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Nach Gipfel mit ErdoganWüst trifft weitere hochrangige Politiker in der Türkei

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29.09.2026, Türkei, Ankara: Hendrik Wüst (r, CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, und Mehmet Fatih Kacir, Minister für Industrie und Technologie der Türkei, nehmen an einem Empfang zum Tag der Deutschen Einheit in der Deutschen Botschaft teil. Wüst hält sich im Rahmen des 65. Jubiläums des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens zu einer dreitägigen Reise in der Türkei auf. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Hendrik Wüst und Mehmet Fatih Kacir, Minister für Industrie und Technologie der Türkei, nehmen an einem Empfang zum Tag der Deutschen Einheit in der Deutschen Botschaft teil.

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst trifft drei Minister und Oppositionspolitiker. Bringt er sich in Stellung für eine Kanzlerkandidatur?

Auf Präsident Erdogan folgen drei Minister: Hendrik Wüst (CDU) hat am Dienstag seine diplomatische Mission in Ankara mit Gesprächen mit weiteren hochrangigen türkischen Regierungsmitgliedern fortgesetzt. Der NRW-Ministerpräsident traf Finanzminister Mehmet Simsek, Außenminister Hakan Fidan und Industrie- und Technologieminister Mehmet Fatih Kacir. Serap Güler (ebenfalls CDU), Kölner Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin im Außenministerium, begleitete Wüst.

Dass ein regionaler Ministerpräsident von drei türkischen Ministern und dazu dem türkischen Staatspräsidenten empfangen wird, ist außergewöhnlich. Ziel des Austausches ist eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit, woran auch die türkische Seite großes Interesse hat. Zumal rund ein Drittel der türkischstämmigen Menschen in Deutschland in NRW lebt. Das jahrelang frostige Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei soll wieder auftauen.

Ein simpleres Motiv für das Treffen: Erdogan interessiert sich für die deutsche Innenpolitik. Das sagte Wüst selbst am Montagnachmittag, als er von seinem Besuch im Präsidentenpalast erzählte. Erdogan verfolge die deutsche Innenpolitik „sehr genau“ und sei „sehr gut informiert, was in Deutschland die Menschen bewegt“, sagte der Ministerpräsident. Er habe Wüst sogar zu einer Einschätzung der jüngsten Wahlergebnisse in Ostdeutschland gefragt. Damit dürfte es auch die „Kanzler-Tausch“-Debatte bis nach Ankara geschafft haben. Wenn ein Ministerpräsident auf Reise als möglicher Nachfolger des unter Druck geratenen Bundeskanzlers gilt, schafft das Zugänge – sogar zum Präsidentenpalast.

„Kanzler-Tausch“-Debatte nimmt neue Fahrt auf

Mit dem Treffen nimmt die Debatte um einen Wechsel von Wüst nach Berlin wieder Fahrt auf. Der Ministerpräsident und sein Umfeld betonten zwar mehrmals, dass die Reise und die Programmpunkte mit dem Kanzler abgesprochen seien, dass man sich hinter den Kanzler stelle und Personaldebatten zurzeit fehl am Platz seien. „Ich möchte Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen bleiben“, sagte Wüst noch am Vorabend vor seiner Abreise im ZDF. Als solcher soll er für die CDU im Frühjahr endlich wieder eine Landtagswahl gewinnen. Und trotzdem könnte Wüst langfristig profitieren: „Ein Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen ist immer ein möglicher Kanzlerkandidat.“ Das hatte Wüst selbst gesagt, als er 2024 auf eine Kandidatur zugunsten von Friedrich Merz verzichtete.

Kritik an Wüsts Auftritt in Ankara kam aus der SPD. Die Reise werfe Fragen auf, ob es ihm dabei tatsächlich um die Interessen Nordrhein-Westfalens gehe „oder nicht vielmehr um seine bundespolitischen Ambitionen“, sagte Frederick Cordes, Generalsekretär der NRW-SPD, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Wüst stelle die Autorität des Kanzlers „auf dem internationalen Parkett infrage“.

Ehrung für Ilkay Gündogan

Wüst traf nach Angaben aus Delegationskreisen auch Vertreterinnen und Vertreter türkischer Oppositionsparteien – darunter Vertreter der Yeni Parti von Özgür Özel. Wüst hatte auf Nachfrage von Journalisten, wie er die Menschenrechtssituation in der Türkei bewerte, am Montag nur ausweichend geantwortet. Das sei in „vertrauensvollen Gesprächen miteinander besprochen“ worden, sagte er nach seinem Treffen mit Erdogan. „Öffentlich engt man sich im Zweifelsfall nur ein. Deshalb habe ich es da angesprochen, wo es hingehört.“

Am Mittag rückte der Fokus vorerst weg von hochrangigen Treffen und hin zum eigentlichen Anlass der Reise: dem 65. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens. Bei einem Empfang zum Tag der Deutschen Einheit in der Botschaft in Ankara erinnerte Wüst an den Mauerfall in Berlin und hob den Zusammenhalt hervor. Die türkischstämmigen Menschen in Berlin-Wedding hätten ebenso emotional mitgefeiert, so Wüst. Sie hätten ihre Türen für Ostberliner geöffnet und eine „überwältigende Gastfreundschaft“ gezeigt.

Am Nachmittag flog Wüst weiter nach Istanbul. Dort verlieh er am Abend die Mevlüde-Genc-Medaille des Landes NRW an Ilkay Gündogan, den ehemaligen Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft.