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KulturrucksackGetanzte Farben im Leverkusener Künstlerbunker

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Das Künstlerkollektiv Planet Art auf und vor den mit Farbe betanzten Leinwänden.

Das Künstlerkollektiv „Planet Art“ auf und vor den mit Farbe betanzten Leinwänden.

Die Ergebnisse aus Workshops verschiedener Förderprogramme werden ab Sonntag multimedial im Künstlerbunker präsentiert.

Astrid Kohrs hatte klare Vorstellungen, als sie aus Berlin nach Leverkusen gereist ist. Im Rahmen des Programms „Kulturrucksack“ wollte sie mit Kindern persönliche Monologe erstellen, als Schriftstück, Gedicht, Lied, Video, Bild – alle Kunstrichtungen sollten ineinander übergehen und sich ergänzen. Hier angekommen, stellte sie fest: Sie braucht den Kindern nichts vorzugeben. Und aus den Monologen wurden Protestrufe: gegen Legebatterien, Abholzung und für Klimaschutz. „Das beschäftigt die Kinder, manchmal muss man sie nur anpiksen und fragen: Was ist in dir drin und muss raus“, sagt die Schauspielerin.

Kohrs ist Teil des Künstlerkollektivs „Planet Art“ um die Leverkusener Künstlerin Britta Reinhardt, ihren Mann Hamouda Benzaid und dessen befreundete Musik- und Videokünstler Sami Fatih und Axel Vanlerberghe. Gemeinsam präsentieren sie am Sonntag, 19. Juli, im Künstlerbunker, was sie in den vergangenen Wochen mit Kindern in verschiedenen Projekten und Förderprogrammen erarbeitet haben.

Zum Beispiel, wie man Farben tanzen kann. An der Grundschule Herderstraße erzählt Hamouda Benzaid erst die traurige Geschichte der aus Mittelafrika nach Marokko verschleppten Sklaven, die auf der Gimbri, einem traditionellen Musikinstrument, ihr Schicksal in Liedern wiedergaben. Das spielt er den Kindern auch vor, studiert einen traditionellen Tanz ein – den die Kinder schließlich über eine mit Farbklecksen betupfte Leinwand ausführen. Und mit ihren Füßen die Farbe im Rhythmus der Musik verteilen. „Die Energie, die sich durch die Musik in ihnen angesammelt hat, wird so auf die Leinwand gebracht“, erklärt Reinhardt. Und spätestens, wenn sie die kunstvollen Videos sehen, die Fatih und Vanlerberghe von Benzaids Tanz gemacht haben, sind alle Kinder in den Bann gezogen.

Alles fließt ineinander

Die Künstlergruppe arbeitet mit unterschiedlichsten Medien und Materialien. „Es ist toll zu sehen, wie alles ineinanderfließt“, sagt Reinhardt. Wie ein Junge ein altes Ölgemälde der Titanic übermalt und darüber die Geschichte „Der verrückte Ozean“ schreibt. Wie aus einem Gedicht ein Lied wird und schließlich ein gemaltes Cover dazu entsteht. „So etwas müsste es im Künstlerbunker viel öfter, am besten dauerhaft geben“, sagt Reinhardt. Kinder hätten so viele Ideen, auf die sie gar nicht kommen würden, und die müssten einfach raus.

Bei „Planet Art“ lernen die Kinder, dass Kunst auf ganz unterschiedliche Weisen entstehen kann. „Ein Junge kam und sagte: Ich will nicht malen“, erzählt Reinhardt. Auf die Frage: „Was magst du denn?“ antwortete er: „Eigentlich nur Tennis spielen.“ Also brachte er zur nächsten Stunde einen Tennisschläger und Ball mit. Axel Vanlerberghe und Sami Fatih filmten mit ihm, wie der Ball durch ein Fenster hereingeflogen kommt, wie er – in Farbe getunkt – gegen eine Leinwand klatscht, unterlegten alles mit elektronischer Musik. Am Ende ist der Junge so begeistert, dass die Mutter sogar erlaubt, den Schläger auf das Bild zu kleben, um ihm den letzten Schliff zu geben. Entstanden sind ein Kunstwerk und ein Video, auf die der Junge, der nie glaubte, ein Künstler zu sein, sehr stolz ist.


Die Ausstellung

Die Präsentation der Kunstwerke aus dem Bereich Musik, Kunst, Tanz, Theater und Video findet am Sonntag, 19. Juli, von 14 bis 18 Uhr im Künstlerbunker Opladen, Karlstraße 9, statt. Die Ausstellung ist danach noch vom 20. bis 24. Juli jeweils von 16 bis 18 Uhr zu sehen. Für Schülergruppen, etwa aus OGS-Ferienprogrammen, bietet Britta Reinhardt in den ersten zwei Ferienwochen auch gesonderte Termine an. Interessierte können sich bei ihr melden unter Telefon 0172-9959395 oder per Mail an info@britta-reinhardt.com. (stes)