Kommt der Mann, der am 12. Februar barfuß und auch ansonsten leicht bekleidet auf der Polizeiwache in der Heymannstraße aufgetaucht war, nächstes Mal? Michael Greve, Vorsitzender Richter der 23. Großen Strafkammer am Kölner Landgericht, hofft das sehr. Vor knapp drei Wochen hatte sich der Mann trotz Ladung nicht sehen lassen. Das erschwert es außerordentlich, die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft zu untermauern. Darin ist von einem besonders schweren Raub mit gefährlicher Körperverletzung die Rede. Sie stützt sich auf die Angaben des Opfers, der an jenem Februartag gegen 18.30 Uhr in ein Haus an der Friedensstraße in Wiesdorf gekommen war, weil er sich dort mit einem Bekannten verabredet hatte.
Statt eines Gesprächs gab es Faustschläge; dem Rheindorfer soll ein Messer an den Hals gehalten worden sein. Außerdem wurde er gründlich ausgeraubt. Sogar seine Kleidung habe er ausziehen müssen. Das war jedenfalls seine Darstellung bei der Polizei. Dass es um Geld ging, bestreitet auch der Angeklagte nicht. Hassan L. (Name geändert) allerdings sagt, dass er dem Bekannten aus Rheindorf 3000 Euro geliehen habe – damit sollten die Eltern des Opfers ihre letzte Fluchtetappe aus Bulgarien nach Deutschland bestreiten.
Wer hat wem Geld geliehen?
Laut Opfer war es genau andersherum: Hassan L. habe ihn bei einem Treffen eine Woche vorher um Geld angeschnorrt, das habe er verweigert. Am 12. Februar habe er sich das Geld dann mit Gewalt angeeignet: rund 200 Euro. Das wäre auf jeden Fall ein Motiv.
Dachten auch die beiden Polizisten, die am Abend des 12. Februar die Aussage des Opfers aufnahmen. Allerdings hatte die Polizistin, die ihn in der Heymannstraße befragte, so gut wie keine Erinnerung mehr an die Sache. Ja, der Mann „hatte keine Schuhe an“, das wusste die 29-Jährige noch. Woher er in der Zwischenzeit die Hose bekommen hatte, blieb unerklärlich: Laut Aussage hatte er sich in Wiesdorf bis auf die Unterwäsche ausziehen müssen.
Nachvollziehbar war dagegen die Verabredung zwischen Täter und Opfer über Instagram. Auch die Telefonnummer des Angreifers konnte mit Hilfe des Opfers ermittelt werden. Was die Ermittler dann damit anstellten, blieb am Mittwoch unklar. Screenshots vom Mobiltelefon des Opfers hatten sie jedenfalls angefordert und bekommen.
Gab es einen unbekannten Dritten?
Der zweite Polizist, der das Opfer später auf der K-Wache befragte, konnte sich zwar etwas besser an die Situation erinnern. Der Mann „wirkte aufgeregt“, seine Schilderungen seien im Großen und Ganzen nachvollziehbar und logisch gewesen, so die Einschätzung des 31 Jahre alten Diensthabenden. In dieser Aussage sei allerdings die Rede von einem unbekannten Dritten gewesen. Der habe ihm an der Haustür in der Friedensstraße aufgelauert und ihn dann die Kellertreppe heruntergeworfen. Dann seien die Faustschläge gefolgt, und ihm sei ein Messer an den Hals gehalten worden.
Durchaus beunruhigend fanden die Polizisten, dass der Angreifer auch den Haustürschlüssel des Opfers bei sich hatte und natürlich wusste, wo er in der Unstruthstraße in Rheindorf wohnt. Dort habe man ihn schließlich abgesetzt und gewartet, dass sich die Haustür öffnete. Eine Freundin habe dort offenkundig auf das Opfer des Überfalls gewartet. Den Rat, den Schließzylinder an der Tür austauschen zu lassen, habe der Mann nicht angenommen: kein Geld.

