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Menschen geholfenNach 50 Jahren beendet Harald Heinen den Dienst in der Kaller Feuerwehr

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Harald Heinen im Einsatz mit der Feuerwehr vor einer Scheune.

Fast immer dabei: Harald Heinen als Einsatzleiter beim Brand einer Rundballenpresse in einer Scheune in Golbach.

Im kommenden Jahr scheidet Harald Heinen aus dem ativen Dienst bei der Kaller Feuerwehr aus. Dann will er mehr auf die Jagd gehen.

„Ich hätte gerne noch etwas weitergemacht, denn die Arbeit in der Feuerwehr ist für mich eine Herzensangelegenheit“, erklärt Harald Heinen, der scheidende Wehrleiter der Gemeinde Kall. Doch im kommenden Jahr ist für ihn mit Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze von 67 Jahren Schluss. 50 Jahre ehrenamtliche Arbeit im Dienst für den Nächsten liegen dann hinter ihm. Am 11. Dezember wird Heinen im Kaller Gemeinderat als Wehrleiter feierlich verabschiedet.

Der Kaller besuchte die Grund- und die Hauptschule in seinem Heimatort und machte anschließend eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker in Bonn. Die Familie hatte damals ein Autohaus in der Hüttenstraße. „Mein Vater Otto Heinen war Mitglied der Feuerwehr und hatte ein gutes Verhältnis zu Wehrleiter Egon Remlinger“, erzählt Heinen. Seinerzeit habe bei Einsätzen noch der Wehrleiter die Sirenen auslösen müssen.

Harald Heinen steht vor seinem Einsatzwagen, die Fahrertür ist geöffnet.

Seinen Einsatzwagen wird Harald Heinen in Kürze abgeben. Im kommenden Jahr scheidet er aus der Feuerwehr aus

An einem Abend im Jahr 1976 habe jemand bei der Familie Heinen per Telefon ein Feuer im Autohaus gemeldet. „Ich habe dann gleich bei Remlinger angerufen, und der hat die Feuerwehr rausgeschickt“, erinnert sich Heinen. Vor Ort habe sich herausgestellt, dass auf einem Nachbargrundstück ein Container brannte. Am Rande des Einsatzes habe ihn der Feuerwehrchef gefragt, ob er nicht wie sein Vater in die Feuerwehr kommen wolle. „Da habe ich ja gesagt.“

Dienst in der Wehr hat ihm von Beginn an viel Spaß gemacht

Der Dienst habe ihm von Beginn an viel Spaß gemacht. 1978 absolvierte Heinen den Brandmeisterlehrgang. Zwei Jahre später besuchte er die Kfz-Meisterschule und führte in der Folge mit seiner Mutter Anna Heinen das Autohaus. Das wurde später verkauft und seit 2009 arbeitet der 66-Jährige im Ordnungsamt der Gemeinde Kall.

Zahlreiche Feuerwehrlehrgänge, unter anderem zum Hauptbrandmeister und zum Wehrleiter, folgten, ehe Heinen am 1. Mai 1987 zum Wehrleiter ernannt wurde. „Meine größte Herausforderung in der Anfangszeit war, die drei Feuerwehrstandorte in Kall, Wahlen und Sistig zusammenzuführen. Das Gemeinschaftsgefühl musste gestärkt werden“, erzählt der Wehrleiter.

Während der Kaller Standort zu der Zeit gut ausgerüstet gewesen sei, hätten Sistig und Wahlen nur jeweils ein Auto zur Verfügung gehabt: „Deshalb wurde seinerzeit fast immer der Kaller Löschzug alarmiert.“ Er habe dann dafür gesorgt, dass klare Einsatzgebiete festgelegt wurden.

