Zwei Kleinkinder wurden vor einem Jahr kaum bekleidet auf der Straße aufgegriffen. Ein Paar aus Zülpich muss sich nun vor Gericht verantworten.
Prozess beginntZülpicher Paar soll Kinder vernachlässigt und misshandelt haben

Vor dem Landgericht Bonn muss sich ein Paar wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen verantworten.
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Zwei Kinder verwahrlost auf der Straße – die Nachricht machte vor einem Jahr Schlagzeilen. Die Kinder, damals drei und fünf Jahre alt, waren am 23. April 2025 bei zehn Grad Celsius offenbar allein unterwegs. Sie trugen nur Hemdchen, Pampers und Gummistiefel. Weit und breit, so schien es, war kein Mensch, der sich um sie kümmerte. Eine Passantin ahnte, dass da etwas nicht stimmte, und nahm die beiden Kinder zunächst mit nach Hause.
Das alarmierte Jugendamt und die Polizei kümmerten sich um die Kinder, die erst einmal ins Krankenhaus gebracht und untersucht wurden. Die Mutter, damals 21 Jahre alt, war schnell ausgemacht. Die Familie mit insgesamt drei Kleinkindern war vom Kreis-Jugendamt betreut. Alle drei Kinder waren untergewichtig und entwicklungsverzögert. Auch das damals zweijährige Kind wurde in eine Pflegefamilie gebracht.
Kinder sollen festgebunden worden sein
Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten gegen die Mutter und ihren 29-jährigen Lebensgefährten. Gegen eine Jugendamts-Mitarbeiterin wurde ein Verfahren wegen möglicher Dienstpflichtverletzung eingeleitet. Wegen des Verdachts der gemeinschaftlichen Misshandlung von Schutzbefohlenen müssen sich die Mutter und ihr Partner ab Mittwoch (10. Juni) vor dem Bonner Landgericht verantworten.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, die Kinder vom 6. November 2024 bis zum 23. April 2025 nur unzureichend ernährt zu haben, sie durchgehend in der verwahrlosten Erdgeschosswohnung bei heruntergelassen Rollos verwahrt zu haben – ohne Sonnenlicht oder Bewegung. Das Jüngste soll ganztägig in einer Babywippe oder einem Buggy fixiert worden sein, die beiden größeren Kinder, in Anwesenheit der Mutter, im Kinderwagen festgebunden.
Die Mutter soll bei Misshandlungen weggeschaut haben
Obwohl es den Kindern immer schlechter gegangen sei, haben die Angeklagten keinen Arzt aufgesucht – womöglich aus Sorge, dass sie sich wegen des Zustandes verantworten müssten. Zudem, so die Anklage, sollen die Kinder von dem 29-Jährigen regelmäßig schwer körperlich misshandelt worden sein. Die Mutter soll weggeschaut haben. Obwohl sie davon gewusst habe, habe sie ihre Kinder wiederholt allein mit ihm in einem Raum gelassen.
Für den Prozess vor der 2. Großen Strafkammer sind sechs Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird nicht vor Ende Juni erwartet.
