Die elektronische Patientenakte gilt als Schlüsselprojekt der deutschen Gesundheitspolitik. An der aktiven Nutzung scheitern aber noch viele.
Elektronische PatientenakteDie wichtigsten Tipps für eine sichere Nutzung

Die allermeisten Versicherten haben eine digitale Patientenakte, die Allerwenigsten nutzen sie.
Copyright: IMAGO/Christian Ohde
Sie soll Behandlungen vereinfachen, Diagnosen verbessern – und endlich Ordnung in ein System bringen, das jahrzehntelang von Papier und Fax dominiert wurde. Doch kaum ein digitales Instrument wird so kontrovers diskutiert wie die elektronische Patientenakte (ePa). Ein Überblick über den Stand der Dinge, die größten Stolpersteine und die Erfahrungen anderer Länder.
Wie gelingt der Einstieg?
Der Zugang führt über die App der eigenen Krankenkasse. Wer sich erstmals anmeldet, muss sich eindeutig identifizieren: entweder mit der elektronischen Gesundheitskarte samt PIN oder über ein Online‑Ident-Verfahren. Dafür braucht man dann einen Personalausweis mit digitaler Funktion. Wer beides nicht hat, muss sich tatsächlich in der Geschäftsstelle seiner Krankenkasse persönlich identifizieren. Daran scheitern viele.
Alles zum Thema Deutscher Bundestag
- Ex-Finanzminister Lindner „Der Autohandel ist kein Streichelzoo“
- Ein Jahr nach Wahl Merz gibt Regierung Note „befriedigend“
- Elektronische Patientenakte Die wichtigsten Tipps für eine sichere Nutzung
- Wahlen Merz: Wollen Zusammenarbeit weder mit AfD noch mit Linken
- Kinderschutz Grüne stützen CDU bei für Social-Media-Verbot für Kinder
- Das wussten Sie nicht über die „Die Höhle der Löwen“-Investoren
- Olympia Er wäre bereit: Klopp bietet sich als Olympia-Botschafter an
Wo hakt es in der Praxis?
Der größte Hemmschuh bleibt der Registrierungsprozess. Vielen Menschen fehlt die PIN zu ihrer Gesundheitskarte; andere verzweifeln an der Ident-App der eigenen Krankenkasse. Manche Anwendungen verlangen mehrere Prüfungen hintereinander, bevor die Akte überhaupt geöffnet werden kann.
Hinzu kommt: Jede Krankenkasse bietet eine eigene App an. Für Nutzerinnen und Nutzer bedeutet das, dass sich Bedienung, Layout und Funktionsumfang von Kasse zu Kasse unterscheiden.
Welche Vorteile bietet die Akte – ganz konkret?
Wer schon einmal im Notdienst stand und nicht wusste, welche Medikamente er genau einnimmt, kann ermessen, wie wertvoll eine gut gepflegte Gesundheitsakte sein kann. Befunde, Diagnosen, Medikationspläne, Arztbriefe – alles an einem Ort, jederzeit abrufbar. Da muss niemand einen Ordner mit der gesamten Krankenakte mitführen. Die Bundesregierung beschreibt die ePA als Ende der „Zettelwirtschaft“ für 73 Millionen gesetzlich Versicherte.
Für Ärztinnen und Ärzte bedeutet die ePA weniger Doppeluntersuchungen, weniger Rückfragen und ein klareres Bild vom Krankheitsverlauf. Forschende wiederum profitieren von pseudonymisierten Datensätzen, die Trends sichtbar machen, Versorgungslücken aufdecken oder helfen können Therapien zu verbessern.
Was muss besser werden?
Vieles. Eine Standard-App für alle Kassen würde Millionen Menschen Orientierung geben. Auch der Identitätsnachweis könnte nutzerfreundlicher werden – etwa durch vereinfachte digitale Verfahren, die trotzdem sicher bleiben. Ärztliche Praxen benötigen zudem Software, die weniger hakt und schneller lädt.
Wie weit sind andere Länder?
Estland, Dänemark und Finnland gelten als digitale Vorreiter: Dort ist die elektronische Akte seit Jahren Alltag. Termine, Rezepte, Laborwerte – alles fließt zentral zusammen. Deutschland liegt mit seinen wenigen Prozent aktiver Nutzer deutlich zurück.
Gab es bereits kriminellen Missbrauch?
Im Ausland, ja: Digitale Gesundheitssysteme gehören zu den am häufigsten angegriffenen digitalen Infrastrukturen überhaupt. Der hohe Anteil von Datenpannen spricht für sich. Deutschland allerdings blieb bislang von systemischen ePA-Hacks verschont – auch, weil das zentrale System erst seit 2025 breit genutzt wird und technisch stärker abgeschottet ist. Einzelne Klinik- oder Praxisangriffe gab es aber durchaus, nur nicht direkt auf die ePA.
Wer nutzt die ePA?
Erstmal: Über eine digitale Patientenakte verfügen rund 70 Millionen Versicherte in Deutschland. Das sind weit mehr als 90 Prozent, wer sie nicht haben wollte, musste aktiv widersprechen. Die Zahl der tatsächlich registrierten Nutzer liegt dann aber im niedrigen einstelligen Bereich. Umfragen deuten darauf hin, dass die Akte vor allem von Menschen genutzt wird, die sich im digitalen Alltag ohnehin sicher bewegen: eher jünger, eher städtisch, eher technikaffin.

