Die furchtbare Geschichte der Kolonie des Grauens, der „Colonia Dignidad“, beginnt in der Nachbarschaft: Von 1955 bis zu seiner Flucht 1961 nach Chile betreibt der Pädokriminelle Paul Schäfer in Lohmar-Heide ein Kinder- und Jugendheim.
Horror in der NachbarschaftDie Geschichte der Colonia Dignidad beginnt im Rheinland

Kinder und Jugendliche wurden in der „Privaten Sozialen Mission“ und später in der „Colonia Dignidad“ zur Arbeit gezwungen. Viele von ihnen wurden misshandelt und sexuell missbraucht.
Copyright: Archiv
Die furchtbare Geschichte der „Colonia Dignidad“ beginnt in der Nachbarschaft. Während über die Sekte und die Straftaten, die hinter Mauern und Stacheldraht in Chile viele Opfer forderten, ausführlich berichtet wurde, sind die Anfänge der Gemeinschaft um den Pädokriminellen Paul Schäfer nur wenigen bekannt. Vor seiner Flucht aus Deutschland im Jahr 1961 betrieb der ehemalige Erzieher in Heide im Rhein-Sieg-Kreis die „Private Soziale Mission“.
„True Crime Köln“, die Podcastreihe des Kölner Stadt-Anzeiger über wahre Verbrechen in Köln und der Region, begibt sich in dem kleinen Örtchen, das zu Lohmar gehört und 13 Kilometer von der Kölner Stadtgrenze entfernt liegt, auf Spurensuche.
Die neue Folge von „True Crime Köln“ hören:
Der Podcast wird nicht angezeigt? Klicken Sie hier, um die Folge von „True Crime Köln“ zu hören.
Der ehemalige Nachbar, Gerd Albus, der vor Ort auch Führungen macht, berichtet von den Anfängen der Sekte, die dort 1955 ein Grundstück gekauft hatte. Die Behörden und Schäfers ehemalige kirchliche Arbeitgeber schauten beim Aufbau eines großen Kinder- und Jugendheims zu, obwohl es schon damals Vorwürfe wegen Kindesmisshandlungen und sexuellen Missbrauchs gab. Als Jahre später staatsanwaltschaftliche Ermittlungen begannen, hatte der gebürtige Bonner noch ausreichend Zeit, um sich ins Ausland abzusetzen. Und nicht nur das: Er nahm Hunderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus dem Rheinland mit nach Chile.

Gerd Albus vor den Neubauten auf dem Gelände in Heide, das früher der "Privaten Sozialen Mission" gehörte
Copyright: Helmut Frangenberg
Das Kinder- und Jugendheim in Heide funktionierte im Kleinen so wie später die hermetisch abgeriegelte deutsche Kolonie in Chile, sagt die Historikerin Holle Meding im Interview mit „True Crime Köln“. Die gebürtige Siegburgerin promoviert zurzeit am Lateinamerikainstitut der Freien Universität Berlin. Sie hat in Chile mit ehemaligen Mitgliedern der Sekte gesprochen, aber auch in der Kölner Region alte Akten studiert, um die wenig bekannte Vorgeschichte der „Colonia Dignidad“ zu erforschen.

Paul Schäfer im Jahr 2005 auf dem Weg zu einem Gericht nach seiner Auslieferung von Argentinien nach Chile
Copyright: picture-alliance/ dpa
Schäfer gelang es, seine Anhänger zu blindem Gehorsam und Gefolgschaft zu bringen. Zu seinen Mitteln gehörten bereits in Lohmar-Heide schwerste körperliche Misshandlungen und Erpressung. Dazu habe er die Beichte instrumentalisiert, so Meding. Intimste Geheimnisse wurden protokolliert, damit Schäfer sie als Druckmittel verwenden konnte. Auch der sexuelle Missbrauch von Kindern ist bereits für die Zeit im Rheinland bezeugt. Kinder und Jugendliche wurden genau wie Erwachsene, wie später in Chile, zur Arbeit gezwungen.

Alle zwei Wochen erscheint eine neue Folge von True Crime Köln
Copyright: ksta
Die neue Folge von „True Crime Köln“ kann man überall hören, wo es Podcasts gibt, und über die Internetseiten des Kölner Stadt-Anzeiger.
