Leverkusen – Der Wiesdorfer Textilhändler Levy, der Hitdorfer Viehhändler Herz, die Familie Ripp: drei jüdische Schicksale, die Beispiel geben für das Grauen, das sich am 9. November 1938 Bahn brach. Auch in Leverkusen. Schüler aus dem Geschichte-Leistungskurs am Landrat-Lucas-Gymnasium waren im Stadtarchiv, danach machten sie sich auf einer Exkursion nach Auschwitz ein Bild von der Juden-Vernichtung. Am Freitag nun konnten sie beredt davon künden, was seinerzeit geschah in ihrer Stadt.
Für das Gedenken an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus gibt es einen Platz: den Standort der früheren kleinen Synagoge an der Ecke Lessing-/Altstadtstraße in Opladen. Das Gotteshaus der Minderheit wurde in der Nacht auf den 10. November 1938 erst verwüstet, dann in Brand gesteckt. „Die Feuerwehr rückte erst an, als das Haus in hellen Flammen stand. Sie hatte zuvor von der Parteileitung die strikte Order erhalten, sich allein auf den Schutz der angrenzenden Wohnhäuser zu beschränken“, berichtete am Freitag Uwe Richrath.

Rena Itzhaky, Ettie Zilber und Jeanne Rabin (von links) sind die Töchter eines Paares, das den Holocaust überlebte.
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Für den Oberbürgermeister ist nach dem Anschlag auf die Hallenser Synagoge und den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübke klar, dass ein Gedenken an die Vorfälle von 1938 und die Folgen „alles andere ist als ein leeres Ritual“. Die Vorfälle zeigten, so der OB: „Den deutschen Antisemitismus gibt es noch immer – er war nie weg. Er traut sich nur wieder aus der Deckung.“
„Für uns Deutsche Teil der Familiengeschichte“
Deshalb sei es wichtig, sich mit den Vorgängen zu befassen, die vor gut acht Jahrzehnten in der Reichspogromnacht einen ersten schlimmen Höhepunkt hatten. „Für uns Deutsche ist es Teil der Familiengeschichte. Viele von uns kannten noch die Menschen, die dieses Regime gewählt, sich ihm angepasst, den Mund gehalten und weggeschaut haben“, sagte Richrath, bevor die Gymnasiasten die Leidensgeschichte der drei jüdischen Familien nachzeichneten. Und junge Leute von der Montanus-Realschule weitere Fakten zur Vernichtung der Juden in der Stadt beitrugen.
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Das alles geschah im Beisein dreier Frauen, die seit ein paar Tagen in der Stadt sind und ein Buch vorstellen, in dem ihre Mutter die Lage im Ghetto beschreibt, aber auch die Liebe zu ihrem Mann, den sie nach dem Ende des Kriegs und der Nazi-Diktatur wiedertraf. Die Töchter Ettie Zilber, Jeanne Rabin und Rena Itzhaky sind aus Israel nach Deutschland gekommen – ihre Eltern waren zunächst in die USA ausgewandert. Die drei Frauen haben das Buch an der Marienschule vorgestellt und am Landrat-Lucas-Gymnasium. Noch ein Anstoß, den 9. November 1938 nicht zu vergessen.



