Tamile und Ex-Chemikant: Wie Dithan Mohan und Christy Newman Jeevantham einen Kiosk zum Retter in allen Lebenslagen machen.
Leverkusener KioskDas Stadionbüdchen ist eine Mischung aus Fantreffpunkt und Wohnzimmer

Kioskbesitzer Dithan Mohan vor seinem Stadionbüdchen.
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Es hat schon ein bisschen Wohnzimmeratmosphäre, dieses Stadionbüdchen. Und die kommt sicher nicht von den vielen Kühlschränken mit Getränken oder den Zigarettenstangen. Für die sorgt vor allem Dithan Mohan, der viele seiner Kunden mit Namen begrüßt. An diesem Montag nimmt er sich Zeit für ein Gespräch, warnt aber vor: Die Arbeit hat Vorrang.
Schon nach zwei Minuten kommt Arbeit durch die Tür: Ein Mann vom Paketdienst bringt neue Päckchen vorbei. Ob er auch welche mitnimmt, fragt Mohan. Der Mann nickt. Dann flucht er, als ein Karton nicht in seinen Beutel passt. Mohan hilf ihm. Dann verabschiedet er den Paketboten: „Wir sehen uns morgen.“
Bei ihm sollen sich alle wohlfühlen, sagt der 28-Jährige. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Christy Newman Jeevantham hat er das Stadionbüdchen unweit der Bay-Arena erst im März dieses Jahres übernommen. Eigentlich ist er gelernter Chemikant. „Aber ich wollte einmal selbst was auf die Beine stellen“, sagt er. „Mein eigener Chef sein.“ Das Kaufangebot für den Kiosk hatte seine Frau dann durch Zufall entdeckt. Der liegt direkt neben dem Stadioneck, Kultkneipe und Treffpunkt für Fans von Bayer Leverkusen.
Kiosk ist beliebter Treffpunkt bei Heimspielen von Bayer Leverkusen
Dass er sich direkt an der Route der Fans niederlassen würde, war Mohan und seinem Partner vorher gar nicht klar. „Zum Glück hat der Vorbesitzer uns drauf eingestellt, was hier so los ist, wenn die Mannschaft Heimspiele hat.“ Trotzdem waren die ersten Spieltage eine Herausforderung. Der Andrang auf den Kiosk sei groß gewesen. Nicht jedes Mal, aber: „Manchmal wussten wir nicht mehr, wo vorn und hinten ist.“ Mohan zeigt ein Video auf seinem Smartphone. Darauf zu sehen sind mehrere Hundert Menschen im Trikot von Bayer. Die Straße vor dem Stadionbüdchen ist nicht mehr zu erkennen. Jemand hat Pyrotechnik angezündet. Rote Rauchschwaden liegen über der Menge. Irgendwo zündet jemand Böller an. Dann fährt ein Bus vorbei. Es wird laut. Die Leute klatschen, rufen Fan-Gesänge. „Da ist die Mannschaft angekommen“, sagt Mohan und steckt das Handy wieder weg.

Dithan Mohan steht in seinem Kiosk hinter der Kasse.
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Wie ist sein Verhältnis zu den Fans? „Die sind super“, sagt Mohan. „Die meisten sind sehr nett.“ Ihm ist wichtig, dass auch sie sich wohlfühlen. „Deswegen wollen wir den Kiosk bald noch mehr in den Farben Rot und Schwarz gestalten.“ Wie viele Liter Bier verkauft er an einem Spieltag? Mohan überlegt kurz. „Da kann man keine Zahl nennen. Aber wir sehen auf jeden Fall, dass der Umsatz etwas höher ist.“
Dass die Gegend hier von den Bayer-Fans geprägt ist, verraten nicht nur die tausenden Aufkleber an den Laternen in Küppersteg. Das Logo der Werkself findet sich auch auf der Haut und den T-Shirts von Mohans Kunden, die heute vorbeikommen. Im Büdchen gibt es sogar Fanartikel zu kaufen: Neben der Kasse steht ein Aufsteller mit Aufnähern. „Meisterkusen“ steht da drauf. Kostenpunkt: drei Euro. „Der Aufsteller ist noch vom Vorbesitzer“, sagt Mohan. Als Bayer Leverkusen 2024 Meister wurde, hatte der die Aufnäher mit ins Sortiment genommen. „Es kommen immer noch Leute und kaufen die.“

