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NachhaltigkeitsberichtReisen, Strom, Müll: Die Umweltbilanz von Bayer 04 Leverkusen

Die Klubführung hat ihren zweiten Nachhaltigkeitsbericht vorgelegt. Der zeigt viele Bemühungen und die Auswirkungen des Doubles.

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Das gelbe Licht der Rasenbeleuchtung ist auch von außen zu sehen.

Das gelbe Licht der Rasenbeleuchtung ist auch von außen zu sehen.

Eines lässt sich am zweiten Nachhaltigkeitsbericht von Bayer 04 Leverkusen eindeutig ablesen: Sportlicher Erfolg ist nicht unbedingt gut für die Umweltbilanz.

Demnach lag der Gesamtfußabdruck des Klubs im Double-Jahr 2024 bei 20.167 Tonnen CO₂‑Äquivalent. Ein Vergleich mit Zahlen aus dem ersten Bericht ist schwierig: Für 2022 hatte der Klub rund 14.000 Tonnen genannt, allerdings arbeitet der neue Bericht mit aktualisierten Emissionsfaktoren und rechnet beispielsweise auch öffentlichen Ladestrom mit ein.

Deutlich ist aber: Der Gewinn der Deutschen Meisterschaft und des DFB‑Pokals sowie das Erreichen des Europa-League-Finals im Jahr 2024 hat zu deutlich mehr Reisen geführt. Die Fan-Mobilität stieg im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent, noch deutlich mehr sind Mannschaft und Vereinsverantwortliche gereist: Plus 73 Prozent. Sogar um 130 Prozent sind die  Emissionen aus dem Merchandise-Bereich gestiegen. Positiv entwickelt hat sich dagegen die Wärmeenergie-Emission: Hier meldet der Verein einen Rückgang um zehn Prozent. Für das sportlich weniger erfolgreiche Jahr 2025 steht dann ein Rückgang der Gesamtemissionen um rund fünf Prozent im Bericht (19.570 Tonnen CO₂‑Äquivalent).

Gegen Erfolg und damit verbundenen Ticket- und Fanartikel-Absatz will der Klub sich natürlich nicht wehren. Dennoch zeigt der Bericht, wie versucht wird, die Umweltbilanz auf verschiedenen Ebenen zu verbessern. Zuständig dafür ist eine 2022 eigens eingerichtete Stabstelle Nachhaltigkeit, der vier Mitarbeitende zugeordnet sind.

Anreise der Fans

Die Fan-Mobilität ist der größte Einzelposten. Laut Bericht entfallen darauf rund ein Drittel der Emissionen. Im Herbst 2025 befragte der Verein bei zwei Heimspielen der Männer 8763 Besucher. Gut 43 Prozent kamen allein mit dem Auto, weitere 10,5 Prozent im Mix aus Auto und Bus oder Bahn. Der öffentliche Nahverkehr kam auf knapp 25 Prozent, das Fahrrad auf neun Prozent. Jeder zehnte Pkw-Fahrer fährt elektrisch, gut acht Prozent fahren einen Hybrid. Die durchschnittliche Anreise bei Heimspielen beträgt 50,1 Kilometer – wobei mehr als ein Drittel der Fans eine Anreise von unter zehn Kilometern angibt. Wenige Besucher mit sehr weiter Anreise von teilweise sogar mehr als 400 Kilometern pro Strecke heben den Durchschnittswert stark.

Stelze, Stelzenautobahn, Vip-Parkplätze beim Spiel Bayer 04 gegen Wolfsburg. Foto: Ralf Krieger

Weniger Autos, mehr Radfahrer – auch das ist ein Ziel von Bayer 04.

