Abo

Familiendrama in OpladenNachbarn zeigen Anteilnahme

4 min

Nachbarn haben Blumen und Kerzen vor dem Haus niedergelegt.

Opladen – Den Familienvater, der am Samstagabend in Opladen im Haus Reuschenberger Straße 3 seine beiden Kinder umgebracht hat, beschreiben alle befragten Nachbarn positiv: fleißig, nett, sympathisch. Dennoch hat der 33-jährige Mann eine ungeheuerliche Tat an seinen Kindern verübt, als er die beiden Mädchen nach Polizeiangaben im Ehebett erstickt hat. Durch eine Obduktion wurde das am Sonntag bestätigt. Die große Tochter wurde drei Jahre alt, das kleine Mädchen nur zehn Monate.

Die Mutter (35) hat die Kinder nicht selbst gefunden. Als sie am frühen Sonntagmorgen um 2.30 Uhr nach Hause kam, fand sie einen Abschiedsbrief ihres Mannes, in dem dieser seinen Selbstmord ankündigte. Weil die Bettchen der Mädchen leer waren, rief sie die Polizei. Zwei Polizisten der Opladener Wache fanden die toten Kinder schließlich im Ehebett. Der Vater hatte inzwischen seine Ankündigung wahr gemacht und seinem Leben um 23.59 Uhr am Opladener Bahnhof beendet, als er sich vor einen ICE warf.

Geordnete Verhältnisse

Von außen besehen lebte die Familie in absolut geordneten, bürgerlichen Verhältnissen. Das sagte nicht nur Oberstaatsanwalt Alf Willwacher, diesen ordentlichen Eindruck macht auch das Haus, vor dem am Sonntagmorgen um 6.30 der Leichenwagen die beiden toten Kinder abholte. Alles ist frisch angestrichen, das Dach sieht neu aus, das lange Gartengrundstück nach hinten ist mit einem neuen Holzsichtschutz blickdicht abgeschirmt. Auf der Wiese hinterm Haus steht ein Kindertrampolin. Auf der Terrasse zwei Stühle und ein Tisch. Alles wirkt gepflegt, die Pflanzen geschnitten und die Terrasse gekärchert.

Schon am Sonntagnachmittag standen einige Grablichter, ein paar Blumen, ein Stofftier an die Wand des Hauses gelehnt. Dabei ein Zettel mit der Aufschrift: "Warum?" Die ersten Zeichen der Trauer im Viertel.

Zur Familie soll ein brauner Mischlingshund gehören. Gisela Oehmig (58), und einer Freundin, die die Familie vom Gassigehen kennen, schossen vor dem Haus sofort die Tränen in die Augen, als sie vom Familiendrama hörten. Die Tat ließ am Sonntag niemanden unberührt, der davon hörte. Auch in Internetforen waren fassungslose Kommentare vorherrschend.

Ein Auto sichergestellt

Die Familie besitzt zwei Autos, die beide vor dem Haus standen. Der Mann muss nach den Morden an den Mädchen die zwei Kilometer zum Bahnhof zu Fuß gegangen sein. Einen weißen Honda stellte die Mordkommission am Sonntagmorgen sicher. Die Ledersitze und zwei Kindersitze auf der Rückbank des frisch gewaschenen Wagens waren vom Regen nass, weil dieser wohl seit Stunden dort mit heruntergelassenen Seitenscheiben gestanden hatte.

Vor gut zwei Jahren soll die Familie die ehemalige Gaststätte "Bick" gekauft haben. Das Haus soll zuvor einige Zeit leer gestanden haben. Ein Nachbar von gegenüber sagte: "Der hat dann so viel an dem großen Haus renoviert, neulich sah er richtig schlecht und abgearbeitet aus". Er habe fast alles selbst gemacht. Das Haus sei richtig gut durchrenoviert. Aber: Obwohl der Nachbar auch schon bei der Familie im Haus gewesen sei, kenne er weder Vor- noch Nachnamen des toten Vaters. Dieser habe "irgendwo im Büro" gearbeitet. Im Haus sollen laut Staatsanwalt noch zwei Mieter wohnen, die aber zur Tatzeit nicht im Haus gewesen sein sollen. Die Mutter der getöteten Kinder hält sich laut Staatsanwalt Alf Willwacher bei Angehörigen auf. Das Angebot, sich in der Tatnacht durch einen Notfallpsychologen betreuen zu lassen, habe sie abgelehnt.

Pavlos Nikolau, ein Nachbar, beobachtete aus seinem Fenster die vielen Fotografen und Fernsehleute, die am Sonntagmorgen im Regen zum Tatort gekommen waren. Er wohnt gegenüber auf der anderen Straßenseite und kannte die Familie auch, nur die Namen nicht. Die tote dreijährige Tochter soll in den Kindergarten Sankt Remigius gegangen sein. Dass wüssten er und seine Frau, weil auch ein Kind aus ihrer Familie dort sei, sagte er. Als Grund der Tat gibt die Polizei in ihrer Pressemitteilung kurz an: "Motiv für die Tat dürften familiäre Probleme gewesen sein."