Im Stadionbüdchen gibt es auch Fanartikel für Bayer Leverkusen zu kaufen.
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Dann geht wieder die Ladentür auf. Eine Frau mit grauen Haaren und Blumenkleid kommt herein. „Ich brauche noch einen“, ruft sie. Mohan nickt und geht zur Kaffeemaschine. Es ist schon ihr dritter Kaffee heute. Seit sieben Uhr morgens sitzt mit ihren Freundinnen auf den Bänken vor dem Stadionbüdchen. Der Filterkaffee ist aber mittlerweile leer. „Ich habe noch Kaffee Crema aus der Maschine im Angebot“, sagt Mohan. Die Frau nickt und sagt: „Der ist auch lecker.“ Mohan reicht ihr den Becher. Die Frau muss dieses Mal nicht bezahlen. Schließlich gab es nur Kaffee Crema.
Sie und ihre Freundinnen gehören zu den Stammkunden. „Viele sehen wir jeden Tag“, sagt Mohan. „Da kommt man ins Gespräch und weiß auch, was bei den Leuten so los ist.“ Ihm ist das wichtig. Gerade will Mohan erzählen, wie die Stammkundschaft auf ihn als neuen Besitzer reagiert hat, da geht schon wieder die Tür auf. Ein Mann fragt, ob er noch ein Käsebrötchen bekommen kann. Mohan hat aber keine mehr. „Wenn du morgen kommst, lege ich dir eins zurück“, sagt er. Der Mann ist einverstanden. Beim Herausgehen ruft er Mohan noch schnell seinen Namen zu. Damit ist ihm das Brötchen am nächsten Tag sicher.
Familiäre Atmosphäre im Stadionbüdchen in Leverkusen
Dann erzählt Mohan vom Eröffnungstag am Kiosk. „Mein Partner und ich, wir sind beide Tamilen aus Sri Lanka“, sagt er. Er ist zwar in Deutschland geboren, der Kultur fühlt er sich aber sehr verbunden. So gehört es bei ihnen zur Tradition, dass man eine Ladeneröffnung mit Freunden und Familie feiert. „Es gibt Kaffee und Kuchen, man isst zusammen“, sagt Mohan. So war es auch am Eröffnungstag des Stadionbüdchens. „Wir hatten den Kiosk aber schon für die Kunden geöffnet.“ Und so kamen die Stammkunden direkt mit den Freunden und Familien der neuen Besitzer ins Gespräch. „Wir haben natürlich das Essen mit ihnen geteilt“, sagt der Kioskbetreiber. Das sei gut angekommen. „Da wussten die Leute direkt: Das hier ist ein familiärer Betrieb.“
Und so sieht Mohan seine Stammkunden ein bisschen wie eine Familie. Viele, die hereinkommen, geben ihm die Hand. Manche erzählen von ihrer Arbeit. Einer verabschiedet sich mit den Worten: „Ciao, Baby!“ Andere wollen vor allem Süßkram. So wie die Frau mit Gehstock, die nachfragt, ob ihre Schokolade jetzt endlich im Sortiment ist. „Da habe ich letztens Bescheid gesagt, dass ihr die bestellen sollt.“ Mohan sucht im Regal, aber findet sie nicht. Dann sieht er im Kühlschrank nach. Mit Erfolg. „Eine oder zwei Tafeln?“, fragt er. Die Frau will nur eine haben. Schließlich seien „das ja keine Supermarktpreise hier“. Das bringt Mohan nicht aus der Ruhe. Er wünscht der Frau einen schönen Tag.

Das Stadionbüdchen liegt direkt auf dem Weg zur Bayer-Arena.
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Sein Resümee nach den ersten Monaten? „Es ist viel zu tun, aber es macht richtig Spaß.“ Das Stadionbüdchen ist jeden Tag bis 22 Uhr geöffnet. Meistens teilt er sich die Schichten mit seinem Partner. Mohans Frau greift ihm unter die Arme. Es gibt aber auch Tage, an denen er von morgens bis abends im Stadionbüdchen hinter der Theke steht. „Das kann schon anstrengend sein.“ Immerhin kommt die Bewegung dabei nicht zu kurz. Mohan befüllt Kühlschränke, sucht nach Paketen, schaut nach, was vor dem Büdchen so los ist. „Ich komme locker auf meine 15.000 Schritte am Tag.“ Manchmal setzt er sich auch zu den Stammkunden, die sich vor dem Büdchen auf den Bänken unterhalten.
Wieder geht die Tür auf. Ein Mann kommt rein und kauft eine Cola. „Danke nochmal für gestern“, sagt er zu Mohan. „Du hast mich echt gerettet.“ Der grinst und fragt nur: „Hast du jetzt wieder welches?“ Der Mann schüttelt den Kopf. „Aber später gehe ich welches holen.“ Dann winkt er und geht raus. „Das ist ein Nachbar von uns“, sagt Mohan hinterher. „Dem haben wir gestern mit einer Rolle Klopapier ausgeholfen.“ So läuft das eben im Stadionbüdchen, wie bei einer Familie.
