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Hospiz – die letzte StationWas Bettina Hüttig-Reusch im Hospiz über das Aufschieben gelernt hat

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Ein Mann und eine Frau lehnen auf einer roten Couch und schauen in die Kamera.

Bettina Hüttig-Reusch arbeitet eng mit dem stellvertretenden Pflegedienstleiter Marc Fricke-Wendeler zusammen.

Bettina Hüttig-Reusch arbeitet seit vielen Jahren im Johannes Hospiz Oberberg. Dort erlebt sie oft, wie sehr Menschen unerfüllten Plänen nachtrauern, und hat für sich daraus den Schluss gezogen, schöne Dinge nicht zu vertagen.

Bettina Hüttig-Reusch: „‚Blöd, dass ich das nicht früher gemacht habe.‘ Kaum einen Satz hören wir öfter am Bett unserer Gäste. Viele sagten früher: ‚Das machen wir in der Rente‘. Dann gingen sie in den Ruhestand und kamen direkt zu uns ins Hospiz. Deshalb habe ich beschlossen, nichts aufzuschieben. Nichts Großes, nichts Kleines. Das bedeutet: Meine Familie grillt zum Sommeranfang nie an, denn wir grillen, wenn wir Lust drauf haben. Wer sagt, dass man im Winter nicht grillen kann? Wir haben schon Heiligabend gegrillt! Wenn ich Bock auf etwas habe, dann mache ich es. Meine Kinder haben das ebenfalls verinnerlicht.

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Wie oft ich eine Whatsapp-Nachricht von meinen Jungs kriege, dass sie spontan wegfahren! Natürlich können wir uns nicht immer die Nordsee oder das Mittelmeer leisten. Aber diese kleinen Freuden – wieso nicht? Ich muss da oft an die Mutter eines Freundes denken, die immer reisen wollte, wenn sie in Rente geht. Sie schaffte es nicht bis dahin. Also ließ mein Freund sie einäschern und nahm die Urne mit auf eine Abschiedsreise an all die Orte, die sie im Leben sehen wollte. An jedem dieser Orte verstreute er Asche.

Wenn ich Bekannten sage, dass ich im Johannes Hospiz Oberberg arbeite, kommen meist zwei Antworten: ‚Oh, das könnte ich nicht‘ oder ‚Kannst du nicht etwas Schönes machen?‘ Da sage ich immer: Ich kann das, aber das muss nicht jeder können. Ich hätte ja auch keine Lust mehr auf Jugendarbeit. Und außerdem: Ich mache etwas Schönes. Schließlich versuchen wir, unseren Gästen viel Schönes zu ermöglichen.

Nach dem Stress im Krankenhaus wollen viele Gäste Ruhe. Kriegen sie hier. Natur ist ebenfalls sehr wichtig. Kriegen sie ebenfalls, wir schieben auch das Bett in den Garten. Viele wollen letzte Gespräche führen, aber nur mit den allerwichtigsten Menschen. Dafür geben wir ihnen ebenfalls einen Raum. Und steht die blöde Frieda von nebenan vor der Tür, die dem Gast schon immer auf den Keks ging, dann schicken wir sie für ihn weg. Alles kein Problem.“


Zur Person: Bettina Hüttig-Reusch, 62 Jahre alt, ist Krankenpflegerin und arbeitet seit 46 Jahren in der Pflege, davon seit 19 Jahren im Johannes Hospiz Oberberg. Derzeit kümmert sie sich um das Aufnahmemanagement der Gäste. Vorher arbeitete sie in der Onkologie eines Krankenhauses.