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HausmeisterinEinsatzort Schultoilette

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Frauke Bergerhoff auf ihrem Platz in der Schaltzentrale. Die 27-Jährige arbeitet seit Juni 2010 als Hausmeisterin an der Gemeinschaftsgrundschule Gebrüder Grimm in Opladen.

LeverkusenFrau Bergerhoff, können Sie sich noch an den Hausmeister Ihrer Grundschule erinnern?

FRAUKE BERGERHOFF: Lustigerweise gar nicht mehr. An den Hausmeister im Lise-Meitner-Gymnasium, wo ich auf die weiterführende Schule gegangen bin, allerdings sehr gut. Meine Mitschüler haben mich immer vorgeschickt, wenn wir etwas brauchten, weil ich mich mit ihm so gut verstanden habe. Und heute ist er mein Kollege.

Als Grundschülerin hätten Sie es sich vermutlich nicht träumen lassen, dass Sie mal Hausmeisterin in einer Grundschule werden, oder?

BERGERHOFF: Nein, das stimmt. Nach meinem Abi war mir klar, dass ich keine Lust habe zu studieren. Dann habe ich eine Tischlerlehre gemacht, was ja auch schon ein ziemlich männlicher Beruf ist.

Wie konnten Sie den Schreinerei-Chef von sich überzeugen?

BERGERHOFF: Der war sehr offen, er hatte auch schon eine Gesellin. Andere haben das Argument vorgeschoben, sie hätten keine getrennten Toiletten. Die konnten natürlich schlecht sagen, dass sie keine Frau haben wollen.

Warum sind Sie nicht Tischlerin geblieben?

BERGERHOFF: Als die Wirtschaftskrise kam, musste sich der Betrieb in Troisdorf verkleinern und ich wurde entlassen. Dann habe ich ein Jahr lang Arbeit gesucht, bis meine Schwester, die auch bei der Stadt arbeitet, mir die Hausmeister-Stellenanzeige gezeigt hat. Da habe ich mich dann beworben und war wieder die einzige Frau (lacht).

Was für Qualifikationen braucht eine Hausmeisterin bei der Stadt?

BERGERHOFF: Man muss eine handwerkliche Grundausbildung haben. Als Friseur hat man schlechte Chancen. Und weil die Stadt auch die Frauenquote unter den städtischen Hausmeistern erhöhen wollte, haben sie mich genommen.

An den städtischen Schulen sind Sie aber die einzige Hausmeisterin?

BERGERHOFF: Ja. Bei der Stadt sind aber insgesamt sechs Frauen angestellt.

Haben die männlichen Hausmeister der anderen Schulen die neue, junge Kollegin belächelt?

BERGERHOFF: Nein, überhaupt nicht. Auch von den Lehrern kam keine Skepsis. Manche Eltern wundern sich vielleicht manchmal. Oder die Väter, wenn sie mich morgens Schnee schippen sehen vor der Schule.

Das Klischee ist ja der Hausmeister im Kittel, der ständig neue Glühbirnen auswechselt. Trifft das zu?

BERGERHOFF: Also, man muss schon alles machen können. Ich wechsle die Lichtröhren aus und repariere alles, was ich reparieren kann. In der Hinsicht wurde ich ins kalte Wasser geschmissen. Erst neulich ist in Trakt 3 das komplette Flurlicht ausgefallen. Dann bin ich an den Sicherheitsschalter gegangen und habe so lange die Schalter umgelegt, bis klar war, wo der Stromkreislauf nicht stimmt - obwohl ich keine Elektrikerin bin.

Sie müssen also wie MacGyver aus der alten Fernseh-Serie für jedes Problem eine Lösung austüfteln?

BERGERHOFF: Idealerweise schon. Ich probiere viel aus, bis ich eine Lösung finde. Natürlich möglichst, ohne dabei die halbe Schule lahm zu legen (lacht). Aber was Kinder so alles in eine Toilette hineinstopfen oder was die sonst manchmal so anstellen: Da muss man einfallsreich sein.

Haben Sie viel Kontakt mit den Kindern?

