„Abnehmender Respekt“In den Freibädern der Region geht es meist friedlich zu – mit Ausnahmen

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Ein Rettungsring hängt in einem Freibad am Rand des Beckens.

No-Go-Area Freibad? Schaut man auf die Zahlen, ist das in der Region nicht der Fall.

Auch in Köln und der Region nehmen Freibadbetriebe einen zunehmend raueren Ton wahr. Zu Gewalt kommt es allerdings selten.

Die Gewalt in einigen Berliner Freibädern ist längst zu einem bundesweiten Politikum geworden. Vor allem das Columbiabad in Berlin-Neukölln steht im Mittelpunkt einer immer hitzigeren Diskussion. Wegen wiederholter Gewaltausbrüche musste das Freibad zwischenzeitlich schließen, ein Beschwerdebrief der dortigen Mitarbeiter befeuerte die Debatte zusätzlich.

In dem Brief beklagt das Columbia-Team das „untragbare Ausmaß der Umstände“ im Freibad. Mitarbeiter, Frauen und Minderheiten, vor allem queere und trans Menschen, würde immer häufiger Gewalt angedroht, bespuckt und angepöbelt. Vor allem arabischstämmige Gäste seien dafür verantwortlich, so die Verfasser. Am Berliner Beckenrand wird seitdem nicht nur der Verfall der Sitten, sondern auch der aktuelle Stand der Migrationsdebatte vermessen.

Freibäder in NRW: „Klima und Umgang haben sich geändert“

Doch wie verbreitet ist das Problem? Wir haben in der Region nachgefragt. Badbetreiber von insgesamt 19 Freibädern zwischen Köln und Oberberg, Rhein-Erft-Kreis und Leverkusen haben uns geantwortet. Das Ergebnis: Von Berliner Ausmaßen ist man dort weit entfernt, Probleme gibt es stellenweise aber trotzdem.

So etwa im Freibad Bedburg. „Das Klima und der Umgang miteinander haben sich geändert“, antwortet das Freibad Bedburg auf unsere Anfrage. Die Probleme dort wären noch nicht so groß wie in Berlin, doch „fehlender Respekt und niedrige Konflikttoleranzgrenze bei jüngeren Besuchern“ und „maximales Anspruchsdenken bei den sonstigen Besuchern“ nehmen die Mitarbeiter durchaus wahr. Auch zu sexistischen Übergriffen, „insbesondere von Personen mit arabischem Migrationshintergrund“ sei es in Bedburg gekommen.

Zahlen aus Köln und dem Rheinisch-Bergischen-Kreis können Anstieg der Gewalt nicht bestätigen

Auch Stephan Büser, Vorsitzender des Sport- und Fördervereins Freibad Bergneustadt, sagt: „Es gab vereinzelt kleine Gruppen heranwachsender Jugendlicher, meist mit Migrationshintergrund, die gezielt provozierten und sich nicht an Regeln halten wollen.“ Dagegen sei man allerdings „sehr rigoros“ vorgegangen. In diesem Jahr habe es deswegen keine Zwischenfälle mehr gegeben.

Die Bäder in Bedburg und Bergneustadt stellen damit allerdings eher die Ausnahme als die Regel dar. Von Gewalteskalationen, wie sie in den letzten Wochen in Berlin zu sehen waren, sei man weit entfernt, sagt etwa Marc Riemann, Leiter des Badebetriebs der Kölnbäder: „Dass die Polizei hin wieder vorbeikommen muss, etwa wegen Diebstahl, ist klar. Aber größere Schlägereien, die zu Schließungen führen, haben wir seit mehr als zehn Jahren nicht erlebt.“ Ähnlich äußern sich Badbetreiber aus dem Kreis Euskirchen, Leverkusen, dem Rheinisch-Bergischen-Kreis und Oberberg.

Auch ein Blick in die Polizeistatistik, etwa in Köln und im Rheinisch-Bergischen-Kreis, kann den Verdacht nicht erhärten, dass sich die Sicherheit in den Freibädern verschlechtert hätte: Laut Kölner Polizei kam es im Jahr 2023 zu einer niedrigen zweistelligen Zahl an Polizeieinsätzen wegen Bedrohungen oder Körperverletzungen. Das seien ähnlich viele wie im vergangenen Jahr. „Es gibt aus polizeilicher Sicht keine Besonderheiten oder Auffälligkeiten im Zusammenhang mit Kölner Freibädern“ resümiert ein Sprecher der Kölner Polizei.

Deeskalationstraining in Köln

Ähnlich sieht das im Rheinisch-Bergischen Kreis aus. Aus einer händisch erfolgten Auswertung geht laut Kreispolizeibehörde hervor, dass die Zahlen im Rheinisch-Bergischen Kreis sehr gering sind und sich bisher „keine herausragenden Ereignisse“ haben.

Obwohl die Zahlen eine Gewaltzunahme also nicht belegen können, ist die Wahrnehmung, dass der Umgang in Freibad rauer und gereizter werden, weitverbreitet. Auch in den Freibädern in Bergisch Gladbach und Köln. „Grundsätzlich geht es in unseren beiden Bädern friedlich zu. Aber auch wir nehmen über die Jahre den abnehmenden Respekt gegenüber unserem Personal, aber auch zwischen den Badegästen wahr“ sagt etwa ein Sprecher der Bädergesellschaft Bergisch Gladbach.

Ähnliches gilt für die Kölnbäder: „Deeskalationstrainings sind für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Standard“, sagt Marc Riemann. Auch zusätzliches Sicherheitspersonal kommt in vielen der angefragten Freibäder zum Einsatz.  Auch, um das Schwimmbadpersonal zu entlasten, das aufgrund des Fachkräftemangels überall in der Region schwer zu finden ist.

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