Vor 65 Jahren kamen die ersten Arbeiter aus der Türkei nach Deutschland. Ihnen zu Ehren fand am Düsseldorfer Flughafen, wo sie ankamen, ein Festakt statt.
65 Jahre AnwerbeabkommenWüst: „Die sogenannten Gastarbeiter haben unseren Wohlstand wesentlich mitgeschaffen“

Sabri Aydin kam als einer der ersten Arbeiter aus der Türkei nach Deutschland. 65 Jahre später blickt er auf das Rollfeld, auf dem er einst ankam.
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65 Jahre nach seiner Ankunft hält sich Sabri Aydin am Geländer des Flughafens Düsseldorf fest und blickt auf das Rollfeld, auf dem er im Juni 1961 gelandet ist. „Es ist schön, hier zu sein“, sagt der 91‑Jährige. „Viele Erinnerungen.“ Mit rund zwei Dutzend weiteren Bergleuten kam er damals aus der Türkei nach Deutschland, bereits wenige Monate, bevor das Anwerbeabkommen unterzeichnet wurde. Eine Kapelle habe die Arbeiter am Flughafen mit Musik begrüßt, sagt Aydin, auch der Bürgermeister sei gekommen. Es war ein Freitag. Am Montag begann seine erste Schicht in der Zeche Westende.
Ein Foto von dem Moment der Ankunft hängt am Freitagnachmittag an der Wand des Flughafengebäudes. Es zeigt eine Gruppe Männer, die den Flugplatz verlassen, in Anzug und Krawatte, mit neugierigem Blick. Der junge Sabri Aydin, 26 Jahre alt, läuft vorn, eine Reisetasche in der Hand. Ursprünglich wollte er nur kurz bleiben. Ein paar Monate vielleicht. Dann verlängerte er auf ein Jahr, um sich ein Auto kaufen und damit zurück in die Türkei fahren zu können. 65 Jahre später lebt er immer noch in Duisburg, genau wie drei seiner vier Kinder, seine zehn Enkelkinder und 16 Urenkel.

Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, spricht bei einer Festveranstaltung zum 65. Jubiläum des Anwerbeabkommens mit der Türkei am Düsseldorfer Flughafen mit Sabri Aydin (l) der vor 65 Jahren hier aus der Türkei angekommen ist.
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Sabri Aydin war einer der Gäste des Festaktes, den die Landesregierung anlässlich des 65-jährigen Jubiläums des Anwerbeabkommens am Freitag am Düsseldorfer Flughafen ausrichtete. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hob in seiner Rede die Lebensleistung der damaligen Gastarbeiter und ihrer Familien hervor. „Der Erfolg unseres Landes beruht auch auf dem Arbeitseifer und dem Mut der Menschen, die damals ihre Heimat verlassen haben, um nach Deutschland zu kommen. Sie haben aus den wenigen Chancen, die es damals gab, viel gemacht“, sagte Wüst. „Sie haben die Grundlagen für unseren Wohlstand wesentlich mitgeschaffen und unser Land vielfältiger, offener und stärker gemacht.“
Auch 65 Jahre nach der Unterzeichnung des Anwerbeabkommens bleibe jedoch viel zu tun. „Eine Zeynep oder ein Yusuf haben es weiter schwerer als eine Emelie oder ein Lukas bei der Suche nach einer Wohnung, einer Ausbildungsstelle oder einem Job – wegen ihres Namens, nicht ihrer Qualifikation“, so Wüst. „Erst wenn der Name, die Hautfarbe und die Religion keine Rolle spielen, sind wir am Ziel.“ Angesichts der jüngsten Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt rief der Ministerpräsident zu Zusammenhalt auf: „Wir müssen den Kräften, die auf Spaltung setzen, Zusammenhalt entgegenstellen.“
Das Anwerbeabkommen zwischen der Türkei und Deutschland wurde am 30. Oktober 1961 in Bad Godesberg unterzeichnet. In den folgenden zwölf Jahren reisten rund 867.000 sogenannte Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter aus der Türkei nach Westdeutschland ein. Auf Bitten der Unternehmen wurde die ursprünglich vorgesehene Befristung von zwei Jahren aufgegeben und ermöglichte es einigen Arbeiterinnen und Arbeitern, dauerhaft in Deutschland zu bleiben. Heute haben rund eine Million Einwohner von Nordrhein-Westfalen türkische Wurzeln. Zum Festakt am Freitag waren 250 türkeistämmige Menschen eingeladen, darunter frühere Gastarbeiter.