BERGERHOFF: Ja, und das ist sehr schön. Wobei ich froh bin, an einer Grundschule zu sein und nicht an einer weiterführenden Schule. Wenn ich rübergehe an die Theodor-Heuss-Schule zu meinem Kollegen, da falle ich ja gar nicht auf unter den Schülern. Da hätte ich vielleicht Autoritätsprobleme.

Kennen Sie einige Kinder auch richtig gut?

BERGERHOFF: Vor allem natürlich die Spezies, die immer Quatsch macht (lacht). Und ich kann nicht im Calevornia schwimmen gehen, ohne dass es heißt: Hallo Frau Bergerhoff. Man wird auch in der Stadt viel gegrüßt.

Wie haben Eltern und Freunde darauf reagiert, dass Sie Hausmeisterin werden?

BERGERHOFF: Mein Vater hat mir eine Schultüte geschenkt, weil ich ja sozusagen wieder eingeschult wurde (lacht). Also, meine Eltern waren auch einfach glücklich, dass ich wieder Arbeit gefunden habe. Und meine Freunde haben gesagt: Na, da hast du ja einen lauen Job.

Ist es ein lauer Job?

BERGERHOFF: Das würde ich nicht sagen. Ich fange um halb sieben morgens an und habe eine 46,75-Stunden-Woche. Ich bin immer die Erste, die kommt und die Letzte, die geht. Ich muss ja sicherstellen, dass das Gebäude gut abgeschlossen und gesichert ist.

Ist es nicht gruselig, abends allein durch die Gebäude zu laufen?

BERGERHOFF: Nein. Ich lasse sogar immer gerne das Licht aus, weil ich dann sehen kann, wer draußen rumläuft.

Außerdem habe ich meinen Hund immer dabei. In Opladen laufen ja schon auch ein paar lustige Leute rum. Aber ich fühle mich sicher.

Arbeiten Sie lieber im Winter oder im Sommer?

BERGERHOFF: Im Sommer. Denn im Winter muss ich auch den Schnee räumen, den ganzen Tag lang, denn die Schule hat Räumdienst. Wir müssen alle öffentlichen Wege um die Schule herum räumen, und das ist anstrengend.

Also ist der Beruf auch körperlich anstrengend?

BERGERHOFF: Absolut. Ich muss mich auch manchmal umziehen, weil ich nass geschwitzt bin. Zum Beispiel nach dem Schneeräumen. Oder wenn ich Splitt streue, habe ich 20-Liter-Eimer in der Hand.

Die Stadt hat wenig Geld. Wenn Sie sich etwas für Ihre Schule wünschen dürften, ohne aufs Geld zu gucken, was wäre das?

Bergerhoff: Ich würde das Gebäude dem schönen Bild anpassen, das wir auf der Schulhofmauer haben. Das hat eine vom Schulverein beauftragte Künstlerin gemalt. Die Stadt hat die Farbe dafür bezahlt. Ich würde gerne das Bild auf allen Gebäuden weiterführen, das sähe bestimmt toll aus.

Was macht Ihnen am meisten Spaß in Ihrem Job?

BERGERHOFF: Ich finde es immer gut, wenn man sieht, was man getan hat. Ich brauche eine Arbeit, wo ich offensichtlich etwas bewegen und verändern kann. Wenn der Schulhof aussieht wie Sau und ich mache ihn sauber, ist das ein gutes Gefühl. Wenn ich eine Lampe auswechsle und sie funktioniert wieder, sind die Leute glücklich. Und dann bekomme ich ja auch Lob.

Und was macht gar keinen Spaß?

BERGERHOFF: Die Toiletten! Die der Jungen vor allem. Ich habe zum Glück ein paar Schüler, die petzen, wenn jemand auf der Toilette Quatsch gemacht hat. Petzen ist ja nicht gut, aber was die Toiletten angeht, da gibt es die große Petzausnahme. Wenn jemand extra neben das Pissoir pinkelt, dann muss er das auch mit mir aufwischen. Und dann bringe ich den Jungen in die Klasse und erkläre laut, was passiert ist. Das ist pädagogisch ganz hilfreich (lacht).

Das Gespräch führte Sarah Brasack