Jugendliche der Theaterschule Nettersheim zeigen in „Bin ich denn nie schön genug?“ den Druck der Schönheitsideale auf Social Media.
TheaterSchüler aus Nettersheim gehen gegen den Schönheitswahn in Social Media auf die Bühne

Den Schönheitswahn und Druck aus den Sozialen Medien hat sich die Jugendklasse der Theaterschule Nettersheim unter Leitung von Heidrun Grote vorgenommen.
Copyright: Stephan Everling
Schönheitsfilter auf Instagram, Influencer auf Tiktok und der ständige Druck, perfekt und selbstoptimiert zu sein – wie gehen Jugendliche damit um? Einen Einblick in die Realität von Heranwachsenden bietet das Theaterstück „Bin ich denn nie schön genug?“, das die junge Theaterklasse der Theaterschule Nettersheim an diesem Wochenende in der Aula der Gesamtschule Eifel in Nettersheim aufführt.
Das Gewitter aus Postings, Werbung, Fake News und mehr oder weniger gut gemeinter Information aus den verschiedenen Kanälen der Sozialen Netzwerke wie Tiktok, Snapchat oder Instagram ist die Realität der Jugend, das soziale Umfeld, in dem sie aufwachsen. Heidrun Grote, Gründerin und Chefin der Theaterschule Nettersheim hat einen kritischen Blick darauf. „Die Jugendlichen werden mit dem gesellschaftlichen Druck zugeballert: die Jungs mit Muskeln, die Mädchen mit ,Skinny'“, analysiert sie das in den Medien transportierte Bild der Geschlechterrollen.
Das Theaterstück ist eine Absage an die Norm
Das Stück sei teilweise ihre Vorgabe gewesen, teilweise aber auch von den Jugendlichen selbst erarbeitet worden. „Es ist eine Collage aus bestehenden und bekannten Elementen“, beschreibt sie das aus miteinander verwobenen Szenen bestehende Stück.
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Sieben Mitglieder, sechs Mädchen und ein Junge, hat die junge Theaterklasse derzeit. Für Grote ist es bereits die dritte Inszenierung, die sie mit den Jugendlichen erarbeitet hat. Nachdem der Start ihrer Theaterschule in Nettersheim im Jahr 2020 mehr als schwierig war, als direkt die Corona-Lockdowns und die Flutkatastrophe die Arbeit erschwerten oder ganz unmöglich machten, habe sie mittlerweile das Inszenieren für sich entdeckt, sagt Grote.
Eine Produktion pro Jahr wolle sie machen. Die Verwandlung von Körpern und Körperbildern zeige einen Wandlungsprozess in dem Stück, so die Ankündigung der Aufführung. Es gehe um den Versuch, sich der Norm anzupassen, um die Absage an diese Norm und die Suche nach neuer Orientierung.
Zahlreiche Schüler an der Produktion beteiligt
Mit Emilie Mauréze, Ida Müller, Jóna Taschenmacher, Max Tolja, Mia Kaufmann, Gamina Hack und Zoe Gasda hat sie das Stück auf die Bühne der Gesamtschule in Nettersheim gebracht. Für das Licht ist Jöran Vinzens zuständig, für Musik sorgte Jona Koch. Beratend war die Kinder- und Jugendtherapeutin Stephanie Lange bei der Produktion dabei.
Nüchtern ist die Sichtweise der sieben Jugendlichen auf die Sozialen Netzwerke. Tiktok würden sie ablehnen und nicht nutzen, sagen sie im Gespräch. „Ich habe Angst vor den Challenges“, erklärt Ida. Wenn sie kommunizieren wolle, nutze sie vor allem Snapchat. Von Dingen, die sie nicht ansprechen, sei sie aber kaum über diese Kanäle zu überzeugen. „Wenn mir etwas nicht gefällt, ist es mir egal“, sagt sie.
Schülerin findet Labubus „doof“
Die diversen Trends, die in rhythmischen Abständen durch die Sozialen Medien gehypt werden, lehnen viele ab. „Ich fühle mich davon unter Druck gesetzt“, bekennt Emilia. Zum Beispiel finde sie die so stark beworbenen Labubus (eine chinesische Plüschtierfigur) doof. Eine Freundin von ihr renne allerdings jedem Trend hinterher.
„Auf Tiktok ist doch sowieso nur noch KI“, moniert Max und erntet viel Zustimmung. Für das Schönsein haben sie ihre eigenen Definitionen. „Schönheit ist Natürlichkeit, Schönheit ist Anderssein“, betont zum Beispiel Jóna. Und Max fügt hinzu: „Für mich ist Schönheit Persönlichkeit.“
In dem Stück, das am Samstag Premiere feiert, fänden sie sich wieder, betonen sie. Das Stück zeige die Probleme, die die Sozialen Medien mit sich bringen. In manchen Szenen müssten sie aber auch Rollen übernehmen, die ihren eigenen Ansichten entgegenliefen. „Ich fände es schlimm, wenn ich solche Eltern hätte wie in meiner Rolle“, sagt unter anderem Jóna.
Die Premiere des Stückes „Bin ich denn nie schön genug?“ findet am Samstag, 24. Januar, ab 17 Uhr in der Aula der Gesamtschule in Nettersheim, Höhenweg 22, statt. Eine weitere Aufführung ist am Sonntag, 25. Januar, ab 16 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene 10 Euro, ermäßigt 6 Euro.

