Reinhard Gotzen hat den Karneval in Zülpich wie kaum ein anderer geprägt, dabei stand er selbst jahrzehntelang nicht im Rampenlicht.
KarnevalVerleihung des „Närrischen Pitters“ in Zülpich – Reinhard Gotzen ist Preisträger

Zülpichs Bürgermeister Ulf Hürtgen (r.) ehrte einen verdienten Karnevalisten: Reinhard Gotzen.
Copyright: Robert Frings
Wenn in Zülpich der „Närrische Pitter“ verliehen wird, dann geht es um mehr als Orden und Reden. Es geht um Herzblut, Engagement und den echten Geist des Karnevals. Nun wurde diese besondere Auszeichnung an Reinhard Gotzen verliehen – einen Mann, der wie kaum ein anderer den Zülpicher Karneval geprägt und gefördert hat, ohne je selbst im Rampenlicht zu stehen.
Der „Närrische Pitter“ wurde 1980 von Abi von Haase, dem damaligen Literaten der KG Zölleche Öllege, ins Leben gerufen. Ziel war es, jene Karnevalisten zu ehren, die im Hintergrund wirken und deren Einsatz oft unbemerkt bleibt. Die erste Verleihung erfolgte damals im Zülpicher Rathaus – an Peter Fischer, den Namensgeber des Ordens.
Die Auszeichnung, zunächst in Form einer Torte überreicht, wandelte im Laufe der Jahre ihr Gesicht: erst zur Keramikfigur, später – ab 2007 – zur bronzenen Statuette. Jede dieser Entwicklungsstufen spiegelt auch ein Stück Zülpicher Karnevalsgeschichte wider.
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Vergabe des „Närrischen Pitters“ sollte wiederbelebt werden
Nach Jahren der Kontinuität kam es ab 2001 zu einer längeren Pause. Erst Reinhard Gotzen, Inhaber des Autohauses Gotzen, brachte frischen Schwung in die Tradition. 2007 – in einem Gespräch mit dem damaligen Präsidenten der KG Zölleche Öllege, Günter Esser – entstand die Idee, die Verleihung wiederzubeleben.

Zahlreiche Karnevalisten waren in die Martinskirche gekommen.
Copyright: Robert Frings
Gotzen ließ in Köln eine bronzene Figur und eine passende Nadel anfertigen, die fortan an die Geehrten überreicht wurden. Zugleich wurde sein Autohaus an der Zülpicher Industriestraße zum jährlichen Treffpunkt des Frohsinns: Mit liebevoll geschmückter Halle, Bühnenprogramm und reichlich Kölsch wurde der „Närrische Pitter“ dort zwölfmal feierlich verliehen.
Die Geehrten wurden in enger Abstimmung aller Präsidenten der vaterstädtischen Vereine ausgewählt – Präsidenten selbst waren dabei von der Ehrung ausgeschlossen. Von 2007 bis 2017 fand die Verleihung jährlich statt, ab 2017 alle zwei Jahre. Die letzte Geehrte vor der Corona-Pause war Marga Müller (Session 2018/2019). 2023 gab Reinhard Gotzen die Organisation der Verleihung in die Hände der KG Zölleche Öllege zurück – mit dem Wunsch, die Tradition fortzuführen.
Reinhard Gotzen bringt sich seit den 1980er Jahren im Zülpicher Karneval ein
Dass Gotzen in diesem Jahr selbst mit dem „Närrischen Pitter“ ausgezeichnet wurde, ist eine konsequente Würdigung seines jahrzehntelangen Engagements. Seit den 1980er-Jahren unterstützt er den Zülpicher Karneval nicht nur mit Herz, sondern auch mit handfester Hilfe: ein bis zwei VW-Busse für Vereins- und Adjutantenfahrten, später sogar ein Auto für das Prinzenpaar – selbstverständlich kostenlos.
Zudem war und ist Gotzen vielfach im karnevalistischen Leben verankert: Senator bei den Blauen Funken, Senator der Prinzengarde, Ehrenmitglied der HJK und Ehrenherr der Zölleche Öllege. Das Autohaus Gotzen selbst blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Gegründet von Anton Gotzen in Mönchengladbach, zog der Betrieb 1959 nach Zülpich. Schon in den 1960er-Jahren fanden dort karnevalistische Veranstaltungen statt – ein frühes Zeichen der Verbundenheit zwischen Wirtschaft und Brauchtum.
Bewegende Laudatio von Bürgermeister Hürtgen
In seiner humorvollen und zugleich bewegenden Laudatio erinnerte Zülpichs Bürgermeister Ulf Hürtgen an Gotzens Einsatz für den Karneval und die Stadt. Er spannte den Bogen von der Firmengeschichte bis zur Wiederbelebung der Pitter-Verleihung – und hob hervor, wie Gotzen den Zülpicher Karneval wieder zu einer „karnevalistischen Einheit“ geführt habe.
„Du warst nie einer, der in der ersten Reihe auf der Bühne stehen musste. Du hast im Hintergrund gewirkt und wirkst dort immer noch. Du warst und bist uns allen ein guter Ratgeber – ein richtiger „Reinhard eben, du Fuchs!“, so Hürtgen.
Unter großem Applaus nahm Reinhard Gotzen schließlich den „Närrischen Pitter“ entgegen – jenen Orden, dessen Fortbestehen er selbst über viele Jahre gesichert hatte.
Mit der diesjährigen Verleihung schließt sich ein Kreis: Der Mann, der dem „Närrischen Pitter“ neues Leben einhauchte, wird nun selbst Teil seiner Geschichte. Damit steht Reinhard Gotzen in einer Reihe mit jenen stillen Helden des Zülpicher Karnevals, für die Abi von Haase einst diese Ehrung ins Leben rief – Menschen, die im Hintergrund wirken, aber den Frohsinn in der Stadt am Leben halten.

