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Interview Klaus Beck„Trennung vom Fußball war für den Verein eine Befreiung“

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Klaus Beck bei der Mitgliederversammlung

Emotionaler Abschied: Klaus Beck bei der Mitgliederversammlung

Nach 23 Jahren gibt Klaus Beck den Vereinsvorsitz des TSV Bayer Leverkusen ab – im Interview schaut er auf Herausforderungen der Vergangenheit und Zukunft.

Herr Beck, Sie waren 23 Jahre lang Vereinsvorsitzender des TSV Bayer Leverkusen und treten mit 81 Jahren nun ab. Wie viele Kompromisse muss man eingehen, um den größten Sportverein der Stadt so lange zusammenzuhalten?

Ich kam ja nicht unvorbereitet da rein, ich kannte den Verein schon als Schatzmeister und habe im Konzern als Steuerjurist gearbeitet. Natürlich muss man Kompromisse machen, aber ich war immer überzeugt von dem Weg des TSV und habe durch die Jahre gemerkt: Man muss sein Ziel zielstrebig verfolgen. Natürlich ist man nicht begeistert, wenn etwas gekürzt wird. Aber auch in schwierigen Zeiten gab es in der Bayer-Familie insgesamt immer eine gewisse Einigkeit. Das ist Kompromissbereitschaft.

1999 wurde der Fußball aus dem Gesamtverein ausgegliedert – war das eine schmerzhafte Trennung oder eine Erleichterung?

Manche fanden es schade, aber für den Verein war es sicher eine Befreiung, weil der Fußball ein dominierender Faktor ist. Es gab immer die Sorge in anderen Abteilungen: Hoffentlich geht nicht alles in den Fußball. Ich war zu der Zeit selbst Abteilungsleiter Basketball, in den goldenen Zeiten. Ich hatte nicht das Gefühl, dass sich alles nur um Fußball dreht. Aber Mitglieder mochten das so empfunden haben. Von daher war die Trennung besser, auch für den Fußball ist eine richtige Kapitalgesellschaft besser.

Und dennoch spielen die Bayer Giants, immer noch amtierender Rekordmeister im Basketball, mittlerweile in der Pro B, der dritten Liga. Das muss Sie als ehemaligen Abteilungsleiter doch auch schmerzen.

Die Fokussierung auf nachwuchsorientierten Leistungssport war ein Wunsch des Sponsors. Das kann man vertreten. Auch Otto Reintjes, ehemaliger Manager der Bayer Giants, hat das mitgetragen. Nicht, dass er jeden Abend gejubelt hätte, aber er hat es mitgetragen. Natürlich hat es uns geschmerzt, aber es war kein Hass auf irgendjemanden, sondern eine Entwicklung. Die finanziellen Dimensionen für Basketball wuchsen in Ausmaße, die man vorher nicht für möglich gehalten hätte. Die Etats, die dann aufgerufen wurden – damit hätten wir auch ohne die Veränderung nicht mehr mithalten können.

Klaus Beck an seinem langjährigen Platz: Im Büro des TSV-Vorsitzenden mit Blick auf die Anlage.

Klaus Beck an seinem langjährigen Platz: Im Büro des TSV-Vorsitzenden mit Blick auf die Anlage.

Klar ist: In einem Mehrspartenverein kann man nicht in allen Bereichen in der Bundesliga mitmachen. Das geht nicht. Im Frauenhandball ist es dasselbe. Es gab 2007, 2008 das neue Konzept, mit Konzentration auf den Leistungsnachwuchssport. Das ist unsere Zielrichtung und das ist mir auch wichtig.

Wie abhängig ist der Verein noch vom Konzern?

Es ist kein Geheimnis: Bayer ist der größte Sponsor, ein wesentlicher Faktor. Ich bin zuversichtlich, dass das auch in Zukunft so bleibt. Die Signale aus der Firma sind hoffnungsfroh. Aber durch die breite Mitgliedschaft gibt es mittlerweile auch eine solide Basis.

Auf welche Entscheidung in Ihrer Amtszeit sind Sie besonders stolz?

Mit dem gesamten Vorstand bin ich stolz, dass wir den Fokus auf nachwuchsorientierten Leistungssport gesetzt haben. Von unseren 9000 Mitgliedern sind fast die Hälfte Kinder und Jugendliche. Die Förderung des Nachwuchses ist uns wichtig und dass sie eine Perspektive haben, bei uns auch höherklassig zu spielen – auch, wenn sie sich danach vielleicht noch darüber hinaus weiterentwickeln. Genauso wichtig ist, allen eine sportliche Heimat zu bieten: Das Gofit ist wichtig, auch die Mutter-Kind-Gruppen. Es geht nicht nur um Gold und Silber.

