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Toiletten, Angsträume, MusikangeboteLeverkusener Politiker verhandeln über Wünsche der Jugend

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Öffentliche Toiletten am Busbahnhof Leverkusen

Öffentliche Toiletten gibt es am Busbahnhof Leverkusen und an wenigen anderen Stellen im Stadtgebiet.

Der Bau- und der Bildungsausschuss hatten am Montag auch eine Reihe von Anträgen des Jugendstadtrates auf der Tagesordnung.

Im Bau- und im Bildungsausschuss gab es am Montag viel Lob aus verschiedenen politischen Fraktionen für das politische Engagement der Jugendlichen im Jugendstadtrat. Die Mädchen und Jungen hatten auf ihrer Sitzung Mitte März eine ganze Reihe von Beschlüssen gefasst, mit denen sich jetzt die erwachsenen Politikerinnen und Politiker auseinandersetzen.

Bessere Straßenbeleuchtung und LEDs in Gebäuden

Bessere Beleuchtung auf städtischen Straßen hatte der Jugendstadtrat beantragt und den erwachsenen Politikern dazu eine konkrete Liste mit elf Straßen oder Teilstücken von Straßen mitgegeben, wo es „nach der Abenddämmerung aufgrund defekter oder fehlender Straßenbeleuchtung zu dunkel“ ist, wie die Jugendlichen ihren Antrag begründen. Sie liefen damit ein offenes Tor im Bauausschuss ein, denn die Verwaltung berichtete, dass die derzeit noch auf vielen Straßen verwendeten traditionellen Glühlampen durch moderne LED-Leuchtkörper ersetzt werden, die heller leuchten. Zwei der von den Jugendlichen als besonders düster aufgelisteten Straßen – die Weddigen- und die Speestraße – seien in dem mit mehreren Millionen Euro unterlegten Umrüstprogramm bereits erledigt. Als Nächstes ist auf der Manforter Straße, der Walter-Nerz-Straße und der Hindenburgstraße die Erneuerung der Beleuchtung geplant.

Der Ausschuss erklärte den Antrag der Jugendlichen damit ebenso für erledigt wie das Thema Umrüstung der Leuchtkörper in städtischen Gebäuden. Für den Austausch der alten Leuchten dort gebe es „eine gewisse Reihenfolge“, erklärte Gregor Steiniger aus dem Baudezernat. Aber man sei auch an dem Thema dran.

Angsträume in Luminaden und City C

Mehr Licht in den Luminaden und in der weitgehend leerstehenden City C war ein weiterer Wunsch des Jugendstadtrates, denn sie seien „sehr verwinkelt und dunkel“. Und weiter: Oftmals halten sich an diesen Orten Leute, die unter dem Einfluss von BTM (Betäubungsmitteln, Red.) stehen, auf. Gerade vor diesen Leuten haben Jugendliche Angst. Häufig benutzen Kinder und Jugendliche diesen Weg, um zu der danebenliegenden Musikschule zu gelangen. Zwar nannte Ina Biermann-Tannenberger (CDU) den Antrag „mehr als nachvollziehbar“. Allerdings müsse der Stadtrat überlegen, „wie viel Geld wir in die City C noch investieren“.

Julian Frohloff, Sprecher der Stadtentwicklungsgesellschaft Levi, die den weitgehenden Abriss der City C mit anschließendem Wohnungsneubau vorantreibt, erläuterte, die Leuchten auf den öffentlich zugänglichen Wegen in den Luminaden und der City C leuchteten die ganze Nacht. Nachts kontrolliere man zusätzlich die beiden Einkaufspassagen. Und frühmorgens würden beide Malls täglich gereinigt. Der Bauausschuss erklärte auch diesen Antrag für erledigt.

Öffnung der Schulhöfe am Nachmittag

Mehr kostenlose Freizeiträume, womöglich mit Fitnessangeboten, ist ebenfalls ein Antrag des Jugendstadtrats. In der Debatte im Bauausschuss dazu wurde schnell klar, dass es für nötige Investitionen dazu kein Geld gibt. Für den Bau weiterer Calisthenics-Anlagen – es gibt fünf im Stadtgebiet – müsste aber investiert werden. Auch die von den Jugendlichen vorgeschlagene Öffnung von Schulhöfen am Nachmittag kostet Geld, so die Verwaltung, weil man dann Personal einsetzen müsste, um die Schulhöfe am Abend zu schließen. Immerhin beschloss der Bauausschuss, dass die Verwaltung prüfen solle, ob die Schulhoföffnung nicht doch in Einzelfällen kostenfrei möglich ist.

