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Burscheider BildhauerFriedhof ziert würdiges Grabmal für das Künstler-Paar

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Drei Männer und eine Frau stehen an einem Grabmal.

Klaus Perthel, Vorstand der Luchtenberg-Stiftung, Carl Henry Wilke vom städtischen Kulturbüro, Michael Kunst und Barbara Sasse-Kunst (v. l.) freuen sich über das neue Grabmal für Ernst und Hildegard Kunst.

„Der Frühling“ heißt die allegorisch zu verstehende Frauenskulptur, die neuerdings das Grab von Ernst und Hildegard Kunst ziert.

Die Sonne strahlte am Freitag vom blauen Himmel in Burscheid auf den Frühling herab. Der hat seit wenigen Tagen auf dem Friedhof der Stadt einen ganz besonderen Platz: Er ziert in Gestalt einer allegorischen Statue das Grab des Künstler-Ehepaars Ernst und Hildegard Kunst. Die in ein antikisierendes Gewand gehüllte weibliche Figur hält eine Blume in der rechten Hand: Und genau das macht sie eben zu einer Allegorie auf den Frühling, wie Michael Kunst am Grab seines Bildhauer-Vaters und seiner Maler-Mutter erläutert.

Für Michael Kunst erfüllt sich damit der lange gehegte Wunsch, nicht nur seinem Vater ein ihm gemäßes Grabmal auf die Begräbnisstätte zu stellen, sondern vor allem auch endlich deutlich zu machen, dass dort nicht nur der bekannte Bildhauer Ernst Kunst, sondern seit 2003 eben auch seine Frau, die Malerin Hildegard Kunst, beerdigt liegt.

Denn bislang lag auf ihrer Grabstätte eben nur ein Naturstein, in den in kursivem Schwung Ernst Kunsts Signatur eingeritzt ist; schon für Ortskundige allzu leicht zu übersehen – und von Hildegard Kunst kein Wort. „Mein Schwiegervater hat am 30. Mai seinen 130. Geburtstag. Das ist der Anlass, den lange gehegten Plan zu verwirklichen und eine Stele auf das Grab zu setzen, in die ein Werk meines Schwiegervaters eingesetzt ist“, erläuterte dazu Barbara Sasse-Kunst, Wolfgang Kunsts Frau, auf dem Friedhof.

Das Original der Skulptur schuf Ernst Kunst 1944. Den schlichten Grabstein mit dem kleinen Dachvorsprung zum Schutz der Skulptur besorgte der Steinmetz Egbert Mainzer aus Leichlingen. Die Skulptur war lange im Besitz von Ernst Kunsts Freund Rudi Stern. „Onkel Rudi“, so nennt Michael Kunst Rudi Stern, „hat sie mir geschenkt“. Und mit Onkel Rudi und dessen Frau Ursula, einer Halbjüdin, verbindet sich eine der dramatischsten Episoden in Ernst Kunsts Leben.

Das neue Grabmal für Ernst und Hildegard Kunst

Das neue Grabmal für Ernst und Hildegard Kunst

Kunst war, anders als viele Künstlerkollegen, nach der Machtübernahme der Nazis 1933 nicht ins Ausland gegangen. Als Kind aus armem Remscheider Arbeiterhaushalt, das sich sein Studium im Wortsinn erhungern und erschuften musste, war er in jungen Jahren Mitglied der KPD und hätte zur Emigration eigentlich allen Grund gehabt, doch: „Er traute sich nicht, er sprach keinerlei Fremdsprachen“, so Michael Kunst. Schon das ihm zum Studienabschluss mit dem preußischen Staatspreis gewährte Studienjahr in Italien 1932 lehnte er ab. Hinzu kam dann, dass Kunst als Bildhauer mit seinem realistischen Stil unter nationalsozialistischen Meinungsführern Anklang fand. Sogar der Reichsführer SS Heinrich Himmler erwarb 1943 auf der Deutschen Kunstausstellung die Großskulptur „Die Mutter“ von Kunst. Und Himmler erschien eines Tages mit mehreren SS-Männern unangemeldet am Atelier von Ernst Kunst in der Berliner Fasanenstraße.

Zu dieser Zeit jedoch versteckte Ernst Kunst Ursula Stern in seinem Atelier. Als nun Himmler vor der Tür stand, konnte sie sich gerade noch hinter einen Vorhang im Atelier retten und überstand den Besuch des Reichsführers SS und von dessen Gefolge unentdeckt.

Nach dem Krieg sorgte Paul Luchtenberg, der Kunst seit Mitte der 1920er kannte und ihm schon als Student in Kassel monatlich Geld überwiesen hatte, „damit er was isst“ (Michael Kunst), dafür, dass der Bildhauer nach Burscheid kam. Kunst hatte seit 1945 in Berlin, zunächst unterstützt von den sowjetischen Besatzern im Ostteil der Stadt, versucht, sich als Bildhauer zu etablieren. Kunst war zum Beispiel der erste Verantwortliche für die sowjetischen Ehrenmale in Berlin-Treptow und -Pankow, ein Umstand, „der heute dort nirgendwo erwähnt wird“, wie Michael Kunst erzählt. Doch die neuen Herren drängten Kunst immer mehr an den Rand, und auch in den westlichen Besatzungssektoren konnte er nicht Fuß fassen, sodass er schließlich dauerhaft zurückkam in die Bergische Heimat.

1956 siedelten Kunst und seine Frau mit dem dreijährigen Sohn Michael nach Burscheid über. Dort schuf er zum Beispiel Bronzebüsten von Albert Schweitzer und Elly Heuss-Knapp. Eine Büste des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss konnte er nicht mehr vollenden. Ende 1959 starb er, seine Frau Hildegard unterrichtete ab 1961 Kunst an der Marienschule in Opladen und starb hochbetagt 2003.


Ausstellung zum 130. Geburtstag von Ernst Kunst

Unter dem Titel „Ernst Kunst – ein bergischer Künstler in politisch schwerer Zeit“ zeigen Michael Kunst, Barbara Sasse-Kunst, die Stadt Burscheid und der Rheinisch-Bergische Kreis, unterstützt von der Paul-Luchtenberg-Stiftung, vom 30. Mai bis zum 14. Juni 56 Werke des Bildhauers und Malers Ernst Kunst sowie der Malerin Hildegard Kunst im Kulturforum der Stadt. Die Vernissage ist am Samstag, 30. Mai, 17 Uhr, im Kulturforum, Höhestraße 5. Die Ausstellung ist montags sowie mittwochs bis sonntags von 10.30 bis 12.30 Uhr und 15 bis 19 Uhr geöffnet. Dienstags ist geschlossen. Wer zur Vernissage kommen möchte, wird gebeten, sich zur besseren Planung per E-Mail anzumelden.

M.Kunst@em.uni-frankfurt.de

sassse-kunst@gmx.de