Der NRW-Ministerpräsident findet im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz klare Worte, bekommt jedoch auch Gegenwind.
„Ich frage mich, mal wieder, warum“Hendrik Wüst setzt Zeichen in Auschwitz – und erntet Kritik für Foto

Hendrik Wüst (r., CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, geht bei seinem Besuch durch das ehemalige Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz I (Stammlager).
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Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat bei seinem erstmaligen Besuch des ehemaligen deutschen Vernichtungslagers Auschwitz zu mehr Anstrengungen im Kampf gegen Antisemitismus aufgerufen. „Auschwitz ist nicht nur ein Ort, sondern ein Abgrund deutscher Geschichte“, sagte Wüst. Die Erinnerung an die Shoah wachzuhalten und Antisemitismus entschieden entgegenzutreten bleibe eine dauerhafte Verantwortung.
„Die Verantwortung aus Auschwitz endet nicht mit dem Erinnern, sie beginnt mit dem Erinnern“, so Wüst. Das gelte besonders in Zeiten, in denen antisemitische Straftaten wieder zunähmen und Jüdinnen und Juden erneut Angst haben müssten. „Die Würde des Menschen verteidigt sich nicht von selbst – Auschwitz hat uns das auf grausamste Weise gelehrt“, so der CDU-Politiker.
Hendrik Wüst will NRW-Schülern Besuch in Auschwitz ermöglichen
Im ehemaligen nationalsozialistischen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im von Deutschland besetzten Polen wurden mindestens 1,1 Millionen meist jüdische Häftlinge ermordet oder starben an Hunger, Krankheiten und Misshandlungen.

Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, betritt durch das Tor das ehemalige Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau (Auschwitz II).
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Auschwitz stehe wie „kein anderer Ort für das unfassbare Menschheitsverbrechen der Shoah, für millionenfaches Leid, Entmenschlichung und Mord“, so Wüst. Deshalb sei es das Ziel der NRW-Landesregierung, allen Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen, während ihrer Schulzeit ein ehemaliges Konzentrationslager, eine NS-Gedenkstätte oder einen Erinnerungsort zu besuchen, erklärte der CDU-Politiker.
Hendrik Wüst in Auschwitz: Kritik an Foto wird laut
Wüst veröffentlichte auf der Plattform X zudem Fotos, die ihn auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers zeigen – und an denen nun Kritik laut wird. So fand etwa der Generalsekretär der FDP in Nordrhein-Westfalen, Moritz Körner, deutliche Worte für die Aufnahmen des Ministerpräsidenten.
„Auschwitz ist einfach kein Ort für Selbstdarstellung!“, kommentierte der Europapolitiker Wüsts Beitrag bei X. Auch der nordrhein-westfälische AfD-Politiker Christian Wirth äußerte sich zu den Fotos. „Werbefotos mit Auschwitz-Motiven. Geht es noch respektloser und unwürdiger?“, schrieb Wirth bei X.
Kritik an Foto von Hendrik Wüst: „Und ich frage mich, mal wieder, warum“
Der jüdische Pianist Igor Levit fand ebenfalls kritische Worte. „Das sollte der letzte Ort sein, der Photo-Ops dieser Art verdient“, schrieb der Musiker, der sich gegen Antisemitismus engagiert, bei X und präzisierte seine Kritik, insbesondere an einem der Fotos von Wüst. „Der Ort rückt buchstäblich in den unscharfen Hintergrund, der Besucher wird zum eigentlichen Protagonisten“, schrieb Levit und fügte hinzu: „Und ich frage mich, mal wieder, warum.“
Damit dürfte der Pianist auf frühere Fälle ähnlicher Art anspielen. So war etwa dem damaligen Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) nach einem Besuch in Auschwitz im Januar 2025 von Kritikern ebenfalls Selbstdarstellerei vorgeworfen worden.
Israelischer Botschafter lobt Hendrik Wüst
Zuspruch bekam Wüst unterdessen vom israelischen Botschafter in Deutschland, Ron Prosor. „Der Besuch von Hendrik Wüst in Auschwitz ist ein wichtiges Zeichen“, schrieb Prosor auf der Plattform X.
„Er setzt ein sichtbares Signal für eine Erinnerungskultur, die sich klar gegen Antisemitismus und gegen die Verharmlosung der Geschichte ausspricht“, fügte Prosor hinzu und dankte Wüst dafür, dass er zum jüdischen Volk stehe, „auch wenn es manchmal unbequem ist“. (mit dpa)
Der Artikel wurde mit der Wortmeldung von Ron Prosor überarbeitet.