Allerdings gab es davon auch reichlich. Welche sportlichen Erfolge sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Brittas Erfolge (Heidemann Anm. d. Redaktion) beim Fechten – die waren beeindruckend. Ich erinnere mich gerne an die Olympischen Spiele in Athen, das waren die ersten, bei denen ich als Vorsitzender dabei war. Das war noch eine Olympiade zum Anfassen, das ist heute nicht mehr so. Die Para-Sportler haben mir zum Abschied ein Plakat geschenkt: Da stand: 16 Mal Gold in meiner Zeit. Das hat mich sehr berührt. Para-Sport lag mir auch immer sehr am Herzen.

Sie übergeben den Vorsitz nun an Jürgen Schrapp. Was geben Sie ihm mit auf den Weg?

Er ist schon seit eineinhalb Jahren mein Stellvertreter. Außerdem kommt er aus dem Sport, arbeitet sehr strukturiert und hat eine gewisse Bayer-Mentalität im Kopf. Das ist hier wichtig. Damit wird er seine eigenen Akzente setzen, das ist gut. Ich bin mit dieser Nachfolge sehr einverstanden und habe das gerne an ihn mitgegeben. Ich denke, seine Akzente sind meinen sehr ähnlich. Aber eins zu eins muss es nicht sein.

Eine große Aufgabe, der er sich stellen muss, wird der Autobahnausbau direkt vor Ihrem Vereinsgelände sein.

Oh ja, ich glaube, über das Ausmaß, was dieser Ausbau bedeutet, macht sich kaum jemand eine richtige Vorstellung. Das ist eine fundamentale Herausforderung für die Stadt und den Verein.

Hätte man sich von Seiten des Vereins nicht deutlich gegen den Ausbau positionieren müssen?

Wir haben uns positioniert, immer in engem Schulterschluss mit Bayer 04 und Bayer AG. Wir kämpfen, wir haben der Stadt hinterlegt, was wir bräuchten, etwa eine Zufahrt zu unserem Gelände. Aber wir müssen abwarten.

Das lief im Hintergrund, hätte man 9000 Mitglieder nicht öffentlich mobil machen können?

Die ganze Stadt hat sich dagegen gestellt und es hat nichts genutzt. Wir haben uns überall da, wo wir konnten, mit der Kommune positioniert. Die Stadt muss sich auf den Ausbau der Stelze einstellen. Meinen Sie wirklich, der TSV mit 9000 Mitgliedern bringt den Innenminister oder Verkehrsminister aus der Ruhe? Wenn die ganze Stadt im Grunde nichts geschafft hat?

Damit müssen sich nun andere beschäftigen. Was sind jetzt Ihre persönlichen Pläne?

Ich will mir mehr Zeit für die Familie nehmen. Bestimmt werde ich auch weiter Sportveranstaltungen besuchen. Als Vorsitzender ist das auch immer so eine Sache. Dann heißt das: Der Vorsitzende war beim Basketball, warum ist er nicht auch bei uns. Aber ich kann ja nicht jedes Wochenende überall sein. Zum Heimspiel der Para-Leichtathleten komme ich auf jeden Fall. Aber insgesamt bin ich jetzt freier, darauf freue ich mich.


Jürgen Schrapp, geboren 1974, wurde bei der Mitgliederversammlung des TSV einstimmig zum neuen Vereinsvorsitzenden gewählt. Schrapp ist seit 30 Jahren beim TSV Bayer 04 Leverkusen und gehört zu den erfolgreichsten deutschen Sitzvolleyballern mit sieben Paralympics-Teilnahmen, einer Bronzemedaille (2012) und 17 Deutschen Meisterschaften. Der kaufmännische Angestellte bei Bayer AG trainiert aktuell die Sitzvolleyballmannschaft und wurde zudem im Dezember 2024 zum Präsidenten des Weltverbandes World ParaVolley ernannt.

Wiedergewählt wurden Hans-Helmut Schaefer, der künftig die Funktion des stellvertretenden Vorsitzenden übernimmt, sowie Martin Eckardt als Schatzmeister. Anne Wingchen bleibt als Geschäftsführerin qua Amtes Teil des geschäftsführenden Vorstands.

Beschlossen wurde auch eine umfassende Neufassung der Vereinssatzung. Diese soll die Organisationsstruktur modernisieren und sieht unter anderem die Einführung eines hauptamtlichen Vorstands vor.

Für außergewöhnliche Vereinstreue wurden stellvertretend für viele langjährige Mitglieder Rainer Cymera (60 Jahre Mitgliedschaft) und Gisela Reimann (75 Jahre Mitgliedschaft) ausgezeichnet.

Zum Ehrenmitglied wurde Markus Rehm ernannt. Der Para-Weitspringer hatte an der Seite von Trainerin Steffi Nerius alle 17 paralympischen Titel, inklusive viermal Paralympics-Gold im Weitsprung und acht WM-Titeln für den TSV gewonnen.

Klaus Beck wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.