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SpezialchemieherstellerLevaco hat im Chempark Leverkusen zwei Tanks gekauft

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Neues Firmenschild von Levaco auf dem Chempark-Gelände

Neues Firmenschild von Levaco auf dem Chempark-Gelände

Die Levaco Chemicals GmbH lagert in den Tanks zwei Chemikalien zwischen, ohne die ihre Produkte nicht denkbar sind. 

Die Tankanlage auf dem Chempark-Gelände wirkt für den unbeteiligten Betrachter zunächst unspektakulär. Man sieht hier, direkt am Rheinufer, ein Bahngleis, daneben armdicke Rohre, die in zwei Stutzen enden. Ethylenoxid steht auf dem einen, Propylenoxid auf dem anderen Stutzen. Und einen kleinen Tank. Aber der hat mit den beiden Oxiden nur mittelbar etwas zu tun. Die Tanks für die beiden Chemikalien liegen unter der Erde. Sie befinden sich jeweils unter einem Kiesbett, zeigt Andreas Hamm, Produktionsleiter des Spezialchemikalienherstellers Levaco Chemicals GmbH, bei einem kurzen Rundgang.

Alle drei Tage, so Hamm, komme ein Kesselwaggon mit etwa 70 Tonnen eines der beiden Rohstoffe auf dem Gleis an. Die Chemikalien werden als Flüssiggase transportiert. Über die Rohre werden sie in die Tanks gepumpt, die jeweils 106 Kubikmeter fassen. Sie bleiben dort aber nicht lange. So wie es die Levaco-Produktion zwei Kilometer weiter nördlich auf dem Chempark-Gelände benötigt, gelangen Ethylen- und Propylenoxid über Rohrleitungen dorthin. 

Weil Levaco mittlerweile der bei weitem größte Abnehmer für die Grundstoffe aus der Petrochemie ist – 70 Prozent der im Chempark verarbeiteten Menge benötigt der Spezialchemiehersteller – entschloss man sich, die Tanks, die bislang Lanxess gehörten, zu kaufen. „Für einen einstelligen Millionenbetrag“, wie Jens Becker, CFO und Geschäftsführer von Levaco, erläuterte.

Levaco-Finanzchef Jens Becker im Gespräch mit Mitarbeitern.

Levaco-Finanzchef Jens Becker im Gespräch mit Mitarbeitern.

Rund um die Tanks sind die Sicherheitsvorkehrungen hoch. Sechs Sensoren kontrollieren ständig, ob es trotz aller Kontrollen doch irgendwo ein ungewolltes Entweichen eines der Gase gibt. Sollte es beim Abpumpen der Flüssiggase in die Tanks hinein ein Problem geben, schließen sich die Ventile in den Einfüllstutzen automatisch.

Der eingangs erwähnte kleine, zylinderförmige Tank enthält Kühlmittel. Die unterirdischen Tanks werden ständig gekühlt. Mit einer redundanten Anlage: Fällt eine aus, steht eine zweite bereit. Die Tanks in der Erde sind in einer Wanne gelagert. Kommt es zu einem Austritt von Ethylen- oder Propylenoxid, gelangt es nicht ins Erdreich, ins Grundwasser oder in den Rhein, sondern bleibt in der Wanne. Der Aufwand ist angemessen. Ethylen- und Propylenoxid sind beide krebserregend, giftig und explosiv. Hamm: „Deswegen muss man bestimmte Sicherheitsvorkehrungen treffen.“ Fotos von der Anlage gibt es allerdings keine. Außenstehenden ist das Fotografieren auf dem Chempark-Gelände nicht erlaubt. Und ein von Levaco engagierter Fotograf schaffte es aus nicht näher bekannten Gründen nicht bis zu den Tanks am Rheinufer.

Levaco-Firmensitz

Im Manforter Innovationspark sind Technikum und Verwaltung von Levaco angesiedelt. Die Produktion ist im Chempark.

Sicherheit wird auch in anderer Hinsicht auf dem Chempark-Gelände hochgehalten. Zur Feier des Tages haben die Levaco-Verantwortlichen vor einem kleinen Backsteingebäude, an dem sie kurz darauf das Levaco-Firmenschild enthüllen, einen Stehtisch mit ein paar Gläsern alkoholfreiem Sekt und anderen Getränken aufgestellt. Als ein Werkschützer im Auto vorbeikommt und die Sektgläser sieht, hält er an und fragt nach dem Inhalt der Gläser. Die Antwort, dass es sich um alkoholfreien Sekt handelt, genügt ihm nicht. Er lässt sich die Flasche zeigen. Erst dann fährt er weiter. Alkoholkonsum ist im gesamten Chempark verboten.

Das Unternehmen Levaco, das diesen Namen erst seit 2014 trägt, stellt aus den Chemikalien „oberflächenaktive Stoffe“ (Becker) her, die etwa dafür sorgen, dass sich Agrochemikalien gleichmäßig auf Pflanzen verteilen. Auch Entschäumer gehören dazu. „Nach der Ernte werden Zuckerrüben gereinigt“, macht Becker ein Beispiel. „Bei diesem Prozess entsteht viel Schaum. Unsere Entschäumer sorgen dafür, den Schaum abzubauen.“ Unternehmen der Lebensmittelverarbeitung seien große Kunden von Levaco, so Becker weiter.

„Die Übernahme der beiden Tanks ist ein wichtiger Schritt für Levaco“, betonte der Finanzchef des Unternehmens. „Der Erwerb der Tanklager-Infrastruktur ist ein klares Bekenntnis zu unserem Standort in Leverkusen und eine weitere Säule unserer Wachstumsstrategie. Unser Fokus auf Spezialisierung ist zukunftsträchtig, und deshalb investieren wir gezielt in die Infrastruktur, die dafür die Grundlage bildet“, wird Marius Mühlenberg, Vorstandschef von Levaco, dazu in einer Mitteilung des Unternehmens zitiert.

Becker hob hervor, dass die Übernahme der beiden Tanks auch ein Bekenntnis zum Standort sei. „Wir investieren damit in Leverkusen. Unsere Mitarbeiter verbinden chemisches Wissen mit Erfahrung in der Anwendungstechnik. Wir verstehen uns mit diesem Investment auch als Mutmacher, am Standort Deutschland zu investieren.“


Levaco gehört zu Bremer Unternehmen

Den Firmennamen bekommt Levaco 2014 vom Bremer Diersch & Schröder-Konzern. Die in der Energie- und Chemiebranche tätige Firmengruppe hatte die Firma unter dem Namen Tanatex gekauft. Dessen Wurzeln reichen in den Bayer-Konzern zurück. Heute hat Levaco etwa 180 Mitarbeiter, davon allein 70 in Produktion und Technik, und erwirtschaftet einen Umsatz von etwa 100 Millionen Euro bei einer Umsatzrendite von vier bis fünf Prozent.

Der Firmensitz ist seit Anfang 2024 im Manforter Innovationspark, die Produktion liegt im Chempark. 2024 erhielt die Levaco Chemicals GmbH den Unternehmenspreis der städtischen Wirtschaftsförderung Leverkusen (WFL), unter anderem für ihr „starkes Bekenntnis zur Nachhaltigkeit“, so die WFL damals. Der russische Angriffskrieg habe die Energiekosten des Unternehmens verdoppelt, sagte Levaco-Finanzchef Jens Becker dazu am Montag. „Wir haben modernisiert und Strom gespart und so unsere Stromkostenerhöhung von 100 auf 50 Prozent reduziert.“ (ps)