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Hochwasser 2021Im Klinikum Leverkusen steht die Flutkatastrophe noch auf der Tagesordnung

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Klinikum Leverkusen muss evakuiert werden. Notstrom ist ausgefallen. Foto: Ralf Krieger

Das letzte Licht in der Flutnacht im Juli 2021. Kurze Zeit später fiel auch der Notstrom im Klinikum Leverkusen aus. Es musste evakuiert werden. 

Viel kritische Infrastruktur wurde verlegt, nachdem die komplette Stromversorgung ausgefallen war. Eine Hochwasser-Schutzwand soll noch gebaut werden.

Sechs Tage danach war der absolute Ausnahmezustand vorbei. Das war nicht abzusehen in der Nacht auf den 15. Juli 2021 – da musste das Klinikum komplett evakuiert werden. 468 Menschen waren betroffen, und so viele wie möglich wurden nach Hause geschickt. Die Dhünn hatte ein nahes Tiefgeschoss überflutet, in dem das stand, was man inzwischen Kritische Infrastruktur nennt: die Stromversorgung des gesamten Krankenhauses. Auch Notstrom und Batteriepuffer waren von den Fluten betroffen.

Normalerweise hätte es Wochen gedauert, diesen riesigen Schaden zu beheben. Das zeigte ein Rundgang wenige Tage nach der Überflutung: Der Keller war komplett verschlammt, keines der vielen Aggregate irgendwie funktionsfähig. 

EVL-Trafo mit Sandsäcken steht im Dhünn-Hochwasser.

Ein Trafo mit Sandsäcken konnte während der Flut gerettet werden. Am Stromausfall änderte das freilich nichts.

An ein Dhünn-Hochwasser ungeahnten Ausmaßes hatte niemand gedacht, als im Klinikum beschlossen wurde, die Stromversorgung des gesamten Komplexes eine Etage höher zu legen. Als dann das Wasser in den Keller strömte, richteten sich irgendwann alle Augen auf eine Treppe in das nächste Stockwerk. Ein paar Zentimeter darunter blieb das Wasser stehen. Was nichts anderes bedeutete, als dass die neue Trafozentrale heil bleiben würde.

Es sei dennoch ziemlich viel Aufwand gewesen, die Stromversorgung viel früher als geplant anzuschließen, hieß es aus dem Klinikum. Aber weil davon plötzlich der Betrieb des gesamten Komplexes abhing, wurde fieberhaft daran gearbeitet – und das Klinikum ging eben jene sechs Tage später wieder in Betrieb.

Patient wird zum Rettungswagen gefahren.

Ein Patient wird zu einem Rettungswagen gefahren, während der Evakuierung des Klinikums beim Hochwasser 2021.

Dass durch das Hochwasser keine Personen zu Schaden kamen, lag am Einsatz der Rettungskräfte und der Ärztinnen und Ärzte im Klinikum. Als auch der Notstrom ausgefallen war, mussten Patienten im Schein von Handylicht versorgt werden. Frühchen wurden in Brutkästen über die Treppen zum Rettungswagen gebracht – ohne Strom natürlich auch kein Aufzug.

Der materielle Schaden ist indes erheblich. Auf insgesamt 34 Millionen Euro beziffert ihn auf Anfrage David Posor, Sprecher im Klinikum. In der Summe verbirgt sich auch der Einnahmeausfall, weil das Haus phasenweise nicht am Netz war und erst nach und nach alle Kliniken wieder Patienten aufnehmen konnten. 14,3 Millionen Euro seien von der Versicherung ersetzt worden, so der Sprecher. Aus dem Hochwasserfonds seien 18,3 Millionen Euro geflossen. „Das Delta haben wir aus Eigenmitteln gestemmt“, so Posor.

In den Gängen im Klinikum: Aufräumen nach dem Hochwasser. Foto: Ralf Krieger

In den Kellergängen stand nach der Flut der Schlamm.

Zu den Lehren aus dem Hochwasser gehört neben der Verlagerung der zentralen Stromverteilung sowie anderer kritischer Infrastruktur in höhere Gebäude ein Projekt, das fünf Jahre nach der Naturkatastrophe noch nicht verwirklicht werden konnte: Am Dhünn-Ufer soll eine Hochwasserwand errichtet werden. Das sei 2023 beschlossen worden, „nach einer ausgiebigen Prüfung von Schutzmöglichkeiten und Förderfähigkeit“, ergänzt der Sprecher.

Trockner und Schaltschränke im Klinikum

Schaltschränke mussten mit riesigen Trocknern behandelt werden.

Der Hochwasserschutz soll als Spundwand ausgeführt werden und rund fünf Meter von der Böschungskante  dem Wegeverlauf an der Dhünn folgen, also auf der Grundstücksgrenze des Klinikums. An der höchsten Stelle sollen sie 1,66 Meter hoch werden. Das ist gegenüber der Tiefgarageneinfahrt. In Richtung Hochhaus soll die Wand dann „auf Null auslaufen“. Auf der anderen Seite der Tiefgarageneinfahrt wird die Schutzwand nicht komplett im Boden versinken, sondern sich nur auf 60 Zentimeter Höhe reduzieren. Das ist an der Fußgängerbrücke. 

Die Wand wird absehbar allerdings keinen Schutz vor einem derart außerordentlichen Hochwasser wie vor fünf Jahren bieten. In der Fachterminologie entspricht der Wasserstand von Mitte Juli 2021 einem 1000-jährigen Hochwasser. Davor, so zeigt sich auch immer wieder in anderen Planungen, mit denen in Leverkusen auf die Flut reagiert wird, kann man sich baulich nicht abschotten.