Zwei Zahlen und die jeweiligen Vergleichszahlen aus dem Vorjahr verdeutlichen das Dilemma auf dem Ausbildungsmarkt 2026 in Leverkusen. Mit Stichtag 30. September suchten 1352 junge Frauen und Männer in Leverkusen mit Hilfe der Agentur für Arbeit nach einer Ausbildungsstelle. Das sind 116 mehr als im Vorjahr (plus 9,4 Prozent). Die Zahl der bei der Agentur gemeldeten Ausbildungsstellen blieb dagegen mit 766 praktisch gleich gegenüber dem Vorjahr (plus 0,9 Prozent oder sieben Stellen mehr). Im Ergebnis verwundert es da nicht, dass die Zahl der noch unversorgten Bewerberinnen und Bewerber zum Stichtag höher lag als 2025. 305 junge Leute suchten noch nach einer Lehrstelle. Das sind 28 oder 10,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings waren auch noch 63 Ausbildungsstellen unbesetzt – 16 mehr als im Vorjahr (ein Plus von 34 Prozent).
Im gesamten Bezirk der Arbeitsagentur in Bergisch Gladbach – neben Leverkusen gehören dazu der Rheinisch-Bergische und der Oberbergische Kreis – ist diese Entwicklung noch ausgeprägter, denn die Zahl der Ausbildungsstellen nahm um 45 auf 3152 ab, während die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber auf 4783 stieg. „Junge Menschen wenden sich wieder vermehrt der dualen Ausbildung zu und sehen in einer Ausbildung eine Alternative zum Studium beziehungsweise einen guten Weg zu einem Einstieg ins Berufsleben“, kommentierte Nicole Jordy, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach, die Entwicklung in einer gemeinsamen Mitteilung mit der Industrie- und Handelskammer Köln (IHK) und der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land.

Der Ausbildungsmarkt in Leverkusen 2026
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Und weiter: „Gleichzeitig ist der erneute Rückgang der gemeldeten Ausbildungsstellen besorgniserregend. Eine besondere Herausforderung sind die bestehenden Passungsprobleme. Suchende Jugendliche finden entweder inhaltlich oder örtlich zu oft keine passende Stelle. Und Unternehmen nicht in ausreichendem Maß die passenden Azubis. Und das, obwohl auf jede unbesetzte Ausbildungsstelle rein statistisch fast drei unversorgte Bewerbende kommen.“
Der erneute Rückgang der gemeldeten Ausbildungsstellen ist besorgniserregend
Blickt man auf die einzelnen Ausbildungssektoren, zeigt sich eine erfreuliche Entwicklung im Handwerk in Rhein-Berg und in Leverkusen. Im Kreis und in der Stadt ist die Zahl der Ausbildungsverträge jeweils leicht gestiegen. Dabei waren die Zahlen auf die Gewerke allerdings unterschiedlich verteilt.
In Leverkusen stieg die Zahl der Ausbildungsverträge für den Beruf des Anlagenmechanikers SHK. Ein Plus verzeichnen auch die Dachdecker, die Zimmerer, die Maurer sowie die Maler und Lackierer und die Friseure. Die Zahl der Ausbildungen ging hingegen zurück bei Elektronikern, den Tischlern, den Metallbauern sowie bei Bäckern und Fleischern.
Mehr Azubi im Bauhauptgewerbe in Rhein-Berg
In Rhein-Berg zeigten die Zahlen im Bauhauptgewerbe nach oben: Mehr Azubis gibt es bei Fliesen-, Platten- und Mosaiklegern, Stuckateuren sowie Maurern. Das Metallhandwerk schloss dagegen deutlich weniger Ausbildungsverträge ab, ebenso Kfz-Mechatroniker, Maler und Lackierer. „Tatsächlich liest sich das erst einmal insgesamt nur wenig positiv. Dass insgesamt im Handwerk in Leverkusen und im Rheinisch-Bergischen Kreis nur ganz knapp etwas mehr Ausbildungsverträge im Vergleich zum Vorjahr unterzeichnet worden sind, hat unterschiedliche Gründe“, ordnete Marcus Otto, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land, die Lage ein. Otto betonte, dass Ausbildung im Handwerk dringend nottut. „Das Handwerk braucht ein deutliches Plus von etwa 20 Prozent mehr Auszubildenden, um den Bedarf unserer Betriebe an Fachkräften in den nächsten Jahren zu decken.“
Rückgänge bei den Zahlen der Azubi verzeichnen dagegen Industrie, Handel und gewerblich-technische Berufe in Leverkusen. Die IHK zählte 533 neue Ausbildungsverträge, 55 oder 9,4 Prozent weniger als 2025. 276 entfielen auf kaufmännische Berufe, ein Minus von 7,4 Prozent, 257 auf gewerbliche und technische Berufe, ein Minus von 11,4 Prozent. Uneinheitlich dagegen die Entwicklung in Rhein-Berg: Die gewerblich-technischen Ausbildungsgänge sind dort wieder gefragter. 133 Vertragsabschlüsse bedeuten ein Plus von 5,6 Prozent. Das Kaufmännische interessierte die Bewerber dieses Jahr dagegen deutlich weniger. 346 Verträge bedeuten ein Minus von 6,2 Prozent.
Aus Sicht der IHK gibt es für diese Entwicklung mehrere Gründe. Die schwache Konjunktur mache viele Unternehmen vorsichtig bei der Einstellung von Auszubildenden. Hinzu komme, dass viele Ausbildungsverträge erst nach dem Stichtag abgeschlossen würden und diese Zahlen daher nicht in der Statistik auftauchten.
Chemieindustrie Leverkusen hat Imageproblem bei jungen Leuten
Der Blick auf die beliebtesten Ausbildungsberufe bei jungen Männern und Frauen zeigt aber auch ganz deutlich, dass die Chemiestadt Leverkusen ganz offensichtlich in der jüngeren Generation ein Imageproblem hat. Die mit Abstand meisten Ausbildungsstellen gab es, eigentlich kaum verwunderlich, in einem klassischen Beruf der Chemieindustrie. 2026 boten die Unternehmen 95 Stellen für angehende Chemikaten und Chemikantinnen an. Doch in der Beliebtheit der Schulabgänger rangiert dieser Beruf unter „fernerliefen“. In den Top Ten der beliebtesten Berufe bei Frauen findet er sich gar nicht. Und bei den Männern rangiert er mit 35 Bewerbern gerade mal auf Rang 5.
Das Gleiche gilt aber auch für den Einzelhandel, wo mit 74 die zweitmeisten Lehrstellen in Leverkusen zu haben waren. Gerade mal 18 junge Frauen bewarben sich auf einen solchen Ausbildungsplatz, Rang 8 in der Beliebtheit bei der weiblichen Bewerberschaft. In den Top Ten bei den Männern sucht diesen Berufswunsch vergeblich.
Deutlich „überbucht“ dagegen, wie in den vergangenen Jahren schon, die Ausbildungsstellen zum Kfz-Mechatroniker bei den Männern. Drei Bewerber kamen hier auf eine der 22 Lehrstellen. Das Gleiche gilt für die Frauen: Auf eine der 26 Ausbildungsstellen zur Bürokauffrau kamen ebenfalls knapp drei Bewerberinnen.

