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WegerechtIn Dahlem verursacht ein schmaler Pfad Ärger wegen Bikern, Fäkalien und Müll

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Zwischen den Bahngleisen rechts im Bild, auf denen ein roter Zug fährt, und einem Wohngebiet links führt ein schmaler Pfad über eine Wiese.

Der schmale Pfad ist eine beliebte Abkürzung. Er führt vom Dahlemer Bahnhof bergab ins Wohngebiet und zur Grundschule.

Über eine Wiese verläuft die Abkürzung zwischen Bahnhof und Grundschule. Die Dahlemer Politiker sind gegen Einziehung des Wegerechts.

Ein kleines Pfädchen vom Bahnhof Dahlem in ein Wohngebiet und zur Grundschule sorgt für Ärger: Unbekannte missbrauchen den Weg, der zum Teil nur schwer einsehbar ist, als öffentliche Toilette, werfen Müll auf die angrenzenden Grundstücke oder befahren den Weg mit Mountainbikes oder Motocross-Maschinen. Das ärgert die Anwohner. Sie fordern, dass die öffentliche Nutzung verboten wird. Doch der Gemeinderat lehnte das ab.

Ortsvorsteherin Marita Schramm steht bei den Anwohnern Marco Wawer und Frank Heinen. Zwischen ihren Grundstücken an der Moorbachstraße steigt ein schmaler Pfad rund 100 Meter steil den Hang hinauf zum Bahndamm, macht dann eine scharfe Rechtskurve und endet 50 Meter weiter unterhalb des Bahnhofs. „Privatweg“ steht am unteren Zugang des Pfades, der bis zur Kurve auf Grund und Boden von Marco Wawer verläuft, danach auf dem der Gemeinde Dahlem und bis zum oberen Ende offenbar der Deutschen Bahn.

Der Pfad in Dahlem ist an einigen Stellen nur schwer einsehbar

Wawer hätte sich das Schild sparen können. Kleine, nützliche Abkürzungen in Hanglagen, um unabhängig von Straßen und befestigten Wegen von oben nach unten zu gelangen, sind in vielen Orten üblich. In Dahlem sorgen sie für Ärger. „Wir wohnen seit zwei Jahren hier. Der Weg wird mindestes seitdem zunehmend als öffentliche Toilette missbraucht“, so Marco Wawer.

Wo der Pfad Richtung Bahndamm abknickt, ist er aufgrund des Bewuchses nur schwer einsehbar. Man finde dort leider immer wieder Fäkalien und Papiertaschentücher, sagt Wawer. Zudem, so Frank Heinen, der für seine Schwiegermutter Katja Göbel spricht, die gegenüber von Wawer schon lange ihr Haus hat, komme es immer wieder vor, dass Unbekannte Müll auf ihre Wiese werfen.

Zwei Männer und eine Frau stehen vor einem schmalen Wiesenweg zusammen. Sie schauen auf ein Luftbild, das die Frau in den Händen hält.

Anhand eines Luftbilds besprechen die Anwohner Frank Heinen (l.) und Marco Wawer mit Ortsvorsteherin Marita Schramm die Problematik.

Da sie dem ein Ende bereiten möchten, stellten sie zur jüngsten Sitzung des Dahlemer Gemeinderats einen Antrag, der von weiteren Anwohnern an der Moorbachstraße unterstützt wird: die zugunsten der Gemeinde seit 1981 eingetragene, beschränkt persönliche Dienstbarkeit – ein Wegerecht für die Öffentlichkeit zur Nutzung des Pfades über den Privatgrund von Marco Wawer – aufzuheben. Der Antrag wurde jedoch einstimmig abgelehnt.

Dem Beschluss ging eine längere Diskussion voraus. So stellte Iris Guder (SPD) Möglichkeiten zur Protokollierung der Geschehnisse oder auch Abschreckungsmaßnahmen vor. Die Option einer Videoüberwachung wurde im Gremium kurz besprochen. Ratsherr Ralf Guder wiederum setzte auf Kontrollen durch die Polizei, was Bürgermeister Jan Lembach mit Blick auf deren fehlende Kapazitäten für unrealistisch hält. Er will die Polizei aber über die Problematik informieren.

Der Bauhof soll nun Hindernisse installieren

Vor allem soll nun der gemeindliche Bauhof aktiv werden und Hindernisse installieren, die die Nutzung des Weges mit Mountainbikes oder Motocross-Motorrädern erschweren. Ein Pflegeschnitt soll zudem vorgenommen und der Weg insgesamt ertüchtigt werden. Damit ist wohl auch ein neuer Anstrich des im steilen Teil des Weges vor Jahrzehnten angebrachten Eisenhandlaufs gemeint. Ratsherr Johannes Fahling (SPD) möchte zudem die Bevölkerung sensibilisieren.

Marita Schramm (CDU) sprach sich ebenfalls gegen die Löschung des seit Jahrzehnten bestehenden Wegerechtes aus. Der Weg, so Schramm vor Ort, sei eine gute Abkürzung für die Schüler auf dem Weg zur Grundschule, „so dass sie nicht über so viele Straßen gehen müssen“. Von der Abkürzung profitieren natürlich auch alle anderen, die vom Pädchen wissen – ein Hinweisschild gibt es nicht.

Würde der Weg gesperrt und wäre die Alternativstrecke zu nutzen, ist das aus Sicht der Anwohner durchaus zumutbar: Zwei Minuten oder rund 400 Meter seien, so Wawer, für die Alternativstrecke über die Moorbach- und Bahnstraße mehr einzukalkulieren. Seiner Argumentation folgten die Politiker nicht, der kleine Weg wird offen bleiben. Das bisher wenig wirkungsvolle Hinweisschild auf die öffentlichen Toiletten im Vereinshaus muss eben weiter ausreichen.

Marco Wawer überlegt nun, eine hohe Hecke anzupflanzen, um das achtlose Werfen von Müll auf sein Grundstück zu erschweren. Sein Gegenüber plant den Bau von Sichtschutzelementen entlang des Weges. Es ist davon auszugehen, dass der Pfad wieder häufiger genutzt wird – schon weil die Züge auf der Strecke Köln-Trier wieder fahren.