KunsttageMuseum Morsbroich eröffnet Kunstfest mit Ausstellung „Yours truly,“

Lesezeit 3 Minuten
Ein Coup der Ausstellung „Yours truly,“ im Museum ist der von Kindern kuratierte „Proberaum“.

Ein Coup der Ausstellung „Yours truly,“ im Museum ist der von Kindern kuratierte „Proberaum“.

Im Museum eröffnet pünktlich zu den „Morsbroicher Kunsttagen“ die Ausstellung „Yours truly,“.

Seit er auf dem Direktorenposten des Museums Morsbroich sitzt – und das sind mittlerweile gut zwei Jahre – wurde Jörg van den Berg nicht müde zu betonen: Das von ihm geleitete Haus für Gegenwartskunst solle ein gegenwärtiges Haus der Kunst werden. Der Gedanke an einen Ausstellungsbetrieb nach „Schema F“ – Ausstellung, Abbau, neue Ausstellung, Abbau, weiter geht es – werde ad acta gelegt.

Und jetzt? Eröffnen er und sein Team um Kuratorin Thekla Zell, Kurator Fritz Emslander und Kunstvermittlerin Lucia Riemenschnitter mit „Yours truly,“ eine Ausstellung. Eine aus der eigenen Sammlung und mit Leihgaben bestrittene. Und nach zwei Jahren des Experimentierens und des Angebotes an alle Menschen dieser Stadt, sich an der Gestaltung des Museums in stetig wechselnden Räumen des Ausprobierens wie dem „Parklabyr“ zu beteiligen, könnte man meinen: Jetzt geht es dann also doch wieder zurück zum klassischen Aufeinandertreffen des Kunstwerks an der Wand mit dem Betrachtenden davor.   

Der Gast als Teil des Ganzen

Indes: Genau so ist „Yours truly,“ nicht gedacht. Diese Schau ist adressiert an den Gast als relevanten und unabdingbaren Teil des Ganzen. Sprich: Ohne denjenigen, der ein Bild, eine Skulptur, eine Installation betrachtet, könne ein Werk nicht zum Kunstwerk werden, sagt van den Berg. Der Satz der verstorbenen Lyrikerin Barbara Köhler „Es braucht ein Ich, um ‚Wir‘ zu sagen“ stehe exemplarisch für den Ausstellungstitel. Durch die Betrachtung von mitunter extrem persönlichen Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler erkenne der Mensch, der ins Museum komme, sich selbst. Eine Wechselwirkung, die Gemeinschaft erzeugt.   

Angeregt wird diese Selbstreflexion unter anderem durch das „Monochrome Bleu“ Yves Kleins, das gemeinsam mit Juan Munoz' „Dwarf with a knife“ einen Raum bespielt. Kleins Bild wurde dafür erstmals aus seinem Rahmen gelöst, um „Freiheit und Raum“ zu bekommen, wie Zell betont. Die Skulptur des Kleinwüchsigen, der ein Messer in der Hand hält und aus dem Fenster gen Park blickt, erzeuge parallel zur wuchtigen optischen Wirkung des Blaus an der Wand eine ganze Reihe von Assoziationen und Gedanken beim Betrachter oder der Betrachterin. Ebenso im Falle der Plastik „In my blood“ von Tarik Kiswanson, in der der Künstler – geprägt durch eine Fluchthistorie in der Familie – sein eigenes Blut verarbeitete und extrem persönlich wird.      

Ausstellung „Yours truly,“, Yves Klein  „Monochrome bleu“, Juan Munoz „Dwarf with a knife“.

Juan Munoz „Dwarf with a knife“ blickt vor Yves Kleins „Monochrome bleu“ aus dem Schlossfenster.

Im Obergeschoss wiederum ist dem Museumsteam ein Coup gelungen: Hier gestalteten die Kinder, die regelmäßig als „Schlossgespenster“  an den Angeboten der Kunstvermittlung teilnehmen, einen eigenen Ausstellungsraum: Sie gingen mit Riemenschnitter in die Sammlung des Museums, suchten sich Bilder, Collagen und Skulpturen aus und hängten sie nach eigenen Vorstellungen und in ihrer Betrachtungshöhe an die Wände. Noch aktiver kann Museum nicht gestaltet werden. In Zukunft soll der Raum als „Proberaum“ regelmäßig von Kindern und Jugendlichen bespielt werden – und somit stets neue Impulse und Betrachtungsweisen von Kunst offenbaren.      

Ausstellung „Yours truly,“, Gabriela Obefkofler und Antje Schiffers: „Remisenbar“. Leverkusen, Museum Morsbroich.

Gabriela Obefkoflers und Antje Schiffers' „Remisenbar“ im Gartensaal.

Eröffnet wird die Ausstellung „Yours truly,“ am kommenden Wochenende, wenn am Samstag und Sonntag, 13. und 14. Mai, jeweils von 11 bis 17 Uhr die vierten Morsbroicher Kunsttage stattfinden und Besucherinnen und Besucher eingeladen sind, das Museum, den Schlosspark und die Remisen des Schlosses mit Kunstverein und Gartensaal zu erkunden.

Die Kuratorinnen und Kuratoren können unter dem Motto „Share a curator“ jederzeit für Hintergrundinfos hinzugerufen werden. Im Gartensaal präsentieren die Künstlerinnen Gabriela Oberkofler und Antje Schiffers ihre an Fäden hängende Installation „Remisenbar“ – ein Kunstwerk, das sich humorvoll und wunderbar kreativ am klischeehaften Bild der üppig-dekadenten Speisetafel der gut Betuchten abarbeitet. Zudem wird es Diskussionsrunden und zahlreiche Aktionen geben. Das komplette Programm ist im Internet zu finden.     

Nachtmodus
KStA abonnieren