Zahlreiche spektakuläre Einsätze mit dem Kranwagen

1979/80 seien dann Piepser verteilt und die Alarmierung von der Leitstelle übernommen worden. Mit der Zeit seien dann die Fuhrparks in Sistig und Wahlen erweitert und die Ausbildung verbessert worden. „1980 wurde dann der Kranwagen übernommen, mit dem es viele spektakuläre Einsätze gegeben hat.“ Unter anderem kann sich Heinen an einen dramatischen Unfall bei Blankenheim erinnern, als ein Lkw auf einer abschüssigen Straße ins Rutschen geraten war und es mehrere Tote zu beklagen gab. „Bis zum Jahr 2000 war der Kranwagen mehr als 200-mal im Einsatz. 95 Prozent waren Lkw-Unfälle.“ Einige davon hätten dafür gesorgt, dass die Feuerwehr auch oft an Heiligabend habe ausrücken müssen, meist weil Lastwagen umgekippt waren.

Noch vor Augen hat der Feuerwehrmann, der 2012 zum stellvertretenden Kreisbrandmeister ernannt wurde, einige schlimme Unglücke in der Region: So den Unfall in Hellenthal, bei dem ein mit Stahl beladener Lkw in ein Haus fuhr und dort ausbrannte, oder das Feuer in einer Halle in Zülpich, in der Oldtimer und Karnevalswagen standen. Aber auch an Großeinsätze in der Gemeinde Kall kann er sich noch gut erinnern: „Dazu gehören die Brände im Hotel Hüttenhof, bei der Firma Peetz oder der Recyclingfirma Held.“

Im Münsterland nach Starkregen Keller ausgepumpt

Darüber hinaus hat Heinen auch Menschen im Bundesgebiet geholfen. „Ich war 2013 im Hochwassereinsatz in Magdeburg, habe im Münsterland nach einem Starkregen Keller leergepumpt“, erinnert sich der Kaller. Aber es gab auch kuriose Momente in seiner Dienstzeit: „Einmal haben wir eine Katze gerettet, die an einem Haus zwischen Dämmung und Mauerwerk geraten war. Wir haben das Tier mit einer Endoskopkamera gefunden und schließlich auch rausholen können.“ Mit diesem Einsatz sei man auch in die Medien gekommen.

Darüber hinaus hat es Heinen auch viel Spaß gemacht, „mitzusteuern“, wie er es nennt. So war er unter anderem Mitglied im Arbeitskreis Technik des Landesfeuerwehrverbands NRW: „Die Runde war mit Leitern von Berufsfeuerwehren hochkarätig besetzt und hat vor allem technische Probleme besprochen.“ Seine Motivation beschreibt Heinen so: „Ich habe den Wunsch, Menschen zu helfen.“

Heinen sieht Kaller Feuerwehr für die Zukunft gut aufgestellt

Die Kaller Feuerwehr habe im Jahr durchschnittlich rund 100 Einsätze. „Bei etwa 95 Prozent bin ich dabei gewesen“, schätzt Heinen. „Dadurch, dass ich in Kall gearbeitet habe, konnte ich auch tagsüber mitfahren.“ Hochgerechnet auf die 50 Jahre sind das mehr als 4500 Einsätze, bei denen der 66-Jährige mit von der Partie war.

Die Feuerwehr in Kall sei für die Zukunft gut aufgestellt. „Die Wehr ist seit der Flut stark gewachsen und hat zurzeit rund 250 Mitglieder von der Jugend bis zur Altersabteilung.“ Die Löschgruppen in Sistig und Wahlen haben inzwischen neue Fuhrparks. In Kall müssten jetzt aber alle Fahrzeuge Stück für Stück ausgetauscht werden, weil sie älter als 20 Jahre seien. Für das neue Feuerwehrgerätehaus in Kall wurde jüngst die Planung vorgestellt: „Für die Standorte Sistig und Wahlen wurden Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben. Beide Gebäude sollen erweitert und modernisiert werden.“ Es gehe um zusätzliche Sanitär- und Schulungsräume und um Stellplätze.

Seinen Posten als stellvertretender Kreiswehrleiter hat Heinen schon im vergangenen Jahr abgegeben, der des Kaller Wehrleiters folgt zum Jahresende. „Bis Anfang September 2026 werde ich noch tagsüber bei Einsätzen dabei sein. Danach ist mit dem aktiven Dienst Schluss und ich werde in die Ehrenabteilung wechseln.“ Einen Plan, wie er dann die zusätzliche Freizeit nutzen will, hat Heinen schon: „Ich habe 2015 meinen Jagdschein gemacht und werde dann öfters zur Jagd gehen.“