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Trauer in FreilingenSimon Hellenthal ist gestorben

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Ein junger Mann mit Brille und Kinnbart sitzt in einem Rollstuhl.

Am Montag ist Simon Hellenthal gestorben.  

Simon Hellenthal hat sich von seiner unheilbaren Krankheit den Lebensmut nicht nehmen lassen. Jetzt ist der Freilinger gestorben.

Simon Hellenthal litt von Geburt an unheilbar an Muskeldystrophie Duchenne. Doch sein Optimismus und sein Lebensmut waren unerschütterlich. Am Montag ist der weit über seinen Heimatort Freilingen hinaus bekannte Online-Journalist, Buchautor und Social-Media-Reporter gestorben. Er wurde 34 Jahre alt. „Ich bin so froh, dass wir noch am Vorabend das Länderspiel Deutschland – Curaçao zusammen gesehen haben. Er war ja ein großer Fußballfan.“

Seine Mutter Rita Hellenthal beschreibt den letzten Eindruck, den sie von ihrem Sohn hat. Dabei sein, etwas von der Welt mitbekommen – dafür hat Simon Hellenthal sein Leben lang gekämpft. Erst recht, je mehr ihn die Krankheit ans Pflegebett mit 24/7-Betreuung und den Rollstuhl fesselte. Natürlich schaute er die Fußballspiele. Und machte so vieles mehr. Seinem Leben hatten die Ärzte mit der Diagnose der unheilbaren Muskelschwundkrankheit schon im Kindesalter eine verkürzte Zeit gegeben. Doch verzweifeln, resignieren, das war für Simon Hellenthal nie eine Option.

Mit seinem Rollstuhl konnte er überall dabei sein, er hatte später ja sogar sein eigenes Taxi.
Simone Böhm

Er hat sein Fachabitur gemacht, früh ein Buch geschrieben, und war mobil. „Mit seinem Rollstuhl konnte er überall dabei sein, er hatte später ja sogar sein eigenes Taxi“, so Simone Böhm. Mit der langjährigen Ortsvorsteherin von Freilingen hat er die erfolgreiche Internetseite des Ortes mehr als 16 Jahre lang betreut. Dafür hatte er den mit den Augen steuerbaren Computer in seinem Zimmer stehen. So führte er Interviews, so schrieb er engagierte Berichte zum Dorfgeschehen.

Mit der Urkunde „Ehrenamt des Monats“ ausgezeichnet

Er hätte am liebsten noch wesentlich politischere Themen recherchiert, erinnert sich Simone Böhm. Dieser besondere und besonders aktive Ehrenamtler blieb nicht unentdeckt. Ein WDR-Team drehte nach einem großen Bericht in dieser Zeitung 2019 über sein Leben einen Film. Sein unbedingter Wille und sein soziales Engagement konnten und können Vorbild sein.

Das wurde auch 2022 deutlich, als Freilingen beim Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ auf Landesebene eine Silberplakette gewann. Die Dorfgemeinschaft erhielt auch einen Sonderpreis der NRW-Stiftung zur Würdigung der Inklusion im Dorf – damit war indirekt auch Simon Hellenthals Einsatz für seine Heimat gemeint. Ein Jahr zuvor hatte schon Landrat Markus Ramers Hellenthal die Urkunde „Ehrenamt des Monats“ zuerkannt.

Sein Lebenswille beeindruckte auch seinen Vetter Lucas, der 2020 mit Simons Schulfreund, dem Musiker Dominic Sanz („Söhne Mannheims“) Simon Hellenthal einen Song widmete: „24 Zoll“, der Titel bezieht sich auf den Durchmesser der Reifen seines Rollstuhl, wurde bis heute knapp eine halbe Million Mal gestreamt, das Video über 40.000-mal aufgerufen. „Ich habe ihn zuletzt auf der Freilinger Kirmes im Mai gesehen“, so Lucas Hellenthal. Natürlich war auch Simon Hellenthal in seinem Rollstuhl dabei.

Am frühen Montagmorgen sei er friedlich entschlafen, so seine Mutter. Die Krankheit hatte gesiegt. Die Lebenserwartung für Menschen, die wie er erkrankt sind, beträgt 30 Jahre. Simon schaffte vier Jahre mehr. „Ich kann mich trotz meiner Krankheit für die Gemeinschaft einbringen“, diesen Satz habe er oft zu ihr gesagt, so Rita Hellenthal. Simon Hellenthal hat diese Gewissheit Mut und Kraft gegeben. Bis zuletzt.