Trockenheit und Hitze setzen den Landwirten zu. Auf dem Hof Jüch in Steinbüchel muss Marcus Vogel deshalb genauer denn je überlegen, welche Pflanzen noch genug Wasser bekommen.
LandwirtschaftDer Regen fehlt auf den Leverkusener Feldern

Marcus Vogel baut unter anderem Sonnenblumen an. Jeden Tag brauchen sie Wasser, damit sie weiterwachsen können.
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Auf einem Feld wachsen Pflanzen in satten Grüntönen. Dazu gehören Zucchini, ihre Blätter bedecken den Boden. Gegenüber entwickeln sich Sonnenblumen. Die zarten grünen Triebe sind erst in den letzten Tagen aus der Erde gesprossen. Gestern Abend war Marcus Vogel wieder hier. Er hat die jungen Sonnenblumen bewässert. Jeden Tag brauchen sie Wasser, damit sie weiterwachsen können.
Der Hof Jüch ist ein vergleichsweise kleiner landwirtschaftlicher Betrieb und nah an der Stadt. Marcus Vogel baut Äpfel, Zucchini, Grünkohl, Wirsing, Kürbisse, Zierkürbisse und Sonnenblumen an. Einen großen Teil seines Gemüses verkauft der 58-Jährige selbst auf Wochenmärkten. Er wirkt typisch rheinisch: herzlich, gemütlich, zuversichtlich. Wenn er über den Sommer spricht, wird aber schnell deutlich, dass die Trockenheit seine Arbeit in den nächsten Jahren verändern wird.
Wenn der Lehmboden hart wird
„Wir haben hier Lehmboden“, sagt Marcus Vogel. Bei anhaltender Trockenheit wird die Bearbeitung schwierig. Der Boden ist so hart, dass er derzeit nicht wie gewohnt gepflügt werden kann. Das Problem betrifft nicht nur die Pflanzen, die gerade auf den Feldern stehen. Auch für die nächste Aussaat müssen die Äcker vorbereitet werden.
Peter Lautz, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Rhein.-Berg beschreibt die Lage in der Landwirtschaft als zunehmend schwierig. Besonders Mais brauche dringend Regen. Wo es möglich ist, werden Gemüse- und Kartoffelfelder bereits seit Wochen beregnet. Der Arbeitsaufwand sei enorm. „Die beste Option ist ein Dauerregen“, sagt Peter Lautz.

Einige Pflanzen müssen stärker mit Wasser versorgt werden.
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Die Folgen der Trockenheit zeigen sich nicht nur bei dem, was gerade wächst. Marcus Vogel beobachtet, dass manche Pflanzen kleiner bleiben und Mengen fehlen. Für den Herbst erwartet er deshalb ein knapperes Angebot.

Die Böden auf dem Hof von Marcus Vogel sind trocken. Regen wird dringend benötigt.
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„Es ist wie in vielen anderen Regionen in NRW auch in Leverkusen und Umgebung viel zu trocken“, sagt Jan-Malte Wichern von der Landwirtschaftskammer NRW. Besonders auf leichten, sandigen Standorten leiden Zuckerrüben, Mais und Kartoffeln unter Hitze und Trockenheit. Vor allem bei Zuckerrüben und Mais sei von Ertragsausfällen auszugehen.
Bei Mais zeigen sich die Folgen nach Angaben der Landwirtschaftskammer bereits deutlich. Im Rheinland und in den nordwestlichen Landesteilen stehen die Bestände nach dem ausgebliebenen Regen im Juli unter Trockenstress. Auf leichten, sandigen Böden finden sich vereinzelt Maisbestände ohne Kolben. Auch bei Zuckerrüben sterben auf leichteren, sandigeren Böden teilweise Pflanzen ab. Insgesamt geht die Landwirtschaftskammer für Nordrhein-Westfalen derzeit von unterdurchschnittlichen Zuckerrübenerträgen aus. Ein ausgiebiger Landregen könnte noch einen Teil der lebenden Bestände retten – bei manchen Pflanzen komme der Regen allerdings bereits zu spät.
Nächste Ernte steht unter Druck
Für Marcus Vogel ist die Trockenheit damit nicht nur ein Problem der aktuellen Ernte. Sie reicht bereits in die nächste Anbausaison hinein. Auch die Landwirtschaftskammer beobachtet diese Entwicklung. Nach der Getreideernte konnten die Böden in vielen Fällen wegen der Trockenheit noch nicht bearbeitet werden. Damit fehlt teilweise die Vorbereitung für die Ende August anstehende Rapsaussaat.
Hält die Trockenheit an, könnte es schwierig werden, den Raps überall rechtzeitig auszusäen. Nach Angaben des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima NRW war der Juli 2026 der trockenste Juli in Nordrhein-Westfalen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – noch trockener als der bisherige Rekordmonat Juli 2018.
Wir können uns nur auf Sorten spezialisieren, die tiefer wurzeln.
Was können Marcus Vogel und andere Landwirte tun, wenn solche Sommer zur Normalität werden? Größere Maschinen könnten im Einzelfall helfen, die ausgetrockneten Böden aufzubrechen. Für den kleinen Hof wäre das allerdings keine dauerhafte Lösung. Vogel setzt deshalb eher auf die Pflanzen selbst. „Wir können uns nur auf Sorten spezialisieren, die tiefer wurzeln“, sagt er. Auch mit Kollegen tauscht er sich aus und schaut, wie andere Regionen mit Trockenheit umgehen. In den Niederlanden würden neue Methoden erprobt, etwa der Anbau von Salat auf Wasserflächen. Ob solche Verfahren auch in Leverkusen funktionieren, muss sich zeigen.
Für Marcus Vogel wird vor allem entscheidend sein, welche Felder zuverlässig mit Wasser versorgt werden können. „Es gibt keine Alternative“, sagt er. Sein Wunsch ist deshalb vor allem ein langfristiger und pragmatischer Umgang mit dem Klimawandel und seinen Folgen. Kurzfristige Reaktionen der Politik auf jeden heißen Sommer reichen aus seiner Sicht nicht. Wenn sich die Bedingungen verändern, müsse sich auch die gesamte Wirtschaft verändern. „Es geht nicht immer weiter“, sagt Marcus Vogel.
