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Kölner Kardinal in DüsseldorfWoelki firmt 17 Jugendliche – Proteste pausieren

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Kardinal Rainer Maria Woelki

Düsseldorf – Trotz vorausgegangener Proteste hat Kardinal Rainer Woelki am Mittwoch in der Düsseldorfer Gemeinde Sankt Margareta 17 Jugendliche gefirmt.

Wegen der Corona-Auflagen durften nur die Firmbewerberinnen und -bewerber selbst und jeweils fünf Angehörige teilnehmen. Vertreter der Medien waren in der Kirche nicht zugelassen. Das Kirchenportal wurde schon vor Beginn des Gottesdienstes um 18 Uhr geschlossen.

Kurz vorher fuhr Woelki mit Chauffeur in einem silbergrauen Audi vor und. Ohne ein Wort zu sagen, wurde er über eine Seiteneinfahrt in die Kirche geführt. Ein sonst üblicher feierlicher Einzug des Bischofs fiel aus, um eine „falsche Politisierung“ zu vermeiden, wie Bistumssprecher Oliver Schillings sagte. Es handele sich um eine „ganz normale Firmfeier“, in deren Mittelpunkt die Firmlinge und der Gottesdienst stünden, nicht aber „kirchenpolitische Diskussionen“.

Um die Firmung hatte es im Vorfeld ein heftiges Ringen gegeben. In einem offenen Brief forderten 140 Gemeindemitglieder, der Kardinal solle die Firmung nicht selbst vornehmen, sondern einen Vertreter schicken. Wegen seines Umgangs mit den Missbrauchsfällen im Erzbistum sei er als Firmspender nicht mehr glaubwürdig.

Krisengespräch ohne Ergebnis

Zuvor hatte sich bereits der Pfarrer von Sankt Margareta, Monsignore Oliver Boss, vergeblich darum bemüht, Woelki von einem Verzicht auf die Feier der Firmung zu überzeugen. Ein Krisengespräch, zu dem Woelki Ende Mai nach Düsseldorf fuhr, konnte den Konflikt nicht beilegen. Beim Eintreffen Woelkis zu der Begegnung mit Vertretern der Gemeinde musste der Kardinal durch ein Spalier von Aktiven gehen, die ihm symbolisch die Rote Karte zeigten. Peter Barzel, einer der Initiatoren des Protestbriefs, räumte ein, dass dies von Teilen der Gemeinde kritisch gesehen wurde: „Natürlich gibt es auch Andersdenkende, die sagen: »Man kann dem Kardinal nicht die Rote Karte zeigen.«“

Letztendlich hielten die Firmbewerber und ihre Familien an der Firmung durch Woelki fest. Die Entscheidung sei einhellig und nach sehr kurzer Diskussion gefallen, so Schillings. In einer Erklärung im aktuellen Gemeindebrief bezeichnete Pfarrer Boss es als sein Herzensanliegen, „dass wir als Gemeinde zusammenbleiben“. Er warnte im Streit über die Firmfeier vor der Gefahr, die Firmlinge aus dem Blick zu verlieren. „Für sie soll es eine intensive Feier werden, die nicht durch kircheninternen Streit beeinträchtigt ist.“

Dem wollten auch Woelkis Kritiker aus Sankt Margareta Rechnung tragen. Am Tag der Firmung verzichteten sie, wie vorher versprochen, auf jegliche Aktion. „Wir kommen aus der Mitte der Gemeinde“, unterstrich Barzel im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Wir wollen auf keinen Fall den Gottesdienst stören oder den Firmlingen und ihren Familien das Fest verderben.“ Ihre Kritik an Woelkis Auftritt erhielten die Briefschreiber aber aufrecht. „Damit sind wir nach wie vor nicht einverstanden. Wir hatten auf ein Zeichen des Verständnisses und der Übernahme von Verantwortung gehofft – vergeblich“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Das Vertrauen in den Kardinal sei „leider nicht gewachsen, sondern noch mehr verloren“ gegangen.

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Einen früheren Kaplan der Gemeinde machte der Kardinal 2017 zum stellvertretenden Stadtdechanten von Düsseldorf. Ihm werden verschiedene sexuelle Übergriffe zur Last gelegt, die das Erzbistum für nicht bewiesen hält. Der Pfarrer bestreitet die Vorwürfe. Einschlägig und polizeilich bekannt ist der sexuelle Kontakt zu einem 16 Jahre alten Stricher am Kölner Hauptbahnhof im Jahr 2001. Woelkis Generalvikar Hofmann rechtfertigte die spätere Beförderung des Geistlichen als „zweite Chance“ und argumentiert, sein Vergehen sei weder nach staatlichem Recht noch nach Kirchenrecht strafbar gewesen. Dies stieß auf breite Empörung. Woelkis Kritiker aus Sankt Margareta kreiden dem Erzbischof zudem an, dass er die Gemeinde in den Turbulenzen des Falls O. allein gelassen und sich einem Besuch mit klärendem Gespräch über Monate verweigert habe.

Die Firmung ist in der katholischen Kirche eines der sieben Sakramente. Mit ihr sollen die – meist jugendlichen – Bewerber mit dem Heiligen Geist gestärkt werden. Die Firmung wird in der Regel vom Bischof vorgenommen und ist eines der bedeutendsten Ereignisse im Leben katholischer Christen.