Mehr und saubere öffentliche Toiletten

Wohin, wenn man mal muss? Diese Frage liegt der Forderung der Jugendlichen nach mehr öffentlichen, kostenfreien Toiletten im Stadtgebiet zugrunde. Denn es gibt aktuell gerade einmal fünf stille Örtchen im Stadtgebiet. Und die sind aus Sicht der Jugendlichen häufig nicht sauber genug. Sozialdezernent Alexander Lünenbach teilte mit, die öffentlichen Toiletten würden täglich zweimal von Mitarbeitenden der Technischen Betriebe Leverkusen (TBL) gereinigt. Aus Sicht der TBL sei keine zusätzliche Reinigung nötig. Weitere öffentliche WC-Anlagen auf städtische Kosten einzurichten, scheitert wiederum am fehlenden Geld. Auf Hinweis von Claudia Wiese (Grüne), dass in Warschau im öffentlichen Raum überall transportable WCs abgestellt seien, erteilte der Ausschuss der Verwaltung den Auftrag, zu prüfen, ob solche barrierefreien Dixie-Klos etwa in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern auch in Leverkusener Parkanlagen und anderen Orten mit vielen Passanten platziert werden könnten.

Verpflichtende Erste-Hilfe-Ausbildung an Schulen

Ein verpflichtender Grundlagenkurs in Klasse fünf und ein vollständiger Erste-Hilfe-Kurs in Klasse zehn – das wünscht sich der Jugendstadtrat für jede Schule in der Stadt. Das könne in Kooperation mit den Leverkusener Hilfsorganisationen (ASB, DLRG, Malteser, Johanniter oder DRK) geschehen. „Erste Hilfe ist eine lebenswichtige Kompetenz, die bereits früh vermittelt werden muss“, heißt es in der Begründung des Antrags. Mit 14 Jahren seien Jugendliche strafmündig und damit zur Hilfeleistung verpflichtet. Außerdem würde es die Sicherheit in der Stadt erhöhen. Für die Zehntklässler sollte der Kurs so angelegt sein, dass sie ihn für den Führerscheinerwerb nutzen können. „Das ist ein sehr wichtiges Thema“, lobt Katja Weierstall (SPD) im Bildungsausschuss. Dem stimmt auch Gisela Schumann (CDU) zu, gab aber zu bedenken, dass das Land die Lehrinhalte festlege und der Stadtrat das nicht verpflichtend beschließen könne. Claudia Schulte (Grüne), selbst Lehrerin, sah das nicht so eng: „Natürlich dürfen Schulen ihre Lehrinhalte auch an die Lebenswirklichkeit anpassen, ich mach mir da keine Sorgen.“ Luer Ebermann, Leiter des Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung und Sprecher der Weiterführenden Schulen, sieht in dem Bereich allerdings keinen Nachholbedarf: „Die Lehrer werden regelmäßig geschult, es gibt eine Doppelstunde Laienreanimationskurs und verschiedene Projekte wie den Schülersanitätsdienst.“ Die Antragstellerinnen im Publikum gaben sich damit zufrieden und erklärten den Antrag für erledigt.

Mehr Musikschulangebote in Opladen

„Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass es immer schwieriger wird, Musikschulplätze mit anständigem Niveau zu finden“, sagen Vertreterinnen des Jugendstadtrates vor dem Bildungsausschuss. Deswegen soll die Stadt Kooperationsmöglichkeiten mit privaten Musikschulen prüfen, vor allem für Opladen. Matthias Fromageot, Leiter der städtischen Musikschule, bestätigt, dass es für viele Instrumente lange Wartelisten gibt. „Ich hätte aus dem Stand Bedarf für fünf Vollzeitequivalentstunden, um die Wünsche der jungen Leute und die Anfragen von Schulkooperationen oder Startchancenprogramm zu realisieren.“ Er bestätigt auch, dass das Angebot in Opladen „ziemlich verwaist“ sei, weil er hier Probleme habe, Räume zu finden. „Da brauchen wir auch die Unterstützung der Politik.“ Diese will sich darauf beschränken, das Angebot der eigenen Musikschule im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten zu stärken. Auch damit geben sich die Schülerinnen als Erklärung zufrieden, der Antrag gilt als erledigt.