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Jürgen Dechamps fragt sich, wem er noch trauen kann

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Der Eigentümer setzt alles daran, dass das Parkhotel geöffnet bleibt.

Bad Münstereifel - Jürgen Dechamps macht auf den ersten Blick einen ausgesprochen gelassenen Eindruck. Was erstaunt. Schließlich teilte ihm in der vergangenen Woche die Polizei mit, dass im Parkhotel in Bad Münstereifel sieben Personen festgenommen worden waren. Und zwar, wie berichtet, mit einem größeren Aufgebot an SEK-Kräften. Dechamps ist seit knapp einem Jahr Eigentümer des 90-Betten-Hauses im Schleidtal.

„Ich bin schon im Vorfeld über den Einsatz informiert worden“, berichtete er jetzt im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Natürlich ist es dem Rechtsanwalt aus Aachen alles andere als angenehm, dass sein Hotel auf diese Weise in die negativen Schlagzeilen geraten ist. Schließlich gehörten die Festgenommenen fast ausnahmslos zur Belegschaft des Parkhotels. Der Gruppe wird vorgeworfen, unter anderem in Schleswig-Holstein und Berlin ähnliche Objekte wie in Bad Münstereifel kurzfristig übernommen und dabei große finanzielle Schäden hinterlassen zu haben

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Auch wenn man auf den ersten Blick vermuten könnte, die Herrschaften hätten zum Beispiel das Mobiliar des Parkhotels unter der Hand verscherbelt, so ist dem gottlob nicht so. Dennoch zählt auch Dechamps, neben Personal und Lieferanten, zu den Geschädigten.

Aber wie konnten solche Leute als Pächter in einem doch bislang seriösen Hotel hinter die Rezeption und an die Kasse gelangen? „Ganz einfach. Ich habe einen neuen Pächter gesucht und bin mit zwei Herren handelseinig geworden. Die übrigen Personen kamen später hinzu“, schilderte Dechamps den Ablauf.

Im Moment ist sich der Jurist aus der Kaiserstadt noch nicht sicher, wem vom verbliebenen Personal - knapp ein Dutzend Leute sind normalerweise im Einsatz - er noch über den Weg trauen kann. Möglicherweise wird es zu diesem Thema neue Erkenntnisse von der Polizei geben. Tatsache ist jedoch, dass sich Dechamps wohl nach einem neuen Partner umschauen muss, nachdem die Stadt schon mal angedeutet hatte, dass sie dem bisherigen Pächter wohl keine Schankerlaubnis mehr erteilen will.

Betrachtet man Lage und Größe des Parkhotels, hat Dechamps bei der Zwangsversteigerung mit 300 000 Euro eigentlich lächerlich wenig bezahlt. Wenn der Hotelbetrieb jedoch durch die jüngsten Ereignisse zum Erliegen käme, hätte der Rechtsanwalt wohl mit Zitronen gehandelt. Denn dann müsste er die laufenden Unterhaltungskosten und die Abschreibungen vorerst aus eigener Tasche bezahlen.

Solide Einrichtung

Aber so weit ist es ja noch nicht. „Ich werde natürlich alles daran setzen, dass das Parkhotel geöffnet bleibt und sich wieder konsolidiert“, so Dechamps. Größere Investitionen plant er zurzeit nicht. Auch wenn das Mobiliar nicht mehr auf dem aktuellsten Stand sei: „Die Einrichtung ist sehr solide.“ Notfalls müsse man bestimmte Gästezimmer eben ein bisschen preiswerter vermieten.

Offenbar ist Jürgen Dechamps noch mittendrin, ein tragfähiges und vor allem finanzierbares Konzept für das Parkhotel zu entwickeln. Dass er bisher die Abgaben an die Stadt stets pünktlich entrichtet hat, spricht schon mal für ihn.

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