Um die Fananreise umweltfreundlicher zu gestalten, gibt es diverse Ansätze: Im Sommer 2026 hat der Klub das Mitfahrportal  „Werkselfgo“  eingeführt. Fans können Fahrten zu Heim- und Auswärtsspielen der Frauen- und Männer-Profis organisieren und Reisekosten untereinander teilen. Die Plattform bindet außerdem den öffentlichen Nahverkehr in die Reiseplanung ein. Eintrittskarten allerdings gelten nicht mehr automatisch als Fahrkarte für den ÖPNV, sondern müssen zu jedem Spiel als kostenfreie Fahrkarte heruntergeladen werden.

Unter der Stelze wurden im Frühjahr 2026 insgesamt 300 Fahrradstellplätze nachgerüstet, um die Anreise per Fahrrad zum Stadion attraktiver zu machen. Der Bericht nennt zudem Fahrrad-Check-ups bei ausgewählten Heimspielen. Insgesamt gibt es rund um die Bay-Arena mehr als 1800 Fahrradständer und 51 Ladesäulen für E-Mobilität.

Licht und Energie

Die Stadionbeleuchtung ist laut Bericht mittlerweile auf LED umgerüstet. Für die Rasenbeleuchtung läuft seit September 2025 ein Test mit getakteten LED-Impulsen. Geprüft wird, ob sich dadurch die Zahl der Leuchten und der Stromverbrauch senken lassen. Das gelbe Licht, das der Rasen zur Regeneration bekommt, ist oft weithin sichtbar.

Die insgesamt 7,37 Millionen Kilowattstunden Strom, die 2025 verbraucht wurden, werden vollständig aus erneuerbaren Energiequellen bezogen. Der selbst erzeugte Anteil liegt bei 57.580 Kilowattstunden, also unter einem Prozent. Eine Photovoltaikanlage ist im Bericht nur für das geplante „Haus der Talente“ vorgesehen. Die Dachkonstruktion der Arena war bereits 2024 als dafür ungeeignet bezeichnet worden.

Müll

Die Abfallmenge schwankt deutlich: 331 Tonnen im Jahr 2023, 518 Tonnen 2024 und 387 Tonnen 2025 – allerdings trübt neben der allgemeinen Steigerung durch die höhere Spiel- und Zuschauerzahl im Jahr 2024 auch eine größere, nicht näher definierte Menge an Abbruch- und Bauschutt die Bilanz. Dagegen stieg die Recyclingquote in den zwei Berichtsjahren von 62,7 auf 68,6 Prozent: Mehrwegbecher sind schon lange Pflicht im Stadion, außerdem wurde die Mülltrennung optimiert.

Schwieriger Vergleich

Ein Vergleich mit anderen Bundesliga-Vereinen ist schwierig: Zu unterschiedlich sind Stadionkapazitäten und Erfassungsmethoden. So nennt der FC Bayern München einen CO₂‑Fußabdruck von rund 76.000 Tonnen – allerdings umfasst das den Gesamtkonzern, zu dem beispielsweise auch die Basketball-GmbH gehört. Das Stadion des FC Augsburg entspricht etwa der Zuschauerkapazität der Bay-Arena. Hier wird vom Verein für das Geschäftsjahr 2022/23 ein CO₂‑Fußabdruck von 11.700 Tonnen gemeldet. Ob die Berechnungsgrundlage die gleiche ist, wie in Leverkusen, ist unklar.

In einer Studie, die „Sport Positive“ 2023 im Auftrag des Streamingdienstes Sky erstellte hatte, landete Bayer Leverkusen nur auf Platz 16 von 18. Im Februar 2026 veröffentlichte die DFL ihren ersten ligaweiten Nachhaltigkeitsbericht. Demnach setzten 15 Klubs vollständig auf Ökostrom – Bayer Leverkusen gehört dazu. Ein Ranking macht die DFL nicht, lobt aber den strategisch ausgerichteten Nachhaltigkeitsansatz der Klubführung und vor allem die Einführung eines extern zertifizierten Umweltmanagementsystems nach europäischen EMAS‑Standards im Jahr 2025.