Das Bundesverkehrsministerium hat erneut die temporäre Seitenstreifenfreigabe für die A3 nördlich des Autobahnkreuzes Leverkusen abgelehnt. Die überregionale Bürgerinitiative „3reicht“ wird nicht müde, dem Ministerium eine Kapazitätserweiterung der A3 zwischen Hilden und Leverkusen durch temporäre Seitenstreifenfreigabe und digitale Verkehrssteuerung anstatt des geplanten achtspurigen Ausbaus schmackhaft zu machen, weil sie günstiger zu haben sein soll.
Temporäre Seitenstreifenfreigabe bedeutet, dass in Spitzenzeiten die Seitenstreifen als Fahrbahnen freigegeben und über eine Videoanlage überwacht werden.
In Zeiten rasanter Klimaerwärmung könnte man so an der A3 auf die Asphaltierung von zwölf Hektar verzichten, sagen die Befürworter. Naturschutzgebiete sind davon berührt. Weitere Argumente: Die Seitenstreifenfreigabe könnte bei wesentlich geringeren Kosten 90 Prozent der Kapazität einer Erweiterung auf acht Spuren bringen – und das mit weniger Enteignungen, weniger Verlust von Natur und Vereinsgeländen.
Plötzlich neue Zahlen
Das Verkehrsministerium lässt sich aber nicht auf diese Lösung ein. Die Behörde argumentiert mit Zahlen: Für die Seitenstreifenfreigabe, die die Straßenbauer ohnehin nur als vorübergehende Lösung bis zu einem späteren Vollausbau ansehen, veranschlagt das Ministerium 240 Millionen Euro inklusive der erforderlichen Brückenersatzneubauten. Für den endgültigen achtstreifigen Ausbau 308 Millionen Euro.
Das seien vollkommen neue Zahlen, schreibt die Bürgerinitiative in einer Antwort und umschreibt höflich den Verdacht, dass die Zahlen zurechtgebogen werden: Das Ministerium veranschlage jetzt plötzlich für die Seitenstreifenfreigabe einen viel höheren Betrag und für den Vollausbau der A3 viel weniger. Der Vollausbau sollte nach einer früheren Berechnung nämlich 531,3 Millionen.
Genau andersherum sind die neuen Zahlen, was die Kosten für die Seitenstreifenfreigabe angeht: Statt, wie in der Machbarkeitsstudie berechnet, 59 Millionen Euro, soll sie jetzt 240 Millionen kosten. Belege für die Steigerung legt das Ministerium dem Brief nicht bei, die möchte die Bürgerinitiative jetzt aber sehen.
Die Bürgerinitiative ist mit ihrer Forderung nach der Seitenstreifenfreigabe nicht allein: Dass die A3 auf diese Art ausgebaut werden soll, dafür sprechen sich die Städte Leverkusen, Solingen, Mettmann, Hilden, Langenfeld und die zwei IHK-Verbände Düsseldorf und Wuppertal-Solingen-Remscheid aus.

