahaus gegen die Castor-Transporte protestieren.
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Vor dem Start des ersten Konvois demonstrieren in Jülich, Duisburg und Ahaus Gegner der Atommüll-Transporte. Unter den Organisatoren ist die Umweltorganisation BUND, die die Transporte per Gericht stoppen wollte.
Kerstin Ciesla, Vize-Landeschefin des BUND NRW machte bereits am Tag zuvor deutlich, dass die juristische Auseinandersetzung im Hauptverfahren weitergehe. Im Eilverfahren hatte der BUND mit Sicherheitsbedenken keinen Erfolg.
2.400 Beamte im Großeinsatz
Die NRW-Polizei setzt beim Auftakt der umstrittenen Transporte mit etwa 2.400 Beamten besonders viele Kräfte ein. Der Großteil der Polizisten ist am Start oder Ziel postiert, andere sichern die zügige Fahrt des Konvois ab.

Fahrzeuge der Polizei begleiten den Castor-Transport im Konvoi auf der A3 in Höhe Bottrop. Castor-Transporte sind durch Nordrhein-Westfalen von Jülich nach Ahaus geplant.
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Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnt angesichts bereits vielfältiger Aufgaben und einer veränderten Sicherheitslage bereits vor einer personellen Überlastung. Von einer „Aufgabe zur Unzeit“ spricht Landeschef Patrick Schlüter im WDR.
„Kein Wunschkonzert“
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) betont, man könne sich die Einsätze nicht aussuchen. Wenn es nach ihm ginge, könnte er auf die Transporte gerne verzichten, sagt er. „Aber die Arbeit der Polizei ist kein Wunschkonzert.“
Vor dem Zwischenlager in Ahaus stauen sich zahlreiche Mannschaftswagen der Polizei. Es ist kurz nach 2.00 Uhr morgens, als der Castorbehälter sein Ziel erreicht. Rund vier Stunden Fahrzeit waren es – schneller als geplant.
Hinter Absperrgittern harren etwa 60 bis 70 Demonstranten aus. Mit Trillerpfeifen versuchen sie, gegen den starken Wind anzukommen. Währenddessen verschwindet der Schwertransporter hinter dem Zaun des Zwischenlagers. (dpa)

