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Boris Becker erzählt Anekdote
Olympia-Entscheidung fällt – Köln-Rhein-Ruhr oder München?

5 min
Baden-Baden. Hier findet am Samstag der Entscheid um die Kandidatur zu den Olympischen Spielen statt.

Baden-Baden. Hier findet am Samstag der Entscheid um die Kandidatur zu den Olympischen Spielen statt.

In Baden-Baden fällt die Entscheidung. 42 Fachverbände, zehn DOSB-Präsidiumsmitglieder und fünf anwesende persönliche Mitglieder sind stimmberechtigt.  

Mit einem „Moin“ hat Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) an diesem Samstagmorgen, 26. September, um kurz nach 9 Uhr die außerordentliche Mitgliederversammlung des Verbands eröffnet. Im gut gefüllten Kurhaus in Baden-Baden dabei: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Kölns OB Torsten Burmester mit der Köln-Rhein-Ruhr-Delegation sowie die Konkurrenz aus Bayern mit Ministerpräsident Markus Söder mit Münchens OB Dominik Krause. Auch Vertreter der beiden bereits ausgeschiedenen Bewerber Hamburg und Berlin sind anwesend. 

Die achte deutsche Olympiabewerbung nach sieben Niederlagen sei bislang „ein langer, sicher nicht immer einfacher Weg“ gewesen, sagte Weikert. Ziel des DOSB sei gewesen, „die Bewerbungswunden der Vergangenheit“ zu schließen und einen international konkurrenzfähigen Kandidaten zu küren.  

Boris Becker erzählt Olympia-Anekdote von 1992

Vor der Abstimmung kam auch Boris Becker zu Wort und unterhielt mit einer Geschichte von seinem Olympiasieg 1992 im Tennis-Doppel zusammen mit seinem damaligen Erz-Rivalen Michael Stich: „Wir haben bis zum Halbfinale nicht miteinander geredet.“ Danach wurde gesprochen und zusammen gewonnen – aber nicht gemeinsam gefeiert. Vor dem von ihm organisierten Abendessen sei Stich bereits abgereist, sagte Becker. In diesem Jahr, fast 35 Jahre später, hätten sie das gemeinsame Essen aber nachgeholt. Über den Sieg von damals sagte Becker: „Im Alter bedeutet die olympische Goldmedaille mehr als die Wimbledonsiege.“ Das deutsche Vorhaben, Ausrichter Olympischer und Paralympischer Spiele zu werden, unterstütze er, sagte Becker: „Sport ist grenzenlos, Sport hat keine Religion, Sportbringt Menschen zusammen.“ Und das könne das Land aktuell gut gebrauchen.  

Drei Menschen werden ohne Handy eingeschlossen

Im Laufe der Sitzung werden die  stimmberechtigten DOSB-Mitglieder digital ihre Stimme für den deutschen Olympiabewerber abgeben, Köln-Rhein-Ruhr und München stehen zur Wahl. Bis zur Verkündung des Ergebnisses am frühen Nachmittag werden es nur drei Menschen kennen: ein Techniker, eine Notarin und eine Person aus der Wahlkommission. Damit keine Informationen vorzeitig nach außen dringen, werden sie ohne Handy in einem abgeschirmten Raum eingeschlossen.

Am Vorabend standen die beiden dunklen Dienstwagen der Ministerpräsidenten aus NRW und Bayern einträchtig nebeneinander vor der Kongresshalle in Baden-Baden. Drinnen gingen NRW-Landeschef Hendrik Wüst (CDU) und sein bayrischer Amtskollege Markus Söder (CSU) ihrer Mission nach, dem jeweils anderen kurz vor der Olympiaentscheidung noch ein paar Stimmen abzujagen.   

Einträchtig nebeneinander: Die beiden dunklen Dienstwagen der Ministerpräsidenten aus NRW und Bayern vor der Kongresshalle in Baden-Baden.

Einträchtig nebeneinander: Die beiden dunklen Dienstwagen der Ministerpräsidenten aus NRW und Bayern vor der Kongresshalle in Baden-Baden.

