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Fünf Jahre HospizarbeitIm Pallilev in Leverkusen geht es bis zuletzt um das Leben

4 min
Hospizleiter Christoph Meyer zu Berstenhorst im liebevoll gepflegten Garten des Pallilev.

Hospizleiter Christoph Meyer zu Berstenhorst im liebevoll gepflegten Garten des Pallilev.

Das Pallilev blickt auf fünf Jahre würdevolle Begleitung schwer kranker Menschen und ihrer Angehörigen zurück.

Süßer Waffelduft liegt in der Luft, aus dem Aufenthaltsraum klingt Kinderlachen. Die Stimmung ist entspannt und herzlich. Hier treffen sich jedoch nicht Freunde zum Kaffeeklatsch. Angehörige verbringen Zeit mit Menschen, deren Leben bald zu Ende geht. Jeden Mittwoch öffnet in Leverkusens erstem Hospiz, dem Pallilev in Steinbüchel, das Waffelcafé. Es ist ein Stück Normalität an einem Ort, den viele zunächst nur mit Trauer verbinden.

Ursula Wolters ist mit ihrer vierjährigen Enkelin Tilda gekommen. Ihr Mann Peter lebt seit gut einer Woche im Hospiz. Erst im Juli erhielt der 75-Jährige die Diagnose Krebs im Endstadium, alle Organe sind befallen. „Mein Mann hat gesagt, dass er keine lebensverlängernden Maßnahmen möchte. Es war sein Wunsch, in ein Hospiz zu kommen“, erzählt die 68-Jährige aus Schlebusch. Zu Hause hätte sie ihren schwer kranken Mann körperlich nicht allein versorgen können. Nachdem die Ärztin den Kontakt zum Sozialdienst hergestellt hatte, konnte Peter Wolters bereits einen Tag später einziehen. „Zuerst waren wir überrumpelt, da alles so schnell ging“, so die Angehörige. Inzwischen sind beide sehr dankbar für diese Wendung.

Ein letztes Zuhause für mehr als 800 Menschen

Am 15. Februar 2021 nahm das Pallilev seinen ersten Gast auf, mitten in der Corona-Pandemie. Nun blickt Leverkusens erstes stationäres Hospiz auf über fünf Jahre Arbeit zurück. Mehr als 800 schwer kranke Menschen sind dort seit der Eröffnung gestorben. „Unser Auftrag ist es, den Menschen ein letztes Zuhause zu geben und sie würdevoll und selbstbestimmt bis zum Ende zu begleiten“, sagt Hospizleiter Christoph Meyer zu Berstenhorst. Bewusst spreche das Team von Gästen, nicht von Patienten oder Bewohnern. Darin drücke sich die Haltung des Hauses aus: Das Hospiz verstehe sich als Herberge auf Zeit.

Hell und modern: Das Pallilev in Steinbüchel bietet schwer kranken Menschen ein letztes Zuhause.

Hell und modern: Das Pallilev in Steinbüchel bietet schwer kranken Menschen ein letztes Zuhause.

Bis zu zwölf Gäste können gleichzeitig aufgenommen werden. Im Durchschnitt bleiben sie etwa 21 Tage. Rund 90 Prozent leiden an Krebs. Häufig kommen starke Beschwerden wie Schmerzen, Luftnot oder Unruhe hinzu. Die Warteliste sei durchgehend gefüllt, berichtet der 47‑Jährige. Das Team müsse daher entscheiden, wer den Platz am dringendsten benötige. Dabei werden auch die Angehörigen begleitet. Gerade bei der Versorgung zu Hause kämen sie oft an ihre Grenzen. „Nicht selten brauchen sie mehr Unterstützung als die Gäste, die emotional und gedanklich schon viel weiter sind“, sagt Meyer zu Berstenhorst. Zwei Räume werden immer für sie freigehalten im hellen, modernen Neubau. 

Im Pallilev bestimmen die Gäste ihren Tagesablauf weitgehend selbst. Feste Essens-, Besuchs- oder Ruhezeiten gibt es nicht. Entscheidend sind die persönlichen Bedürfnisse. Deshalb wurde der Aufenthaltsraum schon mal zur Candle-Light-Location umgestaltet und Steak aus dem Lieblingsrestaurant geordert oder die Fußballmannschaft eines Bewohners traf sich zum Frühschoppen mit einer Kiste Bier. „Bis zum Tod geht es ums Leben. Mit allem, was dazugehört“, so Hospizleiter Meyer zu Berstenhorst. Auch Kinder sind ausdrücklich willkommen.

Mehrfach wurden Gäste in ihren letzten Lebensminuten mit dem Bett auf die Terrasse oder in den Garten gebracht. Dort konnten sie mit Blick in den Himmel sterben. „Wir orientieren uns an den Wünschen der Menschen“, sagt der Hospizleiter. Auch der Betreuungsschlüssel von 27 Beschäftigten im Pallilev, darunter 20 Pflegekräften, macht das möglich. Hinzu kommen 25 Ehrenamtliche. Sie begleiten Sterbende, lesen vor, gehen mit Gästen spazieren, kümmern sich um den Garten oder backen mittwochs die Waffeln. 

Die größte Herausforderung in der Hospizarbeit? Die Finanzierung. „Wir sind in erheblichem Umfang und per Gesetz auf Spenden angewiesen, 250.000 bis 300.000 Euro müssen wir jedes Jahr auf ein Neues akquirieren“, so Meyer zu Berstenhorst. „Wir haben mit Kranken- und Pflegeversicherungen einen Tagessatz vereinbart, den bekommen wir nur zu 95 Prozent ausgezahlt, die restlichen fünf Prozent unserer Kosten müssen wir über Spenden erwirtschaften“, erklärt der Hospizleiter. Der Förderverein leiste deshalb einen unverzichtbaren Beitrag, veranstalte regelmäßig kulturelle Veranstaltungen (siehe unten).

Seinen fünften Geburtstag feiert das Pallilev am Samstag, 5. September, von 11 bis 17 Uhr mit einem Sommerfest und einem Tag der offenen Tür. Besucher können das Haus und seine Angebote kennenlernen. Auch Waffeln wird es geben.


Walter Sittler und Walter Kreye

Walter Sittler liest am Samstag, 5. September, an dem Tag, für den das Pallilev auch zum Tag der offenen Tür einlädt, gemeinsam mit Walter Kreye im Erholungshaus ab 19 Uhr aus „Die zwei Päpste“ von Anthony McCarten. Sittler, häufiger Gast auch im Pallilev selbst, hat dieses Mal sogar noch mehr hochkarätigen Besuch dabei: Er bringt das Renaissance-Theater Berlin ins Erholungshaus. Karten für die Veranstaltung gibt es in Schlebusch in der Buchhandlung Gottschalk und an den üblichen Vorverkaufsstellen. Sie kosten 25 Euro. Der Erlös kommt dem Steinbücheler Hospiz zugute. (chb)