Köln-Rhein-Ruhr oder München? Wen schickt der DOSB ins internationale Rennen um die Austragung Olympischer und Paralympischer Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044? Die Entscheidung fällt an diesem Samstag, den 26. September, bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Kurhaus in Baden-Baden. Gegen 14.30 Uhr wollen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und DOSB‑Präsident Thomas Weikert das Ergebnis verkünden (ab 13.45 Uhr/ARD).

Erwartet wird eine sehr enge Entscheidung. Deshalb dürfte auch am Freitagabend beim nicht öffentlichen Empfang in der Kongresshalle in Baden-Baden noch so manches dringliche Gespräch geführt worden sein. Immerhin sind jene Stimmen frei geworden, die Berlin versprochen waren.

Hauptstadt hatte ihre Kandidatur offiziell zurückgezogen

Die Hauptstadt hatte ihre Kandidatur erst am Donnerstag offiziell zurückgezogen, weil es nach einer Mehrheit für die Linke bei den jüngsten Abgeordnetenhauswahlen an politischer Unterstützung für die Bewerbung mangelt. Ursprünglich hatte sich auch Hamburg für die Ausrichtung der Sommerspiele interessiert – die Bewerbung scheiterte jedoch an einem negativen Votum der Bevölkerung.

Stimmberechtigt sind in Baden-Baden die 42 olympischen Fachverbände, die ihre jeweils drei Stimmen im Block abgeben müssen. Dazu kommen die zehn Mitglieder des DOSB-Präsidiums und acht der persönlichen Mitglieder.

Der derzeit verletzten Fußballstar Leon Goretzka, die frühere Monski-Fahrerin Anna Schaffelhuber und die Kanupolo-Spielerin Elena Gilles werden bei der geheimen Abstimmung wohl nicht anwesend sein. Damit geht es noch um insgesamt 141 Stimmen. Die Landessportbünde, die nichtolympischen Spitzenverbände und die Verbände mit besonderen Aufgaben haben kein Stimmrecht.

Der DOSB bewertete die Konzepte aus Köln und München in einer internen Evaluierung beide als „sehr gut“. Köln-Rhein Ruhr bekam 85 Punkte, München 87. Die bayrische Metropole punktete vor allem mit kurzen Wegen und internationaler Strahlkraft. Der Olympia-Ausrichter von 1972 würde auf sein Olympiastadion mit Olympiapark von damals zurückgreifen. Köln hatte in der Evaluierung die Nase vorn bei möglichen Ticketzahlen und Tageszuschauern. Außerdem bewertete der DOSB die vielen in den letzten 20 Jahren in der Region ausgetragenen Sport-Großereignisse sehr positiv.  

In Baden-Baden werden nicht zum ersten Mal olympische Weichen gestellt. Hier fand vom 23. bis 28. September 1981 der 11. Olympische Kongress statt, bei dem unter dem damaligen IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch unter anderem die Voraussetzungen für eine zunehmende Kommerzialisierung der Spiele und die Teilnahme von Profisportlern geschaffen wurden. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat über jenen Kongress festgehalten, dass Athleten zum ersten Mal eine führende Rolle gespielt hätten.

„Köln-Rhein-Ruhr hat einfach das spannendere Konzept“

Kip Keino, kenianischer Langstreckenläufer und zweimaliger Olympiasieger, Sebastian Coe, britischer Mittelstreckenläufer und zum damaligen Zeitpunkt noch einfacher Olympiasieger (sein zweites Gold gewann er 1984 bei den Spielen in Los Angeles) und der sowjetische Eishockey-Torhüter Vladislav Tretyak sprachen auf dem Kongress, der den Weg geebnet habe für die Athletenkommission des IOC.

Auch eine Kölnerin hat sehr gute Erinnerungen an Baden-Baden: Hockeyolympiasiegerin Marion Rodewald wurde hier mit den deutschen Hockey-Frauen 2004 zur Mannschaft des Jahres gekürt. Die langjährige Kapitänin der Hockey-Nationalmannschaft ist heute Vizepräsidentin Leistungssport im Landessportbund NRW und in dieser Funktion bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des DOSB in Baden-Baden dabei. Abstimmen darf sie nicht, aber Daumendrücken für NRW schon. Sie sagt: „Köln-Rhein-Ruhr hat einfach das spannendere